Dienstag, 24.11.2020

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HuPfla in Erlangen: Audiowalk der FAU zum Thema "Patientenmord"

Gedenken an NS-Medizinverbrechen in der Heil- und Pflegeanstalt - 20.11.2020 18:08 Uhr

Der Abriss großer Teile des sogenannten Kopfbaus - des letzten noch bestehenden Patientengebäudes - der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt (HuPfla) schreitet voran: Im Bild festgehalten ist der Westflügel von Norden her gesehen, wie er zunehmend von Baggerzähnen zermalmt wird.

19.11.2020 © Harald Sippel


Der Audiowalk steht über die kostenlose App izi.travel unter dem Titel "Patientenmord hinter Sandsteinmauern – zwischen Abriss und Erinnerung" zur Verfügung und kann eigenständig genutzt werden.

Er entstand in einem interdisziplinären Projektseminar, das zwei Mitarbeiterinnen des Lehrstuhls für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte sowie des Lehrstuhls für Geschichte der Medizin im Wintersemester 2019/20 an der FAU anboten. Die TeilnehmerInnen des Seminars beschäftigten sich ein Semester lang mit der Geschichte der nationalsozialistischen Medizinverbrechen, die an Patienten der Heil- und Pflegeanstalt und der Universitätskliniken verübt wurden.

Eine Spurensuche

Der Audiowalk soll einen Beitrag dazu leisten, die Erinnerungen an die Opfer wach zu halten. Er folgt den Spuren der NS-Medizinverbrechen quer durch die Erlanger Altstadt.

Corona-bedingt kann die Eröffnung des Audiowalks nur via Zoom stattfinden. Bei der digitalen Eröffnung werden neben den TeilnehmerInnen und DozentInnen des Projektseminars auch

Bilderstrecke zum Thema

HuPfla-Westflügel fast vollständig abgerissen

Bagger zermalmen Baudenkmal neben Uni-Klinik in Erlangen.


Oberbürgermeister Florian Janik, der Vorsitzende des Fördervereins der Erlanger Geschichtswissenschaft, die InhaberInnen der beteiligten Lehrstühle sowie weitere Mitwirkende des Projekts sprechen.

Der Eröffnungsakt beinhaltet die digitale Freischaltung des Audiowalks, sodass dieser am 22. November, dem Jahrestag des dritten Transports von Patienten aus der Erlanger Heil- und Pflegeanstalt in eine der zentralen Tötungsanstalten, für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Die 1846 als "Kreisirrenanstalt" gegründete Erlanger Heil- und Pflegeanstalt galt noch in den 1920er Jahren als Musteranstalt der modernen Reformpsychiatrie. In den Jahren 1939 bis 1945 wurde sie "Schauplatz" eines bis dato beispiellosen Verbrechens. Über 900 psychisch kranke sowie geistig und körperlich behinderte Patienten wurden in Tötungsanstalten deportiert und dort ermordet.

Tötungsanstalt Hartheim

Am 22. November 1940 wurden mit dem 3. Transport insgesamt 129 Patienten – 109 Frauen und 20 Männer – in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz in Österreich gebracht und dort mit Gas ermordet. Die meisten Patienten dieses Transports waren erst wenige Wochen zuvor aus der aufgelösten Anstalt Bayreuth nach Erlangen verlegt worden.

Nach der Einstellung der Transporte im Jahr 1941 fiel eine bislang nicht bekannte Zahl von Patienten in der Erlanger Anstalt der sogenannten "Hungerkost" zum Opfer.

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