Hupfla in Erlangen: NS-Krankenmorde im Fokus

18.2.2019, 18:00 Uhr
Das letzte verbliebene Patientengebäude der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt (

Das letzte verbliebene Patientengebäude der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt ("Hupfla"), der nördliche Kopfbau, war in der NS-Zeit die psychiatrische Universitätsklinik. © Harald Sippel

"Die Beschäftigung mit Medizinverbrechen im Nationalsozialismus ist etwas, das gerade alle bayerischen Bezirke erfasst", sagt Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Auch im Bezirk Mittelfranken ist dies der Fall. Vor wenigen Wochen hat der mittelfränkische Bezirkstag seine Hauptsatzung erweitert um den Punkt "Aufarbeitung der NS-Geschichte mit dem Schwerpunkt Euthanasie-Verbrechen, insbesondere in Bezirkseinrichtungen".

"Aus nahezu jedem Dorf wurden Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen von den Nazis eliminiert", erklärt Jörg Skriebeleit. "Das will und muss man aufarbeiten, die Bezirke zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen."

908 Patienten der Heil- und Pflegeanstalt in Erlangen wurden zwischen 1939 und 1941 im Rahmen der sogenannten "T4"-Aktion in Tötungsanstalten ermordet.

Julius Scharnetzky hält in Erlangen einen Vortrag über die NS-Krankenmorde.

Julius Scharnetzky hält in Erlangen einen Vortrag über die NS-Krankenmorde. © privat

Darüber berichtet Julius Scharnetzky, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, am Dienstag, 19. Februar, ab 19 Uhr in der Stadtbibliothek am Marktplatz  in Erlangen.

Julius Scharnetzky spricht auch über die zweite Phase der Krankenmorde, die nach 1941 einsetzte.. In Bayern gab es den Hungererlass. Nicht arbeitsfähige und pflegeintensive Patienten wurden in den Heil- und Pflegeanstalten mit einer nicht ausreichenden festtarmen "Sonderkost" verpflegt, dazu wurden ihnen auch Medikamente verabreicht. Dies löste bei den Opfern häufig eine Lungenentzündung mit tödlichen Folgen aus.

In Erlangen wird demnächst ein Erinnerungsort für die Opfer der NS-Euthanasie geschaffen.

1 Kommentar