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Ideen in der Corona-Krise: Wie Sportler sich und anderen helfen

Viele Möglichkeiten, sich fit zu halten oder etwas für die Gemeinschaft zu tun - 22.03.2020 14:00 Uhr

Mehr als nur Zeitvertreib: Sport und Bewegung ist auch in der Corona-Krise wichtig. Wie man mit (späterem) Biertrinken, Geistern und Einkaufen helfen kann, haben wir ebenso parat wie Tipps für das Training zu Hause. © Inga Kjer/dpa


Sportler haben plötzlich nichts mehr zu tun. Training und Wettbewerbe sind abgesagt, die Mucki-Buden sind geschlossen. Sitzen nun alle faul auf der Couch? Zum Glück nicht. Stattdessen haben sich in der ersten Woche, in der sich die Corona-Krise extrem auf unseren Alltag auswirkt, viele Initiativen, Ideen und Aktionen entwickelt. Von kleinen Internet-Gags bis zu echten Hilfsaktionen, vom Workout für zu Hause bis zum Geisterspiel.


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Im Wohnzimmer

Mit der Disziplin in den heimischen vier Wänden ist das immer so eine Sache. Im regulären Berufsalltag nimmt der Haushalt eine meistens mit zwiespältigen Gefühlen behaftete Rolle ein, da gelingt die zusätzliche körperliche Überwindung nurmehr auswärts. In besonderen Zeiten aber kann die Nostalgie in Form eines längst vergessenen Ergometer den nötigen Antrieb verschaffen, verleihen Aerobic- oder Yoga-Videos ungeahnten Schwung. Gegen ein paar Liegestützen und Sit-ups auf der Gymnastikmatte wird auch der Nachbar keine Einwände erheben.

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Dazu ist nun endlich der Moment gekommen, um sich mit der Funktionsweise einer Faszienrolle vertraut zu machen. Wer es technisch anspruchsvoller mag, baut die Fahrrad-Rolle im Keller auf, entstaubt den Kraft-Raum oder versucht sich im Extrem-Staubsaugen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Praktische Tipps liefert zum Beispiel der Erlanger Personaltrainer Coach Marco auf Instagram und Facebook, er bietet dort täglich um 18.30 Uhr ein Training an. Dabei kommen Geräte zum Einsatz, die aktuell wohl jeder zu Hause hat: Klopapierrollen.

Team bleibt Team

Was Sportler noch sehnlicher vermissen als die harten Einheiten ihrer Coaches sind ihre Mannschaftskameraden. Sport bedeutet ja auch: Spaß mit Kumpels. Klopapierrollen sind hier ebenfalls willkommene Requisiten. Auf Instagram zeigen gerade alle möglichen Fußballer unter dem Hashtag #stayathomechallenge, wie gut sie mit Klopapier tricksen können. Ist das Kunststück geschafft, nominieren sie fleißig ihre Teamkollegen. Sogar Handballer mussten schon ran.

Die Judoka des TV 48 Erlangen zählen unter dem Hashtag #gemeinsamstark Liegestützen. Ebenfalls witzig: Marius Iepure, Trainer vom TTC Erlangen, gibt über den Instagram-Account Cha-Cha-Cha-Stunden. Und dann gibt es ja noch die Online-Spiele, in denen man auch miteinander, oder besser: gegeneinander, zocken kann. In den kommenden Wochen werden wohl Weltmeisterschaften und Champions-League-Finals en masse gespielt. Nur eben auf Fifa.

Unter freiem Himmel

Gegen eine Dosis Frischluft gibt es wenig einzuwenden, zumal sich Viren bei entsprechendem Abstand zueinander schwer übertragen. Höchstens ein wenig mehr Überwindung kostet es, die Runde Joggen, Wandern oder Nordic Walking ohne Gruppe durchzustehen. Dafür spenden Musik, die digitale Fitness-App oder der eigene Hund ein gesundes Maß an Begleitung. Für Sport und Bewegung an der frischen Luft, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung, darf man auch weiterhin das Haus verlassen.

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Man muss auch nicht gleich raus in die Fränkische Schweiz, manchmal reichen der Garten oder die Wiese vor der Haustür. Kraft- und Ausdauerübungen ohne Geräte, die nur mit dem Körpergewicht zu absolvieren sind, kann jeder machen. Anleitungen dazu gibt es im Internet in großer Vielzahl — selbst für die längste Corona-Krise. Für Einsteiger und Super-Sportler.

Alle können helfen

Stillstand im Sport: Vereine in der Corona-Krise

Super-Sportler, das sind auch diejenigen, die sich aktuell nicht nur Gedanken um ihren Bizeps machen. Sondern um das Wohl anderer. Viele Initiativen gibt es bereits. Schon seit einigen läuft die Aktion "Einkaufshelfer" der Nachbarschafts-Vereine FC Eschenau und SC Eckenhaid. Die Sportler möchten Menschen ab 60 Jahren, Bedürftigen, Vorerkrankten, Menschen mit gesundheitlichen, körperlichen Einschränkungen, die zur Corona-Risikogruppe gehören und jetzt besonders auf Beistand angewiesen sind, durch Einkaufshilfe unterstützen. Betroffene Mitglieder der Vereine, sowie betroffene Einwohner aus Eckenhaid und Eschenau können dafür Martin Roser, den zweiten Vorsitzenden, unter der Nummer 015733736755 anrufen. Die Sportler machen dann Besorgungen für den täglichen Bedarf — nach Einkaufszettel — und bringen die Lebensmittel und anderes zu den Leuten nach Hause. Die DJK-SpVgg Effeltrich folgte bereits diesem Beispiel. Auch sie bietet einen Hilfsdienst an für die Nachbarn, für Effeltricher, Poxdorfer und Gaiganzer. Wer Hilfe in Anspruch nehmen will, schreibt eine Email an vg-zusammenhalten@web.de oder kann sich unter der Telefonnummer 0177/6652286 melden. Christian Wagner, Spielleiter und Trainer der Damenmannschaft, in seinem Home-Office die Leitstelle, koordiniert die Bestellungen.

Mehr als ein Seidla

Ebenfalls solidarisch sind die Handballer des TV 1861 Bruck. Sie sorgen sich um ihre Sponsoren, langjährige Partner und Freunde: die Gastronomen. "Wir sehen uns in der Pflicht, noch mehr zurückzugeben als das Seidla nach dem Spiel", sagt Jan Völcker in einem Video. "Gutscheine können unserer Lieblingskneipe als eine Art Mini-Kredit sofort helfen", meint Kapitän Mirko Scholten. Die Handballer legen das Geld aus ihrer Mannschaftskasse in "Kneipen-Wertpapiere" an. Das aber soll es nicht gewesen sein. Viele weitere Mannschaften sollen sich anschließen. Auf Instagram haben sie eine Challenge ins Leben gerufen, um andere für die Aktion zu gewinnen. Unter #UnitedvsCorona-Challenge nominieren sie andere Teams. Auch das also ein Tipps fürs Wochenende: Gutscheine kaufen. Und das Bier eben später trinken.

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Geisterspiel ohne Eis

Der Höchstadter EC lädt zu einem "Geisterspiel". Die Idee: Fans kaufen sich Tickets für eine Partie am 26. Mai, die niemals stattfinden wird. Die Solidaritätskarten kosten zehn Euro (Stehplatz), 19 Euro (Sitzplatz) und 93 Euro für einen VIP-Platz, es sind quasi Spenden. Sie sollen dem HEC helfen, das entstandene Finanzloch zu stopfen. Der Vorteil: Ausverkauft ist diese Partie nie.

Ihr Verein oder Ihre Mannschaft hat auch eine tolle Aktion, um in der Corona-Krise anderen Menschen zu helfen? Wir teilen das gerne. Melden Sie sich bitte bei der Sportredaktion, aktuell im Home Office, am besten per Email: redaktion-erlangen@pressenetz.de

KATHARINA TONTSCH, ALEXANDER PFAHELER UND KEVIN GUDD

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