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In den Bussen geht es vorwiegend friedlich zu

Exzesse wie in Brüssel sind in Erlangen weitgehend unbekannt - 12.04.2012 15:03 Uhr

Eines der Mittel, in den Bussen für Ruhe und Ordnung zu sorgen, ist die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern durch Polizeibeamte zu sogenannten Coolridern. © Klaus-Dieter Schreiter


Die Mitarbeiters der Brüsseler Verkehrsbetriebe waren nach dem Vorfall in den Streik getreten, da seit langem um bessere Sicherheitsbedingungen gekämpft wird. In Belgien ist Gewalt im öffentlichen Nahverkehr ein ständiger Begleiter.

Von solchen Erscheinungen sind die Verkehrsbetriebe in Deutschland bisher weitgehend verschont geblieben – sieht man einmal davon ab, dass Fußballfans beim Besuch der Auswärtsspiele ihrer Mannschaften grundsätzlich Züge zumindest verdreckt, nicht selten aber auch verwüstet hinterlassen. Im Alltagsbetrieb ihrer S-Bahnen hat die Bahn aber reagiert und setzt zunehmend Sicherheitspersonal ein, das von vorneherein abschreckend wirkt.

Ganz anders im Stadtverkehr – also dort, wo die Menschen mangels ausreichender Anonymität die Hemmschwelle für schlechtes Benehmen, Vandalismus, Pöbeleien und gewalttätige Übergriffe sozusagen „von Haus aus“ höher ist. So spricht denn auch Polizei-Hauptkommissar Ralf Rupp von der Ermittlungsgruppe bei der Polizeiinspektion Erlangen-Stadt von „nur ganz wenigen Übergriffen“, die ein Eingreifen der Polizei notwendig machen. „Erlangen ist erkennbar keine Großstadt, was diesen Aspekt der Kriminalität betrifft“, sagt Rupp. „Und so ein aggressives Klima wie in Brüssel wäre hier ganz und gar nicht vorstellbar.“

Die Polizei sei aber gleichwohl präventiv tätig, dort nämlich, wo in der Vergangenheit immer wieder einmal über Vandalismus in Bussen geklagt wird oder von Streit unter Betrunkenen: In den Nightlinern, die in den Wochenendnächten zwischen den Veranstaltungsorten verkehrten, und auch auf den Buslinien in die Wohnorte im Landkreis. „Da haben wir auch immer wieder einmal Kollegen in Zivil im Bus, die schnell eingreifen könnten.“

Die Polizei arbeitet aber auch eng mit den Verkehrsbetrieben zusammen. Den Stadtverkehr Erlangen organisieren die Erlanger Stadtwerke (EStW), bedienen sich dabei aber Busflotte und des Personals der Nürnberger Verkehrsaktiengesellschaft (VAG) – jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, bis es eine gemeinsame Busbetriebsgesellschaft nach europäischem Recht geben wird. Betriebsleiter Siegfried Richter hört von seinem Personal immer wieder, dass Vandalismus und Gewalt in den Bussen „kein Thema“ sei, Schmierereien und alkoholisierte Fahrgäste hingegen schon.

Laut Richter ist dies aber nichts, was besondere Kopfschmerzen bereite: „Unser Personal ist geschult, bleibt gelassen und versucht, erst gar keine Gewalt aufkommen zu lassen.“ Ursache dafür sei ein immer wieder erneuertes Deeskalationstraining, das Busfahrern professionelle „Ruhe“ gebe. Hinzu komme, dass es Sicherheitseinrichtungen in den Bussen gebe, die die Zentrale ganz schnell erreichen könnten und den Fahrer das Gefühl gebe, nicht allein zu sein.

Auf ein Abschreckungsmittel, wie es in Nürnberger U- und Straßenbahnen eingesetzt werde, habe man in Erlanger Bussen bisher verzichten können: Die Video-Überwachung der Fahrzeuge. „In Hamburg und Berlin sind Vandalismus und Gewalt schlagartig zurückgegangen“, sagt der Kommissar Ralf Rupp über die Video-Kameras. Allerdings denkt Siegfried Richter über derartige Einrichtungen in den zu Stoßzeiten bis zu sechzig Bussen des Erlanger Stadtverkehrs nicht daran.

Bewährt haben sich dafür andere Maßnahmen: So haben die Stadtwerke in Zusammenarbeit mit der ÖPNV-Akademie Nürnberg immer wieder sogenannte Coolrider (vor allem am Ohm-Gymnasium, aber auch in Eckental) ausgebildet – Schüler also, die in den Bussen beruhigend und mäßigend auf ihre Alterskollegen oder andere Fahrgäste einwirken könnten. Zu den Ausbildungsinhalten gehören vor allem die Verbesserung der Gesprächsführung, Einschätzen kritischer Situationen, Mediation und Deeskalationstraining.

Ein Problem allerdings wollen und können die Verkehrsbetriebe in Erlangen nicht mehr „stemmen“: Die Busse bei der Bergkirchweih direkt auf der Route des „Berg-Abtriebs“ fahren zu lassen. „Nach den Vorkommnissen der letzten Jahre, wo Busse immer wieder in gefährliche Situationen gerieten, weigern sich unsere Fahrer, diese Route zu fahren.“ Beim Massenandrang Betrunkener sind Deeskalationstraining und Mediation auch nicht die richtigen Mittel. Hier muss die Polizei selbst ran. 

VON PETER MILLIAN

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