In die Offensive gehen

1.4.2015, 18:30 Uhr

© Harald Sippel

Vor 15 Jahren wurde bei Georg Will die Krankheit Parkinson diagnostiziert. „Wenn der Arzt sagt: ,Sie haben Parkinson‘, ist das für die meisten ein kleiner Schlag“, sagt Georg Will. In diesen nüchternen Satz packt der 69-Jährige den ganzen Schock und die Gefühle des Ausgeliefertseins, die ihn befallen haben müssen, als er mitten in seinen Fünfzigern bei einer Nachsorgeuntersuchung zu einer Hirnblutung von der Krankheit erfuhr, die ihn seitdem begleitet. Ein zufälliger Befund war das also. „Ich bin ein bisschen schlechter gegangen, konnte etwas schlechter schreiben und dachte, das kam von der Aneurysma-Operation“, sagt er.

Heute ist Georg Will gewissermaßen Parkinson-Experte, seit vier Jahren leitet er die Selbsthilfegruppe Erlangen mit ihren 80 Mitgliedern. Er weiß, was Parkinson ist, wie es entsteht — soweit diese Dinge beim derzeitigen Forschungsstand überhaupt bekannt sind. „Man kann Parkinson erkennen am Zittern der Hände oder Beine, am schrägen Gang, an einem starren Blick, der verwaschenen Sprache, den langsamen Bewegungen“, erklärt der Erlanger. Die Symptome treten bei den Patienten nicht unbedingt alle gleichzeitig und zudem in unterschiedlicher Ausprägung auf. Fest steht jedoch, dass die Krankheit — die Folge einer Stoffwechselstörung im Zentralen Nervensystem des Gehirns — fortschreitend und mit dem heutigen Wissensstand der Medizin nicht heilbar ist.

Wer sich mit Georg Will trifft, erkennt von all den Symptomen fast gar nichts — höchstens eine kleine Unregelmäßigkeit in der Kopfbewegung ist wahrzunehmen. Dass das so ist, liegt zum einen an der medikamentösen Therapie, die er macht. Zum anderen unterstützt er deren Wirkung mit einer Bewegungstherapie. Nordic Walking sei gut für Parkinson-Kranke, sagt Will. In fortgeschrittenem Stadium könne man dies jedoch nicht mehr machen, fügt er einschränkend hinzu.

Eine Sprachtherapie hat er bereits hinter sich. „Vor fünf Jahren war ich soweit, dass man mich nicht mehr verstehen konnte“, sagt er. „Das sagt einem keiner ins Gesicht“, ist seine Erfahrung. Der Vorteil einer Selbsthilfegruppe sei, dass man sich dort traue, dem anderen derartige Beobachtungen mitzuteilen.

Überhaupt mache es Sinn, als Kranker in die Offensive zu gehen, sobald die Symptome sichtbar werden — sonst könne es einem passieren, beispielsweise als Alkoholiker abgestempelt zu werden.

Und auch für die nächste Umgebung sei es nicht leicht, mit der Parkinsonschen Krankheit klar zu kommen. „Das geht auf die Nerven, wenn einer nuschelt und sich komisch bewegt“, sagt Will. „Da braucht man als Angehöriger sehr viel Verständnis.“

Die Selbsthilfegruppe Erlangen trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat um 15 Uhr im Clubraum der Apostekirche, Odenwaldallee 32.

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