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In Kleingeschaidt rauchte einst der Schlot einer Ziegelei

Von 1877 bis 1940 wurden hier Bausteine erzeugt — Bald Wohnungen im Gebäude - 16.09.2015 18:07 Uhr

Die alte Postkarte dient als Beweis dafür, dass es in Kleingeschaidt tatsächlich eine Ziegelei gab. © Repro: Ernst Bayerlein


Kleinziegeleien gab es in unserer Gegend um 1900 sehr viele, überall wo es ein Tonvorkommen gab, Tongruben, Straßennamen, Flur- und Ortsnamen zeugen noch heute davon. Im Erlanger Oberland gab es eine Ziegelhütte in Heroldsberg, in Johannisthal, östlich des Mistelbergs zwischen Heroldsberg und Kalchreuth direkt an der Bahnlinie und auch eine Ziegelei in Kleingeschaidt.

Errichtet wurde sie 1877 von Johann Konrad Beck. Er war durch Heirat nach Kleingeschaidt auf den „Halben Eckenhof“ gekommen. Noch im gleichen Jahr stellte er einen Antrag an das damalige Bezirksamt in Erlangen auf Errichtung einer Gaststätte gleich neben der Ziegelei. Schon nach kurzer Zeit erhielt er die Erlaubnis zum Bierausschank und nach weiteren Gesuchen im Juli 1884 die Genehmigung zum Branntwein-Ausschank. Die Gaststätte gab es bis zum Jahr 1992. Seit über 20 Jahren ist das Rennbahn-Center-Franken dort.

Doch zurück zur Ziegelei: Als Material für die Ziegelherstellung wurde der Löß-Lehm aus der näheren Umgebung der Ziegelei verwendet, er hatte eine gute Qualität. Ältere Kleingeschaidter, insbesondere Friedrich Ziegler, erinnert sich noch daran, dass der Lehm auf Wagen, bespannt mit Pferden, zur Ziegelei transportiert wurde, später dann in „Loren“ (Feldbahn) die auf Gleisen fuhren und ebenfalls von Pferden gezogen wurden.

In einem Aufsatz berichtet Ziegler weiter, dass das Rohmaterial per Hand in einen „Koller“, eine Art Pfanne mit Löchern geschaufelt wurde und zwei gegenläufige Mühlsteine quetschten den Lehm durch eine Presse; die Formlinge kamen heraus. Mit einem Gitter erfolgte das Abschneiden auf das gewünschte Längenmaß. Auf Ablageböden begann die erste Trocknung der Rohlinge. Hernach erfolgte manuell per Handkarren die Beschickung des Ringofens, dieser wurde mit Kohle beheizt und über den hohen Kamin hatte er eine enorme Eigenzuglüftung. Bei Temperaturen von etwa 950 Grad Celsius erfolgte der Brennvorgang, der dauernd überwacht wurde. Nach der Abkühlung wurden die fertigen Backsteine gelagert.

Als Bub, so erinnert sich Friedrich Ziegler, war er oft in der Ziegelei. „Der Zutritt von Kindern war zwar untersagt, aber kein Mensch hielt sich daran. Ob das nun der Koller, der Brennofen oder der Maschinenraum waren, alles war für mich interessant“, berichtet Ziegler.

Wie der Heimatforscher Wilhelm Held in der Ortschronik weiter berichtet verkaufte Beck im Jahre 1922 die Ziegelei an Georg von Villebois-Waldstädt, der aber gleich weiter verkaufte an Josef Bauer aus Erlangen. 1929 kaufte Konrad Beck die Ziegelei wieder zurück, um sie für 30 000 Mark gleich weiter zu verkaufen an Friedrich Putbrese. 1931 kam es zur Versteigerung des Anwesens und Konrad Beck wurde erneut Besitzer. 1936 kauften Georg Fürsattel und Alois Brütting die Ziegelei und 1939 war sie im Alleinbesitz von Hans Höfler.

Dieser verkaufte die Ziegelei im Jahre 1943 an die Nürnberger Präzisions-Werkzeugfirma Ernst Reime. Die zunehmenden Luftangriffe auf Nürnberg zwangen die Firma zu einer Teilverlagerung des Betriebes nach Kleingeschaidt. Es erfolgte eine Umnutzung des Gebäudes, die Brennöfen und der Kamin wurden mit Hilfe russischer Fremdarbeiter abgebrochen, das Gebäude umgebaut und mit für die Fertigung von Werkzeugen begonnen. Nach dem Krieg ging der Betrieb weiter, es gab viele Arbeitsplätze. Im Jahre 1994 zog die Firma Reime aus, es erfolgte der Verkauf an die Firma Streng.

Zurzeit werden von einem neuen Eigentümer mehrere Wohnungen in dem großen Gebäude ausgebaut.

ERNST BAYERLEIN

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