Integration durch Sport: TV 48 Erlangen gewinnt Preis

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Christoph Benesch

Erlangen

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7.11.2019, 06:00 Uhr
Mit Spaß und Freude in ein glücklicheres, zufriedeneres und vor allem gewalt- und konfliktfreies Leben: Kinder an der Mönauschule.

Mit Spaß und Freude in ein glücklicheres, zufriedeneres und vor allem gewalt- und konfliktfreies Leben: Kinder an der Mönauschule.

Wenn Mark Sauerborn in Büchenbach an den Türen der Eltern klingelt, fragen ihn die häufig zuallererst, was die Tochter oder der Sohn wohl wieder ausgefressen haben. Dabei kommt Sauerborn nicht von der Polizei, sondern vom Verein "Integration durch Sport" des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV).

Migrationsanteil bei über 60 Prozent

Dort, wo die Kinder nicht selten durch Schläge statt Liebe und Zuneigung erzogen werden, versucht das "BISS"-Projekt (Bewegung im sozialintegrativen Schulsport) anzupacken: Respektvolles Miteinander wird durch die Kraft des Sports gefördert. "Das geht leider bei sehr grundlegenden, elementaren Dingen schon los", sagt Maria Hertel, Rektorin der Mönauschule in Büchenbach.

Der Migrationsanteil an der Grundschule in Büchenbach-Nord liegt bei über 60 Prozent, zur Ganztagsbetreuung gar bei über 80 Prozent. "Doch der Migrationshintergrund ist, neben mancher Sprachbarriere, gar nicht unbedingt das Gravierende", sagt Hertel. Es sind vielmehr die Kinder aus den überwiegend bildungsfernen Familien, die immer wieder Probleme bereiten: "Schläge", sagt Hertel, "gehören hier zur Erziehung."

Die Folge sind Schulkinder, die ihre Aggressionen nur schwer unter Kontrolle haben. Körperliche Gewalt, Beleidigungen, Rassismus und Vandalismus werden von zu Hause in die Schule getragen. "Nach den Ferien stellen wir immer eine Zunahme dieser Probleme fest", sagt Maria Hertel. "Am Ende jeden Schuljahres dann lässt es stark nach." Das führt die Rektorin neben der täglichen Arbeit ihres engagierten Kollegiums zu einem großen Teil auf die Arbeit des "BISS"-Projekts zurück.


Hersbrucker Verein erhält mittelfränkischen Integrationspreis


Seit 2011 bietet der BLSV in Zusammenarbeit mit dem Turnverein 1848 Erlangen, mit dem Verein "Gesundheit und Medizin" und der Mönauschule eine zusätzliche Sportstunde für die Ganztagskinder wöchentlich an. In kleinen Gruppen lernen die Kinder so die Grundregeln des sozialen Verhaltens durch den Sport, die Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten und Interessen, gegenseitige Wertschätzung, gewaltfreien und kooperativen Umgang miteinander, das Akzeptieren von Regeln. "Dinge", sagt Maria Hertel, "die für viele von uns selbstverständlich sind. Dinge, die viele unserer Kinder aber häufig erst bei uns lernen."

Rassistische Beleidigungen und Vorurteile unter Grundschülern

Dieser Sportunterricht ist der Türöffner für Mark Sauerborn, wenn er dann klingelt und sich vorstellt. Er möchte die Eltern dazu bringen, ihren Kindern weiterführende Angebote beim TV 48 Erlangen zu gestatten. "Der Erfolg soll nachhaltig werden, kein kurzes Blitzlicht", findet Günther Beierlorzer, hauptamtlicher Sportlehrer beim TV.

Waren von den Kindern der Kirchner-Schule bereits 70 Prozent Mitglied beim Fußball oder Turnen, war es zu Projektbeginn an der Mönauschule kein einziges. Mittlerweile sind es schon rund 30 Prozent.

"Die Auszeichnung macht uns sehr stolz"

Als zuletzt rassistische Beleidigungen und Vorurteile unter den Grundschülern wieder zunahmen, beschlossen alle BISS-Teilnehmer gemeinsam, sich beim städtischen Projekt "Demokratie erleben" zu bewerben. Mit den dortigen Fördergeldern und Sponsoren gelang es, durch zusätzliche Maßnahmen wie einem erlebnispädagogischen Ausflug, einer Aktion des Kinderschutzbundes sowie einem Wandererlebnistag mit Eltern, Schülern und Lehrern, die negativen Strömungen einzudämmen. Dafür belegten sie nun den mit 2500 Euro dotierten 1. Platz beim Mittelfränkischen Integrationspreis.

"Die Auszeichnung", sagt Jörg Bergner, Vorsitzender des TV, "macht uns sehr stolz. Wir sehen es als Verpflichtung, über den Sport hinaus zu helfen." Rektorin Maria Hertel macht etwas anderes noch glücklicher: "Die Arbeit hilft dem Klima an unserer Schule, aber vor allem der Zukunft unserer Kinder."

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