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Jetzt auch bei Healthcare: Weitere 250 Siemens-Jobs in Gefahr

Auch die Standorte Erlangen und Forchheim sollen betroffen sein - 15.03.2016 06:00 Uhr

Der angekündigte Stellenabbau bei Siemens Healthcare soll vor allem Produktionsstandorte — wie auf unserem Bild in Erlangen — betreffen. Genaue Details wollen Firmenspitze und Betriebsrat im April aushandeln. © PR


Der angekündigte Abbau von bis zu 900 Stellen im Siemensbereich Prozessindustrie und Antriebe (PD) in Nürnberg und Erlangen hat gerade bei Politikern, Arbeitnehmervertretern und Beschäftigten für einen Paukenschlag gesorgt – da müssen schon die nächsten Mitarbeiter um ihre Jobs bangen. Nach EN-Informationen sollen in der Medizintechnik-Sparte Siemens Healthcare bis Ende des laufenden Geschäftsjahres, also bis 30. September, rund 250 Stellen wegfallen. Betroffen von den Streichungen sind neben Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) und Rudolstadt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) auch die Standorte Erlangen (6000 Mitarbeiter) und Forchheim (rund 2500 Mitarbeiter).

Wie stark die beiden Städte in Mittel- beziehungsweise Oberfranken unter den Einsparungen leiden werden, konnte Firmensprecher Thorsten Opderbeck auf Anfrage nicht sagen. "Wir sind bisher nicht ans Eingemachte gegangen, das wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht." Fest aber steht: Die geplante Umorganisation findet insbesondere in den Werken im produzierenden Sektor statt, also in Erlangen (MRT) und vor allem Forchheim (CT). Vertreter von Geschäftsführung und Betriebsrat werden, so Opderbeck, die Details im April verhandeln.

Siemens spricht von "hohem Kostendruck"

Vieles aber wissen die Beschäftigten von Siemens Healthcare bereits aus den Rundmails von Firmenspitze und Arbeitnehmervertretern. Auch den Erlanger Nachrichten liegen die beiden Schreiben vom 1. März 2016 vor. So spricht die Firmenleitung in ihrem Brief an die Mitarbeiter unter anderem vom Ziel, "die Markt- und Innovationsführerschaft in der medizinischen Bildgebung auszubauen". Umsatz und Auftragseingang entwickelten sich stabil.

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Zugleich aber sei das Wachstum der Märkte "im Wettbewerbsumfeld" sehr gering und der "hohe Kostendruck" im "globalen Gesundheitsmarkt" spürbar. Daher müsse der Geschäftsbereich, der vor fast genau einem Jahr in eine rechtlich eigenständige GmbH ausgegliedert wurde, sich auf die veränderten "Anforderungen des Marktes" einstellen.

Was das konkret heißt, kommt am Ende: "Die dargestellten Effizienzsteigerungen führen zu einer geplanten Anpassung von ca. 180 Stellen im Bereich von Diagnostic Imaging (DI)." Auch in anderen Bereichen sind Umstrukturierungen geplant, so dass die Zahl der insgesamt betroffenen Stellen die Zahl 250 erreicht. Dabei, so die Arbeitgeberseite, sollen Umstrukturierungen, Altersteilzeitverträge oder natürliche Fluktuation die Folgen abmildern.

Selbst gut laufende Geschäfte keine Garantie mehr

Das aber glauben die Arbeitnehmervertreter nicht: In ihrer Mitarbeiter-Mail bezeichnen sie die Pläne "in Zeiten hoher Profitabilität, steigenden Auftragseinganges und Umsatzes" als nicht akzeptabel. Der Wegfall von Stellen dürfe nicht zu Leistungsverdichtung, Kompetenz- oder Qualitätsverlust oder sozialen Härten führen.

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Das findet auch Peter Müller (Name geändert). Der fast 50-Jährige, der seit etlichen Jahren bei Siemens Healthcare in Erlangen arbeitet, ist über die Pläne entsetzt. Selbst sehr gut laufende Geschäfte seien keine Garantie mehr für eine dauerhafte Stelle bei Siemens, kritisierte er gegenüber unserer Zeitung.

Da vor Mai voraussichtlich niemand weiß, wer von den Stellenstreichungen persönlich betroffen ist, sei die Stimmung angespannt. "Es fühlt sich so an, als kämen die Einschläge immer näher." Auch der Ankündigung der Betriebsleitung, den Stellenabbau über sozialverträgliche Maßnahmen abfedern zu wollen, schenkt Peter Müller wenig Glauben: "Die Mitarbeiter stehen ja schließlich nicht in der Warteschlange, um Siemens verlassen zu dürfen."

Dieses Video wird präsentiert von Franken Fernsehen:

SHARON CHAFFIN

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