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Kampf gegen Krebs: Uniklinikum weiht Magnet-Roboter ein

Chemotherapien können in Erlangen nun effektiver und nebenwirkungsärmer werden - 17.09.2019 14:43 Uhr

So sieht der neue Roboter aus, noch darf er aber nicht bei Patienten eingesetzt werden. Seon-Leiter Professor Christoph Alexiuo (rechts im Bild) und sein Stellvertreter, Dr. Stefan Lyer, zeigen ihn trotzdem schon einmal. © Hans-Joachim Winckler


Kritik übte Seon-Leiter Prof. Christoph Alexiou im Gespräch mit den Erlanger Nachrichten an der bayerischen (Spar-)Politik in dem Bereich: "Wir hätten die Möglichkeit, hier ein Leuchtturmprojekt zu schaffen und Krebspatienten zu helfen", sagte Alexiou. Allerdings fehle es dafür an Geld. "Wir haben das einzige Gerät dieser Art weltweit", sagte Alexiou bei einer Pressekonferenz. Es werde die Nanomedizin auf ein neues Level heben und insbesondere Krebstherapien effektiver und nebenwirkungsärmer machen.

Der zwei Tonnen schwere Roboter soll die Seon–Mitarbeiter künftig beim so genannten Magnetischen Drug Targeting, also der zielgerichteten, magnetgesteuerten Medikamentengabe, unterstützen. Dabei werden Nanopartikel aus Eisenoxid mit Medikamenten beladen und dann mit magnetischer Hilfe gezielt in erkranktes Gewebe geführt, zum Beispiel in einen Tumor oder in entzündete und verengte Gefäße.

"Krebsmedikamente sollen dann nur noch genau dort im Organismus wirken, wo sie gebraucht werden", erläuterte Alexiou weiter. Bislang breiten sich Wirkstoffe im ganzen Körper aus und erreichen das Tumorgewebe nur teilweise. Mit der neuen Methode wären Chemotherapien deutlich effektiver und ihre Nebenwirkungen viel geringer als heute so die Mediziner, so Alexiou.

Roboter steht bereit, darf aber noch nicht ran

Der hierfür notwendige Magnet-Roboter steht bereits in der Seon-Sektion in der Glückstraße, eingesetzt aber kann er noch nicht werden. Denn bisher gibt es noch keine Zulassung für die Partikel, die für die neue Anwendung als Kontrastmittel und Wirkstoffträger fungieren. Eine Zulassung hierfür aber setzt notwendige weitere klinische Studien und Forschungen voraus — und genau dafür fehlen laut Alexiou die Mittel.

Dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und Wissenschaftsminister Bernd Sibler (beide CSU) liegen Förderanträge der Uniklinik vor. Erlangen könnte ein Nanomedizin- und Nanotoxikologiezentrum Bayern werden, sagte der Seon-Chef, "aber bisher haben wir noch keine Zusagen".

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