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Kein Drittliga-Aufstieg für die Damen des HC Erlangen

Das Team bleibt in der Bayernliga, das finanzielle Risiko ist dem Verein zu groß - 04.06.2020 13:17 Uhr

Das Ziel bleibt unverändert: Trainer Attila Kardos (im Hintergrund) möchte mit seinen Erlanger Handballerinnen in die dritte Liga aufsteigen.

© Archivfoto: Harald Sippel


Die Chance war da. Als einer der besten Vizemeister aller Oberligen des Landes hätten die Erlanger Handballerinnen kommende Saison in der dritten Liga antreten dürfen. Sportlich, da ist sich Trainer Attila Kardos sicher, haben sie sich den Aufstieg verdient. Und doch: Die HCE-Damen werden nicht aufsteigen.


Kommentar: HC Erlangen e.V. setzt lieber auf die Herren


Die Vereinsverantwortlichen haben beschlossen, die Mannschaft weiter in der Bayernliga antreten zu lassen. "Wenige Tage vor der Meldefrist" hat Kardos davon erfahren. "Als Trainer war ich nicht in die Entscheidung miteingebunden." Zuvor hatte er gemeinsam mit dem Verein immer das Ziel gehabt, in die dritte Liga aufzusteigen. "Ich war überzeugt, dass wir die Finanzierung dafür auf die Beine gestellt hätten."

Der Vorstand des HC Erlangen e.V. ist anderer Ansicht. "Wir haben entschieden, dass die Finanzierung nicht sicher ist", sagt Thomas Fuchs. Seit Dezember ist er Vizepräsident und für den Bereich Frauen sowie Jugend weiblich zuständig. "Corona ist ein großer Faktor, den gab es zu Beginn des Jahres noch nicht." Der Vorstand habe das "Abenteuer dritte Liga" daher neu bewertet — mit dem Ergebnis, dass eine weitere Saison in der Bayernliga für die Damen der "solidere Weg" sei.

Für die dritte Liga wären mindestens 50 Prozent Mehrkosten auf den Verein zugekommen, schätzt Thomas Fuchs. "Dazu werden wir weniger Geld einnehmen, auch wenn wir nicht wissen, wie viel." Die Sorgen der Coronokrise treiben auch den HC Erlangen e.V. um, sei es im Bereich der Sponsoren oder der ausbleibenden Zuschauereinnahmen. Weil alle Klubs diese Probleme haben, hat der Verband bis Ende Juli eine Frist gesetzt. Bis dahin könnte ein Verein gegen einen reduzierten Betrag von 500 Euro seine Mannschaft doch noch aus der Liga zurückziehen.

"Das war eine Vorstandsentscheidung"

Die Erlanger aber haben bereits Mitte Mai beschlossen, es gar nicht erst zu versuchen. "Das war eine Vorstandsentscheidung", sagt Fuchs. "Der Trainer ist für den sportlichen Bereich zuständig. Mit Attila hat die Mannschaft einen enormen Schritt nach vorne gemacht." Mit der Situation vor einem Jahr — ohne Coach, ohne Perspektive — sei das nicht mehr zu vergleichen. "Es war eine sensationelle Saison", lobt Fuchs. Und doch: Die sportliche Krönung bleibt aus.

"Wir haben die Entscheidung dem Team per Video-Konferenz mitgeteilt", sagt Fuchs. Für Kardos und seine Mannschaft war das eine "Riesenenttäuschung", erinnert sich der Trainer. Seine Spielerinnen habe das zunächst sehr demotiviert. Und auch Attila Kardos hat sich gefragt, ob er noch einmal angreifen will in der Bayernliga — obwohl der Aufstieg ja schon jetzt, nach seiner ersten Saison beim HCE, möglich gewesen wäre.

"Alles hinzuwerfen war mein ersten Impuls"

"Alles hinzuwerfen war mein ersten Impuls", gibt er zu. Schnell aber sei ihm klar geworden, dass er nun "Kampfgeist" beweisen will: "Jetzt erst recht." Die Rahmenbedingungen bleiben weiterhin gut. Kardos möchte junge Spielerinnen entwickeln und Talente fördern. Wie der Verein das angeht, hat ihn bereits vor einem Jahr überzeugt — und es überzeugte ihn auch jetzt wieder.

In der Sporthalle der Franconian International School bekommen die Handballerinnen weitere Trainingsmöglichkeiten. Außerdem ist der Nachwuchs überaus erfolgreich: In den vergangenen beiden Jahren holten die Erlangerinnen zwei Bayerische Meistertitel in der B- und C-Jugend, die weibliche A-Jugend tritt in der Qualifikation zur A-Jugendbundesliga an.

Eine Garantie für 2021 gibt es nicht

Langfristig bleibt das Ziel der Damen der Drittliga-Aufstieg. "Uns bleibt nichts anderes übrig, als in der Bayernliga neu anzugreifen", meint Kardos. Er will die Zeit nutzen, um "junge Spielerinnen an den Damen-Bereich heranzuführen". Wäre das Team aufgestiegen, hätte es in einer starken dritten Liga gegen den Abstieg gekämpft. Das wäre sicher schwierig gewesen.

Eine Garantie, im Frühjahr 2021 wieder eine der besten Bayernliga-Mannschaften zu sein, aber gibt es auch nicht. Wegen des Saisonabbruchs gibt es in den Handball-Ligen keine sportlichen Absteiger, was für die neue Runde organisatorische Herausforderungen mit sich bringt. 17 Teams treten in der neuen Bayernliga an, eigentlich zu viele. Der Verband denkt deshalb über einen anderen Modus, über zwei Staffeln und eine Aufstiegsrunde, nach. Entschieden aber ist noch nichts. Klar ist nur: Der HC Erlangen ist dabei.

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