Kommentar: Ein Internetanschluss sollte selbstverständlich sein

23.12.2020, 18:29 Uhr
Keine Geräte, kein Internet: Durch Corona sind rund 50 Flüchtlingskinder, hier ein Symbolbild aus Stuttgart, vom Distanzunterricht abgeschnitten.

Keine Geräte, kein Internet: Durch Corona sind rund 50 Flüchtlingskinder, hier ein Symbolbild aus Stuttgart, vom Distanzunterricht abgeschnitten. © dpa / Wolfram Kastl

Bildung ist keine Frage des Wollens oder Nichtwollens. Es ist ein Menschenrecht, festgeschrieben bei den Vereinten Nationen in Artikel 26. Das Recht auf Bildung existiert auch in der Genfer Flüchtlingskonvention. Bildung ist existenziell für die Fähigkeit, sich für eigene Rechte einzusetzen und sich im Einsatz für grundlegende Rechte anderer zu engagieren.

Das macht Bildung für manche Herrschaftssysteme auch so gefährlich: Bildung bekämpft nachhaltig und gewaltlos Diskriminierung, Rassismus und Unterdrückung. Der Anspruch auf freien Zugang zu Bildung, auf Chancengleichheit und Schulrecht beinhaltet in Zeiten der Digitalisierung zwingend einen staatlich bereitgestellten und finanzierten Zugang zum Internet und zu Lernmitteln, die 2020 nicht mehr nur aus Schulbüchern, sondern auch aus Tablets bestehen.

Ein Armutszeugnis

Dass in einem der reichsten Länder der Erde ehrenamtliche Helfer einspringen und spendenfinanzierte Router organisieren müssen, damit Kinder ein Menschenrecht wahrnehmen können, ist ein Armutszeugnis. Dass man die Menschen indirekt über das Streichen von Sozialmitteln alternativ für ihr Grundrecht abkassiert, ist beschämend.

Andererseits: Kann man dem Freistaat, der ein kostenfreies Internet nicht als Grundbestandteil einer Notunterkunft sieht, obwohl es für deren Bewohner die einzige Verbindung zur Familie darstellt, wirklich Diskriminierung vorwerfen? Eher nicht. Sonst wären die Lernbedingungen für die übrigen Schülerinnen und Schüler in Bayern seit Beginn der Pandemie ja deutlich besser. Bayern zeigt sich da überfordert bis unfähig.

christoph.benesch@pressenetz.de

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