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Kommentar: Erlanger Scheingefecht zur Landesgartenschau

Bürgerfragestunde im Stadtrat ohne richtige Fragen und Antworten - 02.04.2017 06:00 Uhr

Bekommt Erlangen (so wie Deggendorf im Jahr 2014 auf unserem Bild) auch eine Landesgartenschau? Darüber stimmen am 7. Mai die Bürger ab. © Archivfoto: dpa


Die Fragen der Landesgartenschau-Gegner zielten in erster Linie darauf ab, vor dem Bürgerentscheid am 7. Mai noch einmal die Werbetrommel zu rühren.

Und das haben die Initiatoren erreicht: Kurz vor Beginn der Fragestunde füllte sich der Ratssaal immer mehr, und kaum war das Thema zu Ende, verließen die Interessierten (leider) sofort wieder den Ratssaal. Hätten sie aber die gesamte mehrstündige Sitzung verfolgt, dann hätten sie tatsächlich viel Neues erfahren - etwa bei der Vorstellung des Grünkonzepts oder auch bei der Debatte um die Technische Fakultät.

Denn die Fragen, die die Bürgerinitiative gegen die Landesgartenschau (LGS) stellte, konnten auch gar nicht wirklich Neues zu Tage fördern. Die Antworten sind bekannt, und die Vertreter der Stadt haben sie routinemäßig abgespult.

Wenn zum Beispiel vom notwendigen Schutz zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten die Rede ist, hätte man schon gerne gewusst, welche gemeint sind. Die Fragesteller nennen den Bodenbrüter, die blauflügelige Prachtlibelle und den Wildfasan – wer sind die anderen? Die Antwort muss ausbleiben, weil das artenschutzfachliche Gutachten, das Auskunft geben kann, derzeit im Auftrag des Umweltamtes in Arbeit ist. Das hätten die Gegner wissen müssen.

Was man also von Seiten der Stadt hörte, waren neben dem Hinweis auf das Gutachten nur beliebige Aussagen wie die von Umweltbürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, insgesamt solle "der Natur- und Artenschutz im Regnitzgrund gestärkt werden". Außerdem sollte inzwischen jeder Interessierte wissen, dass die Broschüre, mit der sich die Stadt um die Landesgartenschau bewarb, nur eine eher unverbindliche Ideensammlung ist, an der noch gefeilt werden muss. Das ist im Lauf der Debatte um die Landesgartenschau schon hinlänglich deutlich geworden.

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Manches, wie der Steg, der mitten in einen gesetzlich geschützten Auwald geführt hätte, ist schon längst im Papierkorb gelandet. Oberbürgermeister Florian Janik drückte es so aus: "In der Broschüre sind Wege und Brücken vorgesehen, wo sie aber am Ende tatsächlich verlaufen, ist noch nicht festgelegt." Gleiches gelte für die Freizeiteinrichtungen.

Abgesehen davon: Über Detailfragen, etwa darüber, wie zum Beispiel Eingriffe im Landschaftsschutzgebiet ausgeglichen werden sollen, darf sich die Stadt derzeit nicht viel Gedanken machen, jedenfalls nicht so weit die Ideenfindung Geld kostet, denn wegen des bevorstehenden Bürgerentscheids darf ja kein Cent mehr aus dem LGS-Topf für die Planung ausgegeben werden.

An anderer Stelle sind die Verantwortlichen tatsächlich ratlos, wie man beispielsweise an ausweichenden Antworten von Baureferent Josef Weber zu den möglicherweise notwendigen Grundstückskäufen erkennen kann. Was die Autobahn betrifft, hängen Stadt und Staatsregierung ohnehin in der Luft – das ist Bundessache.

Eine Frage der Landesgartenschau-Gegner kann man jedenfalls sofort beantworten: Grillen ist nicht "äußerst klimaschädlich, energieverschwenderisch" und dem "überhöhten Fleisch-, Konsum- und Alkoholmissbrauch" förderlich, weil es auf dem LGS-Gelände stattfinden könnte, sondern auch schon im heimischen Garten. 

SHARON CHAFFIN

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