Konfuzius-Institut Erlangen: „Halten uns zurück“

9.12.2010, 22:49 Uhr
Universitäts–Präsident Karl-Dieter Grüske (l.) und das Vorstands-Mitglied Michael Lackner (r.) 2006 bei der Eröffnung des Konfuzius-Instituts.

Universitäts–Präsident Karl-Dieter Grüske (l.) und das Vorstands-Mitglied Michael Lackner (r.) 2006 bei der Eröffnung des Konfuzius-Instituts. © Böhner

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo wird von den meisten Konfuzius-Instituten in Deutschland bewusst ignoriert. Das ergab eine Umfrage unter den Kulturinstituten. Abseits des offiziellen Programms ist die Ehrung hingegen sehr wohl ein Thema in den Einrichtungen, die zur Hälfte vom chinesischen Staat finanziert werden. Für die deutschen Partner – meist Hochschulen – ist das eine Gratwanderung. „Wir wollen den Diskurs nicht zur öffentlichen Debatte machen, um die positiven demokratischen Entwicklungen in China nicht zu behindern“, sagt etwa Michael Lackner, Sinologie-Professor an der Friedrich-Alexander-Universität und Vorstandsmitglied des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen.

Eine kritische Haltung gegenüber der chinesischen Regierung verhärte die politischen Fronten und erschwere einen demokratischen Prozess. Grundsätzlich finde er es „großartig“, dass Liu Xiaobo den Nobelpreis bekomme. Es seien jedoch keine Feierlichkeiten geplant. „Die chinesische Regierung geht schlecht mit der Preisvergabe um, da müssen wir uns zurückhalten.“ Die weltweit tätigen Konfuzius-Institute sind Einrichtungen zur Vermittlung der chinesischen Sprache und Kultur im Ausland. Das Institut in Erlangen und Nürnberg wird von der Pekinger Fremdsprachenuniversität und der Uni Erlangen-Nürnberg gemeinsam getragen. Die angebotenen Kurse besuchen rund 300 Teilnehmer im Jahr.

Bild des modernen Chinas

Ähnlich sieht das an den anderen elf Konfuzius-Instituten in Deutschland aus, die nicht nur Sprache und Kultur vermitteln sollen, sondern auch den Anspruch erheben, ein realistisches Bild des modernen Chinas aufzuzeigen. Veranstaltungen oder Diskussionen zur Preisvergabe sind nicht geplant – auch wenn das mancherorts gefordert wurde. So hatten etwa einige Träger des Instituts an der Freiburger Universität gewünscht, dass der Friedensnobelpreis zum Thema werde, waren damit jedoch auf Granit gestoßen. Institutsleiterin Haiyan Hu-von Hinüber begründet das mit dem Konzept. Man versuche, den Menschen Sprache, Kultur, Geschichte und Wirtschaft Chinas näher zu bringen. Auf aktuelle politische Entscheidungen wolle das Institut bewusst nicht eingehen, betont sie.

Die Reaktion des Chinesischen Kulturzentrums in Berlin ist eindeutig, es hält die Auszeichnung für Liu Xiaobo für nicht nachvollziehbar. „Es ist eigentlich ein neutraler Preis für eine große Leistung“, sagt Direktor Jia Jianxin. „Aber jetzt geht es nicht um eine große Leistung, sondern um eine Ideologie.“