"Fassungslos über Gleichgültigkeit"

Krebskranke Kinder "weniger rentabel": Fränkischer Mediziner äußert harte Systemkritik

Tobi Lang
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18.8.2022, 13:47 Uhr
Tausende Kinder erkranken Jahr für Jahr an Krebs. Dabei ist die Behandlung weniger kostenintensiv als bei Erwachsenen - trotzdem fehlt es an Geld, bemängelt ein Experte. 

© Sebastian Gollnow, dpa Tausende Kinder erkranken Jahr für Jahr an Krebs. Dabei ist die Behandlung weniger kostenintensiv als bei Erwachsenen - trotzdem fehlt es an Geld, bemängelt ein Experte. 

Markus Metzler hat tagtäglich mit tragischen Schicksalen junger Menschen zu tun. Der Leiter der Erlanger Kinderonkologie diagnostiziert mit seiner Abteilung am Universitätsklinikum jährlich 80 Mal Krebs bei Kindern, eine Krankheit, die nicht selten tödlich verläuft. Trotzdem, sagt der fränkische Mediziner, hat er nicht genug Mittel zur Verfügung. "Die Kinderkrebsmedizin ist unterfinanziert, und zwar nicht nur in Erlangen, sondern bundesweit", kritisiert Metzler.

Besonders dann, wenn krebskranke Kinder Kliniken verlassen, sind Betroffene häufig auf Spenden angewiesen. Vereine würden ehrenamtlich Geld sammeln, etwa für Musik- oder Kunsttherapien. Aber selbst bei der Regelversorgung, also den medizinischen Behandlungen, klafft eine Lücke. "Ich bin fassungslos über die Gleichgültigkeit, mit der das Defizit von Politik und Gesellschaft hingenommen wird", sagt Metzler. "Dabei wäre das Problem mit verhältnismäßig wenig Geld lösbar. Aber die Kinder und Jugendlichen müssen es uns wert sein."

Psychologische Versorgung "nicht ausreichend abgedeckt"

Die Kinder würden "einem System zum Opfer fallen, in dem sie weniger rentabel sind als die große Zahl therapiebedürftiger Erwachsener", kritisiert der Erlanger Mediziner. "Spenden sind nicht für die Aufrechterhaltung des medizinischen Standards gedacht, müssen aber immer öfter dafür verwendet werden."

Das Geld wird dringend benötigt, das sieht nicht nur der Onkologe Metzler so. "Im Zuge einer Krebserkrankung treten beispielsweise oft Ängste oder posttraumatische Belastungsstörungen auf", sagt die Sozialpädagogin Leonie Roderus. "Gerade die psychologische Erstversorgung von Patientinnen und Patienten ist entscheidend, ist aber in der Regelversorgung leider nicht ausreichend abgedeckt."

Welche Vorschläge Onkologe Metzler macht, um krebskranke Kinder in Zukunft angemessener versorgen zu können, lesen Sie im Interview auf NN.de.