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Kriegenbrunner Wehrkirche: Ein Stück Einmaligkeit verschwindet

Vorsitzender des Landesdenkmalrats schreibt wegen des Bauvorhabens an den OB - 12.07.2020 08:29 Uhr

Der Neubau in unmittelbarer Nähe zur Wehrkirche in Kriegenbrunn ist schon seit längerem ein Zankapfel zwischen Kirchengemeinde und Denkmalschützern auf der einen Seite und dem Bauherrn auf der anderen Seite. Jetzt hat sich der Vorsitzende des Landesdenkmalrates, Thomas Goppel, in dieser Sache an den OB gewandt.

© Foto: Edgar Pfrogner


Wie bereits ausführlich berichtet, entsteht seit kurzem auf dem Nachbargrundstück der Wehrkirche ein neues Wohnhaus für fünf Parteien. Das sorgt allerdings für Ärger. Nicht nur, dass die Kirchengemeinde die Abstandsgrenzen verletzt sieht. Nachdem befürchtet wird, dass das Haus die Kirche verdeckt und die künftigen Bewohner des Neubaus sich am viertelstündigen Glockenläuten stören werden, wurde Klage eingereicht.

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Trotz der anhängigen Klage fing der Bauherr Anfang des Jahres mit dem Abbruch der alten Gebäude an. Die Kirche stellte sofort einen entsprechen Eilantrag. Der wurde jedoch vom Verwaltungsgericht Ansbach abgelehnt. Es bestehe ein öffentliches Interesse, dass die Baugenehmigung vollzogen wird, hieß es zur Begründung.

Bauherr hält Auflagen nicht ein

Der Streit hat mittlerweile auch auf die Erlanger Bauverwaltung übergegriffen, gegen die ein Kriegenbrunner Bürger Dienstaufsichtsbeschwerde bei der Regierung von Mittelfranken gestellt hat. Hintergrund sind Auflagen seitens der Bamberger Denkmalschutzbehörde, die dem Bauherrn bezüglich der Wehrmauer gemacht wurden, die dieser offensichtlich aber nicht einhält. So war ursprünglich besprochen worden, dass "vor Baubeginn" die Wehrmauer aus dem 15. Jahrhundert auf der gesamten Länge zum Neubaugrundstück zu renovieren ist. Die Renovierung muss aber erfolgen, bevor der Neubau steht, da danach diese Flächen nicht mehr oder nur eingeschränkt zugänglich sind. Tatsächlich wurde aber in direkter Nähe zur Wehrmauer bereits fleißig gebaut, ohne dass das historische Gemäuer entsprechend den Auflagen saniert wurde.

Ein Teil der "örtlichen Seele" wird preisgegeben

"St. Johannes ist ein für seine Entstehungszeit typisches Gotteshaus und Zentrum der kleinen kommunalen Einheit, die in der Vergangenheit das repräsentierte, was wir bis heute sprichwörtlich durch die Redensart ,die Kirche beim Dorf lassen‘ pflegen", heißt es in dem Schreiben von Thomas Goppel an den OB weiter. Diese Einheit werde nun aber "zerstört".

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Aufgrund der Entscheidung der Stadt, den Neubau in unmittelbarer Nähe zur Wehrkirche zuzulassen, verliere das Kriegenbrunner Gotteshaus seine "historisch gewachsene Substanz" und sein "bisher unverwechselbares Gesicht". Auf Dauer werde damit ein wesentlicher Teil "der örtlichen Seele" preisgegeben.

Innerhalb eines Jahres hat sich der Bayerische Landesdenkmalrat aufgrund diverser Einwendungen der evangelischen Landeskirche, des Erlanger Stadtheimatpflegers Konrad Rottmann und anderer gleich dreimal mit der Bebauungsplanung im Ortsteil Kriegenbrunn befasst und entsprechende Einwände formuliert. Diese müssen allerdings nicht umgesetzt werden, nachdem der Landesdenkmalrat keine zwingend einzuhaltenden Entscheidungen trifft.

MARKUS HÖRATH

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