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Donnerstag, 17.10.2019

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Künstler aus der Region stellen in Erlangen aus

Der "Herbstsalon" des Kunstvereins im Palais Stutterheim - 06.10.2019 12:00 Uhr

Drei auf einen Streich: Sigrid Freys Frauenfigur „Rette mich o Mensch“ und Ulla Schoedels „Kleiner Spieltisch“ (links) sowie Gabriele Breuers „Brückenstele“ (hinten) gehören zu den Objekten in der Ausstellung. © Andre De Geare


Genau 90 von über 180 eingereichten Arbeiten stellt der Kunstverein Erlangen in seinem alljährlichen "Herbstsalon" in den Räumen des Kunstpalais im Palais Stutterheim ("Herbstsalon" des Kunstvereins Erlangen im Kunstpalais, Marktplatz 1.  Bis 27. Oktober 2019, geöffnet Di. – So. 10 bis 18, Mi. 10 bis 20 Uhr, montags geschlossen) aus. Hatte die Jury bereits bei der Auswahl der Exponate eine diffizile Mission zu bewältigen, erwies sich die Arbeit der Hängekommission (erneut) als der Versuch der Quadratur des Kreises: Viele unterschiedliche Formate, Techniken und Sujets mussten in den Räumen des Kunstpalais so gestellt und gehängt werden, dass sich noch einigermaßen Bezüge zu Raum und Zeit herstellen lassen.

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Am leichtesten tut man sich da mit Werken, die eine eindeutige Hängung qua Format erzwingen, so Bruno Bradts aktuelles Großformat namens "Paule" – eine 4,5 Meter breite und 2,4 Meter hohe Zeichnung (!) als neunteilige Hommage an einen Alt-Freak, die gerade im KunstRaum Weißenohe zu sehen war und die im großen Kellerraum des Palais eine ganze Wand einnimmt.

Dagegen nehmen sich andere Großformate wie Barbara Lidfors’ "Morgendunst" fast bescheiden aus, können aber in überlegter Hängung sehr wohl "wirken". So auch Matthias Ottos Altenheim, das mit seiner raffinierten Lichtführung in dunkler Nacht neugierig macht. Zu den einnehmenden Formaten gehören auch Madgalena Abeles "Onerbänke", zwei faszinierende Wimmelbilder in fotografischer Mischtechnik, die fast zum Nachzählen anregen.

Zu eigenständig

Es fällt schwer, unter den Künstlerinnen und Künstlern von A (wie Gudrun Amer mit einer Kreide-Skizze) bis Z (wie Rita Zeller mit einem "Stammbaum" in Mischtechnik) eine Systematik oder gar Rangfolge erstellen zu wollen – zu eigenständig sind die unterschiedlichen Werke aus Malerei und plastischem Schaffen. Dafür darf konstatiert werden, dass der "Herbstsalon" wieder einen Querschnitt durch das Werk einer Schar Kunstschaffender bietet, der allein in seiner Vielfalt sehens- und bemerkenswert ist. Allein die plastischen Arbeiten – ob der augenzwinkernd-witzige Keramik-Kopf von Friedel Neupauer, der fast schon dekorative Spieltisch von Ulla Schoedel, die beeindruckende Steinzeug-Installation "Gebenedeit ist dein Leib" mit seinen an Gebärmütter erinnernden Organen von Bettina Graber-Reckziegel oder Heimo Ertls naturalistische Darstellungen afrikanischer Tiere – geben Zeugnis vom hohen handwerklichen Können und dem hohen Reflektionsvermögen der Künstler – Wohl einem Kunstverein, der solche Mitglieder hat.

Bruno Bradts „Paule“ ist nicht nur das größte Werk in der Verkaufs-Ausstellung, es ist auch das teuerste.


Und künstlerische Ernsthaftigkeit spiegelt sich auch in solchen Arbeiten wider, die überraschend witzig sind, so wie Udo Kallers Badezimmer(?)-Spiegel, auf dessen schönen Holzrahmen zwei Rasierpinsel drapiert sind. Selbstironie findet sich auch in den Fotografien von Katja Gehrung, die – wie immer sich selbst inszenierend – feststellt: "Kein Mann in Sicht". Da muss Ingrid Riedl mit zwei wie immer ungemein plastisch dargestellten Händen nicht zurückstecken, die einmal mahnen ("Habt gut Acht!") und einmal einfach einen "Stinkefinger" zeigen.

Große Lücken

Natürlich weist eine solche Vorschau große Lücken auf, stellt mehr Fragen, als sie beantworten kann. Kunstfreunde sollten sich deshalb viel Zeit nehmen und Kondition einpacken, um in den zwölf Räumen des Kunstpalais auf Entdeckungstour zu gehen.

Sie werden für ihre Mühen reich belohnt und mit der Frage konfrontiert, wie schwer eine Jury und eine Hängungskommission um ein Ausstellungskonzept ringen müssen, das doch zwangsläufig immer ein Stückchen Experiment bleiben muss.

 

PETER MILLIAN

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