Künstler mit Vogel

2.9.2010, 00:00 Uhr
Der Bildhauer Stefan Schnetz mit Tochter Leonie und Krähe „Krabat“ in seinem Open-Air-Atelier.

© Bernd Böhner Der Bildhauer Stefan Schnetz mit Tochter Leonie und Krähe „Krabat“ in seinem Open-Air-Atelier.

Auf einer eingezäunten, 2000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche mitten im Wald zwischen Atzelsberg und Bräuningshof präsentiert Stefan Schnetz unter anderem seine witzige Skulptur „Die Hundefahrt“. Dass die Arbeit aus Tannenholz, die einst vor dem Forstamt in Erlangen aufgestellt und dort von vielen Kindern bestiegen worden war, inzwischen verfällt, stört den 1965 in Lichtenfels geborenen Künstler wenig: „Ich schaue gerne zu, wie sich meine Sachen auflösen.“

Tonnenschwere Skulpturen

Bei den leuchtend gelben, blauen und roten Metallobjekten von Schnetz, die „Kritzelzeichnungen am Telefon“ nachempfunden sind, wird das freilich nicht so schnell der Fall sein. Ebenso wenig bei den scherenschnittartigen, tonnenschweren Skulpturen des Bildhauers, die beispielsweise vor der Fachklinik Herzogenaurach oder dem Thermalbad in Bad Staffelstein stehen. „Früher habe ich diese großen Arbeiten für mich gemacht und dann einen Käufer gesucht“, resümiert der gelernte Schreiner. „Jetzt mache ich sie nur noch nach Auftrag und die ganz schweren überhaupt nicht mehr.“

Nach einem Arbeitsunfall, bei dem Schnetz aus bis heute nicht ganz geklärten Gründen von einem 1000 Kilogramm schweren und 600 Grad heißen Teil einer seiner Skulpturen getroffen wurde, musste der Absolvent der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste beruflich kürzer treten und übernahm die Versorgung seiner beiden Töchter. „Ich hatte die Platte an einem Haken am Kran hängen, als sie einfach umfiel“, erinnert sich das Opfer. Experten vermuteten damals, dass sich das Material plötzlich stark zusammengezogen habe und deswegen die Platte aus der Halterung gesprungen sei.

Vielleicht aufgrund dieser Erlebnisse zögerte der Bildhauer nicht lange, als er kürzlich in Nürnberg eine verletzte Krähe entdeckte, und nahm das Jungtier mit nach Bräuningshof, wo er es mit der Spritze aufzog. Seit Wochen begleitet „Krabat“ nun den Bildhauer auf seinen Wegen, so auch am Tag des Atelierbesuchs der EN. Mit dem schwarzen Vogel auf der Schulter marschiert Schnetz vom Freiluftatelier zügig zu seinem nahe gelegenen Wohnhaus, das er von einem Bungalow in ein architektonisch reizvolles Gebäude verwandelt hat.

„Ich versuche Zuhause so viel zu arbeiten, wie es geht“, berichtet der auffallend agile Mann, der seine Schmiede noch in Neustadt an der Aisch hat. Derzeit tüftelt er zum Beispiel im Keller an einem Entwurf der Jakob-Herz-Medaille 2011 und fotografiert täglich die Saatkrähe beim Heranwachsen. Im Wohnzimmer hängen in kleinen, chemisch behandelten Rahmen aus Alteisen kunstvolle Arrangements von Holzstücken. „Sie sind darin zum Teil festgenagelt, manche habe ich auch mit Schnüren eingewebt“, erklärt der kreative Bräuningshofer.

Sehenswert sind des Weiteren Schnetz’ massive Pappelholz-Skulptur eines Sumoringers sowie eine lebensgroße versilberte Katze aus Holz, die den Betrachter sofort zum Anfassen reizen. „Ich habe eine sehr kritische Familie“, sagt der Bildhauer. „Nur wenige meiner Objekte schaffen es bis ins Haus.“ Dass der Dozent an der Nürnberger Georg-Simon-Ohm-Hochschule auch zwei Jahre in Mexiko studiert hat, merkt spätestens, wer seine bunten, auf nicht ganz abgesägten Baumstämmen sitzenden Vögel sieht – eine wunderbare Hommage an Lateinamerika.

Zwei bis drei Mal im Jahr macht der Familienvater außerdem Kunstprojekte mit Kindern und Jugendlichen. So entstand zum Beispiel der „Erste Erlanger Waldelefant“ – ein aus Blättern gelegtes 15 Quadratmeter großes Tier, das der Wind längst in alle Richtungen verweht hat. Im Kindergarten Marloffstein ließ Schnetz die Kleinen großformatige Arbeiten gestalten und selbst betiteln. Und in Bräuningshof sollen Jugendliche demnächst mit LED-Stiften im Dunklen zeichnen, was sie sich wünschen. Die Idee dabei: „Den Wert hat nicht das Bild selbst, sondern die gemeinschaftliche Aktion.“www.schnetz-kunst.de