Mein Lieblingsplatz

Marloffstein: Wo man mit gechillten Eseln wandern kann

Katja Kiesel

Redaktion Erlanger Nachrichten

E-Mail zur Autorenseite

29.8.2021, 10:20 Uhr
Mit Eseldame Pepsi teilt Andreas Striezel seinen Lieblingsplatz gern: Auf der Marloffsteiner Passhöhe unweit des Wasserturmes und der Streuobstwiesen mit einer tollen Aussicht.

Mit Eseldame Pepsi teilt Andreas Striezel seinen Lieblingsplatz gern: Auf der Marloffsteiner Passhöhe unweit des Wasserturmes und der Streuobstwiesen mit einer tollen Aussicht. © Katja Kiesel

"Darf ich vorstellen: Pepsi", sagt Andreas Striezel und deutet auf den Auslauf vor dem Stall. "Daneben Penny und Pablo und - erst seit kurzem Teil der vierbeinigen Familie - Zachi." Zwei grau-schwarze Eselnasen blicken ihm schon neugierig über den Zaun ihrer kleinen Weide in Marloffstein entgegen, die Geschwister Penny und Pablo beknabbern sich derweil noch friedlich gegenseitig den Rücken.

Nur sieben Kilometer von Erlangen

Der Eselstall mit Weide steht auf der Marloffsteiner Passhöhe unweit des Wasserturmes und in friedlicher Idylle nur rund sieben Kilometer nordöstlich vom Erlanger Großstadttreiben entfernt. "Dann gehen wir doch mal ein Stück", sagt Striezel, während er Pepsi mit geübter Hand ein Halfter anlegt und der 20-jährigen Eseldame zärtlich den Hals tätschelt.

Auf den Esel gekommen

Seit 2008 haben Striezel und seine Familie Esel: Pepsi war gemeinsam mit ihrer damals noch sehr jungen Tochter Penny die Erste und ist mit 20 Jahren die Älteste in der Viererbande. 2010 wurde Pablo geboren, und in diesem Jahr neu hinzugekommen ist der hellgrau gescheckte Zachi. Die Liebe zu den grauen Vierbeinern existierte schon lange, für sich entdeckt haben Striezel und seine Frau die Langohren dann im Urlaub: "In den Ferien in Südfrankreich und in den Vogesen waren wir mit Eseln wandern", erzählt der Tierarzt, der gemeinsam mit seiner Frau Gisela Bolbecher das Zentrum für Tiergesundheit in Bräuningshof - übrigens auch mit Esel im Logo - betreibt.

Die 20-Jahre alte Pepsi ist die Älteste der Familie und damit auch die Herdenführerin. Gleichzeitig ist sie sie sehr besonnen und lässt sich von kaum etwas aus der Ruhe bringen.

Die 20-Jahre alte Pepsi ist die Älteste der Familie und damit auch die Herdenführerin. Gleichzeitig ist sie sie sehr besonnen und lässt sich von kaum etwas aus der Ruhe bringen. © Katja Kiesel

"Das wollten wir auch für andere"

"Und das Erlebnis hat uns dann nicht mehr losgelassen. Das wollten wir auch zu Hause und nicht nur für uns, sondern auch für andere." So waren die Esel der Familie zunächst auf dem Erlebnisbauernhof Schmitt, dann auf der Jugendfarm in Erlangen untergebracht, bis sie 2017 nach Marloffstein umzogen. Seither können mit Besucherinnen und Besuchern dort mit den Vierbeinern auf Wanderschaft gehen.

Keine Hektik

Einige Meter nach dem Stall macht Andreas Striezel zwischen einem grauen Gedenkstein und einem großen Baum halt, auf der linken Seite kann man den ockerfarbenen Wasserturm sehen: sein Lieblingsplatz in der näheren Umgebung. "Was ich an diesem Ort liebe, ist der Blick", sagt der 62-Jährige und lässt seinen Blick schweifen. Im Vordergrund sieht man im Norden Adlitz, Langensendelbach, dahinter Baiersdorf und Forchheim, in der Ferne das Walberla und die Vexierkapelle am Eingang zum Wiesenttal.

Wildblumen und Obstbaumwiese

In südlicher Richtung erblickt man auf dem Höhenzug das Panorama des Kalchreuther Gemeindeteils Käswasser, das Waldgebiet des Reichswaldes, hinten lassen sich Nürnberg mit dem Fernsehturm und Fürth erahnen, weiter vorn Erlangen. Wenn man den Blick direkt vor sich richtet, blühen Wildblumen im hohen Gras, links ist eine Obstbaumwiese. "Man kann hier so viel erkunden und diese Vielfalt schätze ich sehr. Die Gegend hier lässt sich noch sehr ursprünglich erleben."

Wandern mit Esel – für Andreas Striezel eine besonders entspannte Art, die Gegend zu erkunden. Die Ruhe der Esel überträgt sich.

Wandern mit Esel – für Andreas Striezel eine besonders entspannte Art, die Gegend zu erkunden. Die Ruhe der Esel überträgt sich. © Katja Kiesel

Regelmäßige Besuche

Striezel ist nicht täglich vor Ort im Stall in Marloffstein, ein Team kümmert sich um die Organisation und die täglich anfallenden Aufgaben im Stall rund um das Wohl der Tiere. Aber er besucht die vier regelmäßig und zieht selbst gerne hin und wieder mit einem der Esel zu einer Feierabendrunde los. "An den Eseln schätze ich, dass sie so 'gechillt' sind. Sie sind sehr menschenzugewandt, nicht gestresst oder hektisch und diese Ruhe überträgt sich dann auf einen selbst. Wenn man mal eine Viertelstunde gelaufen ist, kommt man richtig runter." Jeder der Vierbeiner hat sein ganz anderes und eigenes Wesen und seine kleinen Macken, erzählt Striezel - wie wir Menschen eben auch.


INFO

Wer dem Lieblingsort von Andreas Striezel auch mit langohriger Begleitung einen Besuch abstatten möchte, kann sich auf der Homepage www.eselwandern-franken.de über das Projekt informieren. Eselwanderungen können über die E-Mail-Adresse buero@eselwandern-franken.de oder unter der Telefonnummer (09133) 9816 angefragt werden.

Der Wildpflanzengarten der Familie ist im letzten Jahr während Corona entstanden. Besucherinnen und Besucher können sich dort durch zahlreiche Heil-, Küchen-, Tee- oder Räucherkräuter schnuppern und schmecken.

Der Wildpflanzengarten der Familie ist im letzten Jahr während Corona entstanden. Besucherinnen und Besucher können sich dort durch zahlreiche Heil-, Küchen-, Tee- oder Räucherkräuter schnuppern und schmecken. © Katja Kiesel


ZUSATZTIPP

Wer die Esel in Marloffstein besucht, dort mit dem Rad oder auf einer Wanderung unterwegs ist, kann einige Meter neben dem Stall noch einen Stopp im Wildkräutergarten der Familie Striezel/Bolbecher einlegen und sich durch griechischen Oregano, Erdbeerminze, Kaskadenthymian, Borretsch oder Aroniabeeren schnuppern: Während Corona hat der 24-jährige Bennjamin Striezel dort ein Pflanzenparadies angelegt: Mit Fokus auf Heilkräuter ist der Garten - ausgestattet mit Liegestühlen und Bänken - in verschiedene Themenbereiche unterteilt, darunter das Küchen-, Heil-, Insekten-, Tee- und das Räucherparadies. Kleine Schilder informieren über die Wirkung und die Möglichkeiten der Verarbeitung der Kräuter und Pflanzen. Der Garten ist für alle frei zugänglich, im Pflückbereich sind Gäste auch eingeladen, sich etwas Minze, Schafgarbe, Baldrian und Co. mitzunehmen.

Keine Kommentare