Meilenstein für die Klinikversorgung in Erlangen

21.9.2016, 06:00 Uhr
Die Baumaßnahmen können nun weiter gehen: Rund 200 geladene Gäste verfolgten die symbolische Grundsteinlegung für das künftige Funktionsgebäude am Erlanger Maximiliansplatz.

© Fotos: Harald Sippel Die Baumaßnahmen können nun weiter gehen: Rund 200 geladene Gäste verfolgten die symbolische Grundsteinlegung für das künftige Funktionsgebäude am Erlanger Maximiliansplatz.

Noch braucht man etwas Fantasie, um sich das künftige Funktionsgebäude des Chirurgischen Zentrums des Erlanger Universitätsklinikums im Stadtzentrum vorstellen zu können. Wie gigantisch der Bau wird, deuten die Grube und der 70 Meter hohe Kran am Maximiliansplatz aber zumindest schon an.

Auch die Eckdaten lassen erahnen, wie medizinisch und architektonisch modern der künftige Bau aussehen wird: mit 20 OP-Sälen und zwei Intensivstationen für 42 Intensivpflegebetten. In dem 27 Meter hohen, 165 Meter langen und 25 Meter breiten Gebäude werden sich in acht Geschossen unter anderem die Zentrale Sterilgutaufbereitung, Radiologie, Poliklinik sowie Räume für Forschung und Verwaltung finden. Auf dem Dach ist eine 28 Meter mal 28 Meter große Hubschrauberplattform vorgesehen. Der Landtag hatte für das Projekt 176 Millionen Euro bereitgestellt. Wenn nun alles planmäßig läuft, soll die Einrichtung 2020 fertig gestellt und 2021 ihren Betrieb aufnehmen.

Standort-Debatte beendet

Diesen Tag hatten die Vertreter aus Uniklinik, Freistaat und Kommune bei ihren Reden offenbar wohl schon vor ihrem imaginären Auge. Denn das Lob dürfte bei der eigentlichen Eröffnung in wenigen Jahren nicht viel größer ausfallen als bei der gestrigen Grundsteinlegung. So bezeichnete der Bayerische Wissenschaftsminister, Ludwig Spaenle (CSU), den Bau als "Meilenstein" für die Klinikversorgung in Erlangen.

Sein Kollege, der in Erlangen lebende Innen- und Bauminister Joachim Herrmann (ebenfalls CSU) präsentierte sich gleichsam in bester Laune: "Die Sonne lacht heute über Erlangen." Mit der Grundsteinlegung sehe man, dass etwas vorangehe. "Der Funktionstrakt ist städtebaulich insgesamt ein gutes Ergebnis, der Bau passt ins Stadtbild", sagte der Minister. Es sei also die richtige Wettbewerbsentscheidung gewesen.

Zudem beende das "wirklich beeindruckende Bauwerk" mit einer Hubschrauberplattform auf dem Dach die jahrelange Diskussion um einen geeigneten Ort für einen Landeplatz. "Wir haben jetzt eine Lösung gefunden, im schlimmsten Notfall werden die Patienten auf kürzestem Weg direkt vom Dach in den OP-Saal gefahren und die Hubschrauber-Standortfrage ist auch geklärt", betonte Herrmann.

Apropos Standort: Mit den jüngsten (bereits fertigen und noch im Bau befindlichen) Klinik-Einrichtungen habe sich die Entscheidung als richtig erwiesen, eben nicht (wie München mit Großhadern) die Innenstadt zu verlassen, sondern im Zentrum zu bleiben. Die Klinikgebäude seien so fast in Sicht- und Rufweite zu Siemens Healthineers (früher: Healthcare): "Das zeigt die weitere besondere enge Zusammenarbeit zwischen Medizin und Medizintechnik", sagte der Bauminister.

Die Baugrube lässt die Dimension des künftigen Klinikgebäudes bereits erahnen.

Die Baugrube lässt die Dimension des künftigen Klinikgebäudes bereits erahnen.

Auf diese bundesweit wohl einmalige Konstellation wies auch der Präsident der Friedrich-Alexander-Universität (FAU), Professor Joachim Hornegger, hin. In Erlangen, dem Kern des Medical Valley, vereine sich Medizin und Technik in beachtlicher Weise. Gerade in der Medizin gelinge es der Universität und der Uniklinik, die interdisziplinäre Kooperation von Forschung, Lehre und Krankenversorgung vorbildlich zu verbinden. Ganz ohne kritische Töne aber wollte der FAU-Chef nicht bleiben: Trotz aller erfreulichen (Bau-)Entwicklungen bereiteten ihm vor allem die zunehmenden medical schools, also private Hochschulen für Gesundheit und Medizin, und der mangelnde Ärztenachwuchs Sorgen.

Natürlich kamen bei einem solchen Ereignis auch die Ärzte selbst zu Wort, allen voran der Ärztliche Direktor, Professor Heinrich Iro. Er lenkte den Blick der rund 200 geladenen Gäste gleich zu Beginn von ganz unten, der Grube, nach ganz oben, dem Baukran. Wer von dort sehe, hätte einen herrlichen Blick über Erlangen und würde sehen: "Die Uniklinik liegt im Herzen der Stadt, vielleicht ist sie sogar das Herz der Stadt."

Das Bild des Herzen nahm der Oberbürgermeister gerne auf. Die Uniklinik liege im Herzen der Stadt, betonte Florian Janik. Das sei richtig. Aber ebenso liege den Erlangern selbst das Krankenhaus am Herzen: "Für viele ist es selbstverständlich, eine hervorragende Versorgung zu haben - direkt vor ihrer Tür."

8 Kommentare