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Minderjährige Flüchtlinge bis zur Sanierung im Frankenhof

OB Janik informiert über Unterbringung in Erlangen - Wenig Zeit für Organisation - 10.07.2015 06:01 Uhr

Bis zu der Sanierung des Frankenhofs im Jahr 2017 soll das Zentrum als Unterkunft für junge Flüchtlinge dienen, die aus ihrer Heimat nach Erlangen geflohen sind. © Foto: Horst Linke


Vor zehn Tagen ging in der Stadt Erlangen ein Antrag der Regierung Mittelfrankens auf Amtshilfe ein. Nun bereiten sich unter großem Zeitdruck alle zuständigen Stellen auf die Ankunft von 25 jugendlichen Flüchtlingen im Frankenhof vor. Im Rahmen der Amtshilfe hat sich die Stadt außerdem dazu verpflichtet, bis zum Ende des Jahres 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen.

Das Stadtjugendamt hat demnach nicht viel Zeit, um eine dem Jugendhilfegesetz entsprechende Unterkunft zu organisieren und die notwendigen Infrastrukturen für sozialpädagogische Betreuung zu schaffen. „Somit kam nur der Frankenhof für die Unterbringung in Frage. Hier herrscht die ideale Atmosphäre, um die Jugendlichen unterzubringen.“, erklärt Janik. Das Ziel sei, aus dem anfänglichen Nebeneinander der Jugendlichen und der Gäste im Frankenhof nach und nach ein Miteinander zu machen. Auf die Frage nach der Aufenthaltsdauer der Ankömmlinge meint Janik, sie blieben Monate bis Jahre. „Das ist keine Erstaufnahmestelle. Diejenigen, die kommen, werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Erlangen bleiben.“, so Janik über den Zweck der nun entstehenden Clearingstelle.

Die mit der Ankunft der ersten Jugendlichen verbundenen Auswirkungen auf den Betrieb des Frankenhofs werden momentan noch im Detail geklärt. Sicher ist, dass einzelne Räume nicht mehr durch die dort bisher aktiven Vereine genutzt werden können, da mehrere permanente Aufenthaltsräume für die Jugendlichen geschaffen werden müssen, von denen nach Einschätzungen von Anke Steinert-Neuwirth, Leiterin des Kulturamtes, ungefähr 50 bis 60 durchgehend im Haus anwesend sein werden.

Die Hausleitung versucht nun gemeinsam mit den Vereinen Lösungen durch ein Ausweichen auf andere Infrastruktureinrichtungen in der Stadt zu finden. Der große Saal soll jedoch weiterhin zur Verfügung stehen. In der Ankunftswoche vom 20. bis zum 24. Juli wird der Mittagstisch geschlossen sein. Alle Übernachtungen von Jugendherbergsgästen werden storniert mit Ausnahme der Berufsschüler, die weiterhin den dritten Stock bewohnen dürfen. Das Kinderferienprogramm wird mit kleinen Änderungen ohne große Abstriche wie geplant durchgeführt werden können.

Mit viel Optimismus

Steinert-Neuwirth betont die Herausforderung für den Frankenhof, die bisherige Nutzung und den Betrieb des Hauses weitestgehend aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Jugendlichen bestmöglich aufzufangen. Sie und Tassilo Schäfer, Leiter des Hauses, sehen der Aufgabe trotz des großen zeitlichen und organisatorischen Drucks optimistisch und entschlossen entgegen. „Improvisieren und flexibel sein, so ist unser Leitmotto momentan“, so Steinert-Neuwirth.

Bei den ankommenden Jugendlichen handelt es sich um 25 überwiegend männliche Flüchtlinge zwischen 16 und 18 Jahren. Das Stadtjugendamt ist für diese jungen Menschen in Not zuständig. Die Betreuung vor Ort wird Tag und Nacht durch einen Ansprechpartner vor Ort gewährleistet werden. Die Zeit nach der Ankunft bis September soll vor allem genutzt werden, um den noch Schulpflichtigen bis zum Schulbeginn bereits erste Deutschkenntnisse zu vermitteln. Ehrenamtliche Helfer mit Erfahrung sind hier sehr willkommen.

Außerdem wird es als Präventionsmaßnahme einen Sicherheitsdienst vor Ort geben, da der Belastungshintergrund der Jugendlichen unklar ist. „Die Erfahrung aus dem Freibad West und der Einrichtung in der Rathenaustraße hat aber gezeigt, dass die größte Aufgabe des Sicherheitsdienstes tatsächlich am Ende die Sicherstellung der Privatsphäre der Flüchtlinge war.“, berichtet Janik.

Die große Hilfsbereitschaft der Menschen sei manchmal auch verbunden mit übergroßer Neugier. „Wenn man den Sicherheitsdienst hat und nach ein paar Monaten merkt, dass man ihn nicht braucht, kann man ihn nach und nach abbauen. Wenn man ihn aber braucht, und er ist nicht da, dann ist es schlecht.“, entgegnet der OB auf die Frage eines Bürgers zur Notwendigkeit eines Sicherheitsdienstes für minderjährige Flüchtlinge. Edeltraut Höllerer, Leiterin des Stadtjugendamtes, bestätigt diese Aussage. „Die meisten Flüchtlinge verhalten sich vollkommen normal und unauffällig. Es ist wichtig, den Menschen offen zu begegnen.“

Zwei Wohngruppen

Der Frankenhof soll bis zum Start der Sanierung im Jahr 2017 als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden, zunächst in so genannten Clearinggruppen, in denen der individuelle Betreuungsbedarf festgestellt wird. Ab September wird es voraussichtlich zwei feste sozialpädagogische Wohngruppen im Frankenhof geben.

Auf Hochtouren läuft außerdem die Suche nach weiteren langfristigen Wohnmöglichkeiten für junge Flüchtlinge. „Ich finde es interessant mitzuerleben, wie der Frankenhof sich vor dem großen Umbau noch einmal zu dem zurückentwickelt, was er im Grunde einmal war: Ein Jugendzentrum“, betont Janik noch am Ende der Veranstaltung. 

Elisabeth Koch

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