14°

Donnerstag, 25.02.2021

|

Mit 78 Präsident: Wie Joe Biden Vorbild für Ältere ist

Auch pensionierter Ingenieur Rudi Ackermann engagiert sich bei Erlanger FFF-Demos - 22.01.2021 18:30 Uhr

US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden spricht im «National Constitution Center».

27.09.2020 © Carolyn Kaster/AP/dpa


Am 20. September 2019 nahmen Rudi Ackermann und seine amerikanische Lebenspartnerin Jina Noeth am weltweiten Klimastreik in Washington teil.

21.01.2021 © privat


Der neue US-Präsident Joe Biden begeistert auch in Deutschland viele Menschen, einer davon ist der pensionierte Ingenieur Rudi Ackermann aus Buckenhof. Gleich in mehrfacher Hinsicht ist der frühere Siemens-Mitarbeiter von dem Demokraten angetan: politisch, aber auch persönlich.

Biden ist 78 Jahre alt, Ackermann 73. "Der Präsident zeigt, dass man sich als Senior lange nicht auf das Altenteil legen muss, sondern noch was bewegen kann."

Ackermann selbst braucht dieses Vorbild gar nicht. Denn für den studierten Physik-Diplom-Ingenieur und Diplom-Wirtschaftsingenieur war eines klar, als er vor mehr als zehn Jahren in den Ruhestand ging: Nur Urlaub machen und am Strand legen, das kann es nicht sein, dachte er damals.

Faible für Technik und Umwelt

Ein Faible für Technik hat der ehemalige Beschäftigte, der Anfang der 1970er bei Siemens UB Med (jetzt Siemens Healthineers) anfing, schon immer, auch die Liebe zu Natur und Umwelt: "Das wollte ich im Ruhestand verbinden."

Schnell findet er für seine neue Berufung(en) einen Ort: Zunächst beim Verein Energiewende ER(H)langen, wo er noch aktiv ist, später auch bei Fridays for Future (FFF) — oder genauer, bei Grandparents, den Großeltern for Future.

Bilderstrecke zum Thema

"I love Siemensch": Ein Jahr Fridays For Future in Erlangen

Ein Jahr Fridays For Future in Erlangen- Dazu fanden sich wieder etliche hundert Menschen am Rathausplatz ein und zogen nach der Auftaktkundgebung durch die Stadt.


Vier Enkel hat Ackermann über seine Lebensgefährtin Jina Noeth, eine in Erlangen lebende US-Amerikanerin, dazu kommen drei eigene erwachsene Kinder. Mit jungen Menschen kennt sich der Witwer also aus. Daher ist es für ihn auch nicht befremdlich, bei den Demonstrationen der jungen Klimaschützer mitzumarschieren.

Und nicht nur das: Mehrmals steht er bei Kundgebungen in Erlangen auch selbst am Mikrofon, warnt vor dutzenden, ja hunderten Schülern und Jugendlichen vor den Folgen der globalen Erwärmung und fordert den sofortigen Umstieg auf Erneuerbare Energien.

"Meine Appelle kamen von den Jungen zurück wie ein Widerhall, das war schon ein besonderes Erlebnis", sagt er, "das muss ich zugeben". Vor Greta Thunberg und den folgenden FFF-Protesten hatte Ackermann es ohnehin nie verstanden, weshalb sich Jüngere nicht so sehr für Umwelt- und Klimathemen interessieren. "Es ist doch ihre Zukunft".

Unter den Jungen wohl gefühlt

Seit 2019 greifen schon die Jüngsten die Problematik auf, gemeinsam mit Älteren, stellt Ackemann anerkennend fest. "Wir beim Energieverein haben uns ja schon lange damit befasst und uns sofort den Schulstreiks angeschlossen, das Klima- Interesse der Jungen zu sehen, war für uns faszinierend".

Ackermann hat sich in den Reihen der Jungen immer sehr wohl gefühlt, trotz seines Alters. Klar gebe es da einen großen Generationenunterschied, aber man bekomme eben auch das Gefühl, dass man noch aktiv mitmischen kann.

Bilderstrecke zum Thema

Mehr Klimaschutz! 3000 Menschen demonstrierten in Erlangen

"Fridays for Future" hat erneut zu einem globalen Klimastreik aufgerufen.In Erlangen beteiligten sich rund 3000 Aktivisten an dem Prostest - mit viel Leidenschaft und kreativen Plakaten.


Aktiv mitmischen wird nun auch Joe Biden. "Er ist ja noch ein paar Jahre älter als ich", sagt Ackermann, "und sprintet so locker über die Bühne als wäre es nichts". Der Buckenhofer, der selbst lange Zeit Marathon gelaufen ist und immer noch viel Sport treibt, staunt, welchen Elan der neue Mann im Weißen Haus an den Tag legt. "Biden ist für mich ein Phänomen, gerade die Änderung des Politikstils von einem Tag zum anderen ist ein Riesen-Gewinn."

Der US-Demokrat sei ein Kristallisationspunkt für Menschen verschiedenster Herkunft und unterschiedlichem Alter. "Da sind viele Jüngere dabei". Fast möchte man ergänzen: Wie bei FFF und "ihren" Grandparents.

Die Wahl und verfolgt hat. Immerhin hat Ackermanns amerikanische Lebenspartnerin, die seit 30 Jahren in der Hugenottenstadt lebt, seinen Blick auf die Vereinigten Staaten nochmals geschärft.

Am 20. September 2019 waren die beiden sogar am weltweiten Klimastreik-Tag bei der entsprechenden Kundgebung in Washington dabei. In Erlangen fand damals ebenfalls eine große Veranstaltung statt.

Aktionen in Zeiten der Pandemie 

Auch am 5. Februar und 19. März wollen Fridays for Future Erlangen wieder Aktionen durchführen, noch ist unklar, wie die Veranstaltungen in Zeiten der Pandemie aussehen können und werden. Doch wenn es irgendwie möglich ist, möchte Rudi Ackermann auf jeden Fall mit dabei sein.

Bilderstrecke zum Thema

Trump oder Biden: Das sagen Amerikaner aus Erlangen zur US-Wahl

Donald Trump oder Joe Biden? Die USA haben über ihren Präsidenten abgestimmt, und etliche Amerikaner in Erlangen und in der Umgebung haben die Wahl verfolgt. Für wen haben sie gestimmt und was sagen sie zu dem Verlauf?


Doch wie sehen es eigentlich die Jüngeren, wenn bei ihren Klimastreiks auch Ältere mitmachen? "Grundsätzlich hat es für uns mit Greta Thunberg angefangen und natürlich sind wir als Fridays for Future eine Schüler*innen-Bewegung, das ist unser Selbstverständnis", antwortet Lara Linke von FFF Erlangen. Es sei aber klasse, wenn sich den Klimastreiks möglichst viele anschließen, sagt die 19-Jährige.

Bilderstrecke zum Thema

Joe Biden: Schicksalsschläge, Stottern und grenzenloser Ehrgeiz

Joe Biden - trotz seiner Bewerbung um das Amt des US-Präsidenten bleibt der Kandidat der Demokraten für viele eine blasse Figur. Zu Unrecht: Denn Biden blickt auf ein bewegtes Leben. In politischer wie persönlicher Hinsicht.


FFF sei darüber hinaus durchaus bewusst, dass sie die Umweltproblematik nicht als erste entdeckt haben: "Natürlich gab es vor uns schon andere, die für die gleiche Sache gekämpft haben." Zudem könne man von Älteren und ihrem Aktivismus lernen, das ist eine Art Synergieeffekt, sagt die Studentin.

Dass Joe Biden mit als erstes die Rückkehr der USA zum Pariser Klimaabkommen eingeleitet hat, findet Lara Linke gut. Wichtig sei jetzt aber, dass den Worten auch Taten folgen. Da dürfte ihr der 73-jährige Ackermann wohl kaum widersprechen.

SHARON CHAFFIN

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen