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Möhrendorf: Der Spargelbauer und der Corona-Schutz

Hans Rudolph legt in seinem Betrieb großen Wert auf Infektionsschutz - 16.04.2021 05:57 Uhr

Nach der Kältephase vor ein paar Tagen beginnt der Spargel mit Plastikfolien-Unterstützung zu „schießen“. Ein Saisonarbeiter präsentiert stolz seine Ausbeute.

14.04.2021 © Hans von Draminski


Die infolge des Pandemie-bedingten Fachkräfte-Mangels unter anderem über die sozialen Netzwerke rekrutierten Ersatzleute, die auf den Feldern aushalfen, waren "motiviert, hatten aber wenig bis keine Ahnung vom Spargelstechen", meint Hans Rudolph in der Rückschau.

Der Hotspot-Bildung entgegen steuern

Dass die Unterkünfte osteuropäischer Saisonarbeitskräfte in der Pandemie bisweilen zu Hotspots wurden und werden, ist Rudolph wohl bewusst. Und er steuert der Infektionsgefahr im Rahmen seiner Möglichkeiten gezielt entgegen: Die neun Menschen, die zum Teil schon seit Jahrzehnten bei der Spargelernte des Oberndorfer Betriebs mithelfen, also praktisch zum Stammpersonal zählen, leben auf dem Spargelhof der Familie Rudolph erstaunlich unbeengt.

Drei Menschen auf 80 Quadratmetern

Drei von ihnen wohnen derzeit in der vor nicht langer Zeit neu gebauten Vorarbeiter-Wohnung auf 80 Quadratmetern einschließlich eigener Küche, die anderen sechs haben 180 Quadratmeter zur Verfügung. Für Hans Rudolph ist das machbar, weil er im Lockdown ganz bewusst nur mit der Hälfte der gewohnten 18er-Besetzung agiert. "Solange Corona akut ist, bleibt das auch so", betont der Landwirt.

Regelmäßige Corona-Tests

Das schmale Gästebett in der Vorarbeiterwohnung ist für den „dritten Mann“, nebenan schläft ein Ehepaar: Der Sicherheitsabstand ist Hans Rudolph (re.) sehr wichtig.

14.04.2021 © Hans von Draminski


Regelmäßige Tests gehören auf dem Spargelhof dazu. Den ersten dieser Coronatests musste die Crew, die zum Teil schon im März angereist ist, schon bei der Einreise nach Deutschland vorweisen, für die übrige Zeit hat Hans Rudolph eine größere Menge Selbsttests für seine Saisonkräfte und die Familie angeschafft.

Ernte dauert bis Johanni

Bis zum Johannitag, dem 24. Juni, dauert die Spargelernte, danach reisen die Erntehelfer – ein polnischer Profi ist auch dabei – zurück in ihre Heimatländer. In Vor-Corona-Zeiten war die Mannschaft doppelt so groß, die Schwierigkeiten für regionale Spargelbauern begannen allerdings schon vor dem Ausbruch der Pandemie. "Die heißen Sommer, die den Boden restlos austrockneten, bereiten uns bis jetzt Probleme", verrät Hans Rudolph, der hofft, dass es in den nächsten Tagen und Wochen mehr Niederschläge gibt.

Zwei Wochen im Verzug

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Spargelernte in Möhrendorf

Der Möhrendorfer Spargelbauer Hans Rudolph arbeitet seit Jahren mit routinierten Saisonkräften aus Südosteuropa. Bei seinem Stammteam achtet er auf sicheren Infektionsschutz.


Durch die späte Winter-Kälte, die das Wachstum auf den Feldern hemmte, sei man ungefähr zwei Wochen im Verzug mit der Spargelernte, aber "das holen wir wieder auf", ist Rudolph überzeugt. Mit Anbauarealen, die eine externe Wasserzufuhr haben, und allgemein reduzierter Anbaufläche trägt der Betrieb den aufgrund der Trockenheit schlechten Erträgen Rechnung.

Lockdown beeinflusst das Kaufverhalten

Der seit Dezember anhaltende zweite Corona-Lockdown hat, so zumindest Rudolphs Beobachtung, auch Auswirkungen auf das Kaufverhalten: 2020 habe man ihm und den anderen Spargelbauern "beinahe die Bude eingerannt", in diesem Frühling sei das Interesse der Spargelfans dagegen "ziemlich verhalten".

Essen "to go" lohnt sich nicht

Das führt Hans Rudolph nicht zuletzt auf eine Gastronomie zurück, die aufgrund der geltenden Gesetzgebung zum Infektionsschutz nur Essen zum Mitnehmen anbieten darf, aber weder Außen- noch Innenbewirtung. Auch sein eigenes Hof-Restaurant, das Rudolph nicht allzu lange vor der Corona-Krise eröffnet hatte, wird momentan nicht genutzt, auf den Tischen sammelt sich feiner Staub. Es würde sich zurzeit schlicht nicht lohnen, Essen "to go" anzubieten und dafür den Koch für nur wenige Stunden am Tag einzubestellen, sagt Rudolph.

Saisonarbeiter versorgen sich selbst

Hans Rudolphs Konsequenz: Er schickt die Kundinnen und Kunden, die in seinem Hofladen regelmäßig nach fertig gekochten Gerichten fragen, zur benachbarten "Fischküche Reck", auf deren Speisekarte sich nicht nur Wasserbewohner tummeln, sondern generell fränkische Küche gepflegt wird. "Da bekommen Sie auch Ihren Spargelsalat", erklärt Rudolph einer Kundin. Rudolphs rumänische Crew versorgt sich ausschließlich selbst. Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, geht grundsätzlich nur eine(r) aus der Truppe für alle in den Supermarkt zum Einkaufen. Bei der Arbeit auf den Feldern wird, wie es Vorschrift ist, Schutzmaske getragen.

Hoffnung auf Lockerungen

Zur neu ausgebauten Vorarbeiter-Wohnung auf dem Spargelhof Rudolph gehört auch eine eigene Küche.

14.04.2021 © Hans von Draminski


Leichter ist die Arbeit dadurch nicht geworden. Hans Rudolph rechnet für dieses Jahr mit einer Ernte, die in etwa gleichauf mit dem ebenfalls schon "nicht berauschenden" Spargeljahr 2020 sein dürfte. Seine Gastronomie steht dennoch "in den Startlöchern", Rudolph hofft auf zeitnahe Lockerungen für gastronomische Einrichtungen, gibt sich aber keinen Illusionen hin. Der Lockdown könnte noch einige Monate dauern. "Wäre unser Lokal nicht unser Eigentum, sondern gepachtet, dann hätten wir inzwischen ein Problem", meint er mit sehr ernstem Unterton. Die auch bei Nichtbenutzung laufenden Kosten des Restaurants ließen sich aus den Einnahmen des Hofs decken. Gerade so.

 

HANS VON DRAMINSKI

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