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Muss ein uralter Maulbeerbaum in Erlangen sterben?

Kulturrelikt aus der Zeit um 1850 in Tennenlohe wurde bei Bauarbeiten beschädigt - 07.03.2019 11:00 Uhr

Der weiße Maulbeerbaum im Branderweg in Tennenlohe wurde um 1850 gepflanzt und gilt als Naturdenkmal. Bei Bauarbeiten wurde er jetzt beschädigt, ein Stamm musste daraufhin abgesägt werden. © Foto: Harald Sippel


Die kulturgeschichtliche Bedeutung weißer Maulbeerbäume in unseren Breiten ist längst anerkannt. Dabei muss man eigentlich erst einmal in die Ferne schweifen, wenn man über Maulbeerbäume redet. Denn sie sind ursprünglich in China beheimatet und dienten dort der Seidenproduktion, da ihre Blätter das bevorzugte Futter von Raupen des Seidenspinners sind. Bäume mitsamt Seidenraupen wurden schließlich in Europa importiert.

Die ersten Kenntnisse zur Seidenraupenzucht brachten die Hugenotten nach Erlangen. Unter Maximilian I. wurde die Seidenproduktion schließlich zur vaterländischen Pflicht erklärt, damit das Luxusgut Seide nicht mehr importiert werden musste. Und Ludwig I. verschenkte sogar weiße Maulbeerbäume aus seiner Hofgärtnerei, 450 Exemplare landeten 1826 in Erlangen.

Auf wirtschaftliche Unabhängigkeit setzten auch die Nationalsozialisten. Über 28 000 Maulbeerbäume gab es 1940 in Erlangen, ein Seidenbauberater kümmerte sich um die Belange der Seidenbauern. Doch die allermeisten der wärmeliebenden Bäume überstanden in der Folgezeit die kalten Winter nicht. Heute gibt es nach Auskunft eines Experten des Botanischen Gartens noch drei weiße Maulbeerbäume in der Erlanger Innenstadt: zwei im Garten selbst, einen im daran angrenzenden Hof des Markgrafentheaters.

Der Baum is prägend für das Ortsbild

Und dann ist da noch das stattliche Exemplar im Branderweg in Tennenlohe. Der Baum steht auf dem Gehweg und ist demzufolge in städtischem Besitz, einer seiner Stämme liegt auf der Mauer zum angrenzenden Grundstück hin auf und ragt in dieses hinein. "Ein Naturdenkmal" wegen seiner Seltenheit und des Alters, sagt der Arbeitskreis Tennenlohe des Heimat- und Geschichtsvereins, und zudem auch noch prägend für das Ortsbild.

Das änderte jedoch nichts daran, dass just der auf das Grundstück ragende Stamm des Baumes stark beschädigt wurde, und dies trotz eines Sicherungszaunes. Die auf dem Grundstück bauende Schultheiss Wohnbau AG nahm dazu Stellung: "Die besondere Wertigkeit des Baumes am Branderweg war uns zu jedem Zeitpunkt bewusst und auch der Planungsentwurf für das Bauvorhaben war von vornherein auf den unbedingten Erhalt des Baumes ausgerichtet", so Vorstand Rüdiger Sickenberg.

Man habe die mit der Stadt besprochenen Schutzmaßnahmen für den Baum umgesetzt. "Im Verlauf der Arbeiten kam es dennoch durch die Unachtsamkeit eines Subunternehmers, trotz mehrfacher Hinweise und entsprechender Kontrollen, im Bereich der äußeren Baumkrone zu Astbeschädigungen. Wir bedauern das und verstehen und teilen den Ärger, den diese Situation ausgelöst hat."

Ein Rückschnitt der betroffenen Äste

Weiterhin heißt es: "Unmittelbar nach Feststellung der Schädigungen wurde von unserem Landschaftsarchitekten vor Ort ein Termin mit dem zuständigen Mitarbeiter des Umweltamtes vereinbart, um gemeinsam die weitere Vorgehensweise festzulegen. In Abstimmung und unter Aufsicht des Umweltamtes erfolgte dann ein fachgerechter Rückschnitt der betroffenen Äste, die Komplettentnahme eines schräg wachsenden Stämmlings und die Versorgung der Schnittstellen, um die natürliche Regeneration des Baumes zu fördern."

ek

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