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Neonazi unter Besuchern entdeckt: Referent bricht Führung ab

Zwischenfall bei der Rechtsextremismus-Schau im Erlanger Rathaus - 01.04.2019 19:00 Uhr

Rechtsextremismus-Schau im Rathaus Erlangen: Hier ein Bild vom Eröffnungstag der Ausstellung. © Hans-Joachim Winckler


Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnte bei der Eröffnung der Ausstellung "Nie wieder. Schon wieder. Immer noch – Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945" höchstpersönlich vor rechtsradikalen und antisemitischen Umtrieben.

Wie wichtig dieser Appell tatsächlich ist, zeigt ein Vorfall nicht einmal zwei Wochen später: Eine Führung durch die Schau wurde, wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, am vergangenen Donnerstag abgebrochen, da der Referent einen Aktivisten aus der Neonazi-Szene erkannt hatte. Zudem verteilten nach Angaben des Erlanger Stadtsprechers Christofer Zwanzig mehrere Personen vor dem Erlanger Rathaus Flyer. Auch diese stammten offenbar aus einem rechtsradikalen Umfeld. Der rechtsextreme "Dritte Weg" selbst verunglimpft indes im Internet eben jenen Referenten und "feiert" die Störung bereits als eine erfolgreiche Aktion.

Die Polizei sieht keinen Anlass für Ermittlungen

Die Polizei hingegen beschwichtigt und sieht in dem Zwischenfall keinen Anlass für Ermittlungen. Zwar riefen die Veranstalter laut Stadtsprecher Zwanzig "zur Klärung der rechtlichen Situation" einen Streifenwagen, doch nach dem Feststellen der Personalien sei der Einsatz auch schon wieder beendet gewesen, betont Reinhold Beyer, der bei der Inspektion Erlangen für Ordnungs- und Schutzaufgaben zuständig ist. "Es gab keine Straftaten". Der Referent habe in der Besuchergruppe jemanden gesehen, den er in die "rechte Ecke" rückte und wohl "von irgendwelchen Events" her gekannt haben will, so Beyer weiter.

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Ob es sich bei diesem oder den Personen vor dem Rathaus um "Angehörige einer rechten Gruppe" handelte, könne man nicht mit Sicherheit sagen. "Mag sein", räumt der Beamte ein, "dass es Mitglieder des Dritten Wegs waren".

Viele ideologische Bezüge zur NSDAP

Unbekannt ist die Kleinstpartei, die laut Bayerischem Landesamt für Verfassungsschutz viele ideologische Bezüge zur NSDAP aufweist, in Erlangen nicht. Bereits im Juli 2017 meldete die Partei in der Stadt eine (durch viele demokratische Gegendemonstranten begleitete) Kundgebung in der Stadt an. Seither aber habe es in der Hugenottenstadt "in dieser Richtung" überhaupt nichts (mehr) gegeben, sagt Beyer, auch keine Veranstaltungen anderer rechtsextremer Gruppierungen etwa während der Wahlkämpfe für Bundes- und Landtag.

Stadtsprecher Zwanzig kann derweil nur jedem empfehlen, die Ausstellung zu besichtigen. Sie ist noch bis 4. April im Erlanger Rathaus (Rathausplatz) zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. 

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