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Neues Islam-Studium in Erlangen startet im Herbst

Ziel: Beitrag zur Integration leisten - Keine Ausbildung von Imamen - 28.08.2012 14:55 Uhr

Zum Wintersemester startet in Erlangen der neue Bachelor-Studiengang Islamisch-Religiöse Studien.

© Frank May/Symbolbild (dpa)


Harry Harun Behr liebt das klare Wort, wenn es gegen vermeintliche Vorurteile geht. «Die islamische Theologie ist nicht irgendein Löwe, den man kastrieren muss», sagt der Leiter des Interdisziplinären Zentrums für islamische Religionslehre an der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen-Nürnberg. Vielmehr stecke darin ein enormes Potenzial für die gesamte Gesellschaft. Im Oktober startet der neue Bachelor-Studiengang Islamisch-Religiöse Studien an dem Institut - das bislang einzige Angebot dieser Art für Islamwissenschaftler an den bayerischen Unis. Behrs Absolventen könnten zwar auch Imame werden - aber eben nicht nur.



 Ziel sei es, Menschen dazu zu befähigen, den Islam zu lehren. «Wir bieten ein theologisches Studium an, in dem die wissenschaftlichen Kenntnisse vertieft werden», meint der in Koblenz geborene 50-Jährige und fügt hinzu: «Der eine wird Imam, der andere geht vielleicht zu den Medien». Das Berufsbild sei noch ziemlich offen.

 Zum Wintersemester starten nun drei neue Professuren, die ihre Schwerpunkte jeweils auf die Praxis, Textwissenschaft und die Systematik legen. Es werde nicht eine spezielle Ausrichtung des Islam zum Gegenstand des Studiums gemacht, sondern die verschiedenen in Bayern vorhandenen Ausrichtungen aufgegriffen und diskutiert, erklärt Uni-Sprecherin Blandina Mangelkramer. In den ersten fünf Jahren wird der Bund die Professuren mit 4,4 Millionen Euro fördern.

 Die Zahl der Studierenden wird zunächst noch überschaubar sein, rund 20 Erstsemester erwartet Behr. Dennoch könnte so manche Diskussion über die Auslegung der Worte des Propheten Mohammed durchaus heftig werden - bis hin zu extremistischen Meinungen. Seine Aufgabe sei es auch, hier gegenzusteuern. Er wolle den Gläubigen zudem eine Orientierung in Umweltfragen oder bei den Menschenrechten geben.

 Das bayerische Wissenschaftsministerium sagt zu dem Projekt, es solle ein Rahmen geschaffen werden, «innerhalb dessen eine islamische Selbstauslegung auf gleicher Augenhöhe» auch mit anderen Wissenschaften möglich sei. Dazu gehöre auch die Vorbereitung auf die muslimische Seelsorge, Gemeindeangelegenheiten und Jugendarbeit.

Mehr Integration durch Qualifikation


Die Integration der Muslime war maßgebend der Grund dafür, dass vor rund zwei Jahren Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bundesweit vier Islamzentren ankündigte. Neben Erlangen gibt es nun entsprechende Einrichtungen in Tübingen, Frankfurt/Gießen und Osnabrück. Integration funktioniere nicht, wenn die Vorbeter fast alle aus der Türkei kämen, die deutsche Sprache nicht könnten und die Kultur des Gastland nicht kennen würden, sagte Schavan im vergangenen Jahr bei der Eröffnung des Tübinger Zentrums.

So sieht es auch der Islambeauftragte der evangelisch-lutherischen Kirche, Rainer Oechslen: Religionslehrer müssten qualifiziert sein. Das stärke das Selbstbewusstsein und fördere die Integration. Der Islam habe in den vergangenen 30 Jahren gesellschaftlich nicht stattgefunden, sagt er. Sicherlich werde es Konflikte in den Seminaren geben, auch zum Salafismus. Dass dort aber künftig radikale Thesen gelehrt werden, glaubt er nicht. Die Professur sei eine Gegenposition zu dem Versuch, den Islam «in die Nischen irgendwelcher Hinterhofmoscheen abzuschieben», betont Oechslen.

dpa

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