Samstag, 25.05.2019

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Neun Möhrendorfer Familien ackern gemeinsam

Gemeinde stellt Bürgern Grundstück für Anbau zur Verfügung - 27.04.2019 18:00 Uhr

Wo einst der evangelische Kindergarten war, werden jetzt Gemüse und Obst angebaut. © Tobias Fries


Erdbeeren aus Spanien, Tomaten aus der Türkei. Wer nicht will, dass seine Lebensmittel vor dem Kauf durch halb Europa reisen, muss saisonale Produkte kaufen – oder selber anbauen. Den Gedanken der Selbstversorgung hatte Melanie Viebahn im Sinn, als sie das Projekt "Gemeinschaftsacker" ins Leben rief.

"Ich wollte schon immer mein eigenes Obst und Gemüse anbauen", so die Möhrendorferin. Dabei ist ihr vor allem wichtig, auf Pestizide und Ähnliches zu verzichten. "Ich möchte nur das verwenden, was mir die Natur gibt, so dass ein geschlossener Kreislauf entsteht." Dazu hat sie sich am Tegernsee inspirieren lassen: "Ich habe dort einen Kurs auf einem Bauernhof gemacht. Das wollte ich dann natürlich auch selber probieren."

Ideale Bedingungen

Das Obst und Gemüse soll aber nicht etwa in ihrem Garten angepflanzt werden, denn den hat sie gar nicht. Schon seit längerem suchte sie daher nach einem passenden Grundstück für ihr Vorhaben. Und als die Suche im Sand zu verlaufen schien, schaltete sich die Gemeinde ein. Die Fläche des ehemaligen evangelischen Kindergartens liegt seit einigen Monaten brach und bekommt somit einen neuen Nutzen. Laut Bürgermeister Thomas Fischer handelt es sich dabei um ein Grundstück mit "idealen Voraussetzungen", da es komplett eingezäunt und mit einem Wasseranschluss versehen ist.

Dabei stellt die Gemeinde aber klar, dass sie die 400 Quadratmeter große Fläche irgendwann auch wieder einmal nutzen möchte. Man hat sich deshalb auf einen Pachtvertrag mit fünfjähriger Laufzeit geeinigt, der von Seiten der Gemeinde immer zum Jahresende und für Viebahn und Co. zu jeder Zeit kündbar ist. Als Pachtmiete werden nur 20 Euro pro Jahr fällig.

Auf dem hinteren Teil des Grundstücks soll außerdem noch ein kleines Fußballfeld für den angrenzenden neuen Kindergarten entstehen. In Bällen, die auf ihrem Acker landen könnten, sieht Melanie Viebahn dabei zwar kein Problem, sie sei aber trotzdem "froh, dass noch ein Zaun zwischen Spielfeld und Acker entstehen soll."

Ihr Projekt steht somit endlich in den Startlöchern. Kürzlich hat man sich das erste Mal versammelt und erste Vorbereitungen getroffen. Neben Viebahn nehmen noch neun Familien am "Gemeinschaftsacker" teil. Diese sind durch einen Aufruf im Gemeindeblatt aufmerksam geworden und ebenfalls von der Idee begeistert, weil sie zuhause teilweise nicht die Möglichkeit haben, Obst und Gemüse anzubauen. Zwar haben ein paar der "Mitackerer" einen Garten, "bei ihnen steht aber die Gemeinschaft im Vordergrund", so Viebahn. Ein Vorteil sei außerdem, dass man sich die Arbeit aufteilen könne.

Jeden Samstag möchte man sich ab jetzt treffen und anfangen anzubauen. Die Erträge sind vorrangig für den Eigenbedarf gedacht, sollte es zu viel werden, könnten sie aber durchaus auch zum Verkauf stehen. Ob das Projekt eine Zukunft hat, ist allen Beteiligten noch nicht klar, man wolle es aber einfach mal probieren. "Ein Traum wäre es, wenn das Projekt über mehrere Generationen weitergeführt würde", findet Melanie Viebahn.

Auch wenn sich schon ein paar Engagierte gefunden haben, sind weitere "Mitackerer" herzlich willkommen. Wer noch Lust hat mitzumachen, kann sich per Mail an gemeinschaftsacker@gmx.de wenden oder die aktiven Bürgerinnen und Bürger direkt vor Ort ansprechen. 

Tobias Fries

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