Stadttor weiter gesperrt

Neunkirchen: Anwohner fühlen sich derzeit "wie im Paradies"

18.8.2021, 10:56 Uhr
Mindestens noch bis Mitte September ist das Forchheimer Tor in Neunkirchen wegen der Renovierung gesperrt.

Mindestens noch bis Mitte September ist das Forchheimer Tor in Neunkirchen wegen der Renovierung gesperrt. © Scott Johnston

Die Kinder können jetzt die Flächen vor dem historischen Ambiente zum Spielen nutzen, da die wenigen Anlieger sehr langsam fahren. "Sonst lasse ich meine Töchter nie allein auf die Straße. Das wäre viel zu gefährlich", erzählt ein Familienvater.

Bekanntlich war Anfang Juli ein Sattelzug mitten im Forchheimer Tor stecken geblieben. Am Lastwagen entstand ein Schaden von etwa 40000 Euro, am Tor von zirka 50000 Euro. Da die äußere Wand zum Teil die Anbindung an das restliche Mauerwerk verlor, wurde auch die Statik erheblich in Mitleidenschaft gezogen.

Kompromiss gefunden

Lange diskutierten die Vertreter der Marktgemeinde, die sich für den Einbau einer Stahlspange als Stütze aussprachen, und des Amts für Denkmalschutz, die eine Generalsanierung für sinnvoll hielten, über die richtige Lösung. Am Ende einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss: Mehrere Steine werden ausgetauscht, Risse zur Versteifung mit Bindematerial ausgespritzt.

Wegen der florierenden Baukonjunktur und den Belastungen durch die Corona-Pandemie gibt es momentan Lieferschwierigkeiten bei den Sandsteinen, weshalb der ursprünglich für August vorgesehene Abschluss der Arbeiten um einige Wochen nach hinten verschoben werden muss. Bis dahin ist die Durchfahrt komplett gesperrt. Da auf der Friedhofstraße, die an der Nordseite des Tores auf die Forchheimer Straße stößt, keine Transporter mit über 7,5 Tonnen fahren dürfen, wird der Lkw-Verkehr großzügig über Gosberg umgeleitet.

"Momentan fühlen wir uns wie im Paradies", sagt ein Mann, der seit vielen Jahren unweit des Tores wohnt. Vor der Sperrung kam es nahezu täglich zu Problemen mit Lastern.

Festgefahren: Für den Sattelzug ging es Anfang Juli weder vor noch zurück. Das Forchheimer Tor muss nun aufwendig erneuert werden.

Festgefahren: Für den Sattelzug ging es Anfang Juli weder vor noch zurück. Das Forchheimer Tor muss nun aufwendig erneuert werden. © Torsten Hanspach

Auch 2. Bürgermeister Martin Mehl, der Gemeindechef Martin Walz vertritt, wundert sich über die Fahrer: "Wir haben fünf Warnschilder mit Höhenangaben einschließlich einer großen Tafel aufgestellt. Wer sie übersieht, muss blind sein." Offensichtlich benutzen viele Brummifahrer keine speziellen Navigationsgeräte für Lastwagen, sondern solche für Pkws, auf deren Display eine Maximalhöhe von 3,20 Metern als nicht sonderlich problematisch eingestuft wird.

Manche Lastwagenfahrer verringern über die Hydraulik die Höhe, um sich Millimeter für Millimeter durch das Tor zu kämpfen. Häufig kommt es auch zu gefährlichen Wendemanövern. Oft legen die Lasterfahrer für 300 Meter den Rückwärtsgang ein, um anschließend in den Äußeren Markt einzubiegen.

Andere fahren In die Hirtengasse, die sich später jedoch verengt, so dass sie dort feststecken. Inzwischen wurden Pfosten installiert. wie Robert Landwehr, der direkt am Forchheimer Tor wohnt und 18 Jahre lang dem Gemeinderat angehörte, erläutert. Viele Lastwagenfahrer würden sich sagen "Was die Müllabfuhr kann, können wir auch" und es trotzdem durch die Gasse probieren.

Gefährliche Wendemanöver

Nicht bloß die für Fußgänger gefährlichen Wendemanöver, sondern auch der Lärm und die Abgase durch die generell hohe Verkehrsbelastung sowie Schrammen und Risse an ihren Häusern sorgen für Unmut bei den Anwohnern. Dass die Fahrer von getunten Autos, Motorrädern und Quards im Torbogen richtig aufdrehen, weil es hier wegen des Halls so "schön" knattert, löst bei Robert Landwehr nur Kopfschütteln aus: "Für uns ist das die Hölle!"

Die Anwohner hoffen daher, dass der Bau der Westumgehung von Neunkirchen bewilligt wird. Die Mehrheit des Gemeinderats hat sich dafür ausgesprochen, doch auch die Zahl der Gegner ist bekanntlich groß. Sie verweisen unter anderen auf seltene Tier- und Pflanzenarten, die durch die Trasse gefährdet wären, auf den Flächenverbrauch, das Landschaftsbild und die Tiefbrunnen für die Wasserversorgung, die sich in dem vorgesehenen Bereich befinden.

Knapp 1500 Einwendungen gegen die Westumgehung prüft das Staatliche Bauamt in Bamberg momentan innerhalb des Planfeststellungsverfahrens. "Darunter sind zahlreiche individuelle Fälle, deren Bearbeitung äußerst zeitaufwendig ist", hebt Pressereferentin Sabrina Hörl hervor. Deswegen sei derzeit beim besten Willen nicht abzusehen, wann die Prüfung abgeschlossen ist.

Neue Einwände wären möglich

Das Pikante: Nimmt das Amt aufgrund der Bedenken Änderungen vor, sind erneut Einwendungen möglich. Erste Voruntersuchungen für das Projekt, das die inzwischen gebaute Südumgehung ergänzen soll, wurden bereits vor 28 Jahren vorgenommen.

2009 kam eine Kostenschätzung auf 7,3 Millionen Euro. Sie wurde nun aktualisiert, doch können die Zahlen vor der Genehmigung durch das bayerische Verkehrsministerium laut Sabrina Hörl noch nicht bekannt gegeben werden.

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