Sonderausstellung in der Zehntscheune

Neunkirchens Felix Müller und seine Liebe zu Agnes Schürr

14.10.2021, 10:30 Uhr
In Felix Müllers Werk tauchen sehr häufig christlich-religiöse Themen auf: Hier das Triptychon

In Felix Müllers Werk tauchen sehr häufig christlich-religiöse Themen auf: Hier das Triptychon "Heilige Agnes" ("Sancta Agnes"). © Udo Güldner, NN

Eine Sonderausstellung im Felix Müller-Museum erzählt von der Beziehung des Bildhauers und Malers zu Agnes Schürr (1899-1989). Sie war seine Geliebte, seine Muse und eine der wichtigsten Sammlerinnen seiner Kunst. Wir haben die Leiterin des Hauses, die Kunsthistorikerin Regina Urban, getroffen und uns von der fruchtbaren, doch kurzen Partnerschaft erzählen lassen.

Einige Blumen-Stillleben Felix Müllers aus den 1970er Jahren.

Einige Blumen-Stillleben Felix Müllers aus den 1970er Jahren. © Udo Güldner, NN

Drei Frauen haben im Leben Felix Müllers als Partnerinnen eine besondere Rolle gespielt. Seine Jugendliebe Gretel Eckert, seine Muse Agnes Schürr und seine Ehefrau Gertrud Weißkopf (1911-1998). Wenn man einmal von seiner Mutter, der Muttergottes und der Mutter Erde absehen will. Denn auch diese haben ihn und sein Werk tief geprägt. „Er sagte einmal, eine Welt ohne Mutter sei eine kalte Welt“, so Urban.

Kunstinteressierte Menschen

Felix Müller (1904-1997) lernte Agnes Schürr in den 1930er Jahren wohl in der Buchhandlung ihres Schwagers Rudolf Tauer in Nürnberg kennen. „Dort stellte er einige seiner Werke aus.“ Fortan waren beide kunstinteressierte Menschen in der Szene unterwegs.

Sie trafen sich auch mit dem von den Nationalsozialisten verbotenen Bildhauer Leo Smigay (1900-1970), der kurzzeitig inhaftiert war. Felix Müller fürchtete, wegen seiner Nähe zum verfemten Expressionismus auch in die „Schutzhaft“ zu geraten. „Das hat ihn in einem seiner Briefe zu dem Wortspiel ,Dachau, auch da' veranlasst“.

Christlich-religiöse Motive auch bei den bildhauerischen Arbeiten: Hier der Gekreuzigte.

Christlich-religiöse Motive auch bei den bildhauerischen Arbeiten: Hier der Gekreuzigte. © Udo Güldner, NN

Vor dem Zweiten Weltkrieg hoffte Felix Müllers Mutter noch auf die Ehe der beiden. Während des Frankreich-Feldzugs besuchte Agnes Schürr die alte Dame im Elisabethen-Heim in Neunkirchen am Brand.

Freilich waren die Standesunterschiede zwischen dem Künstler und Agnes Schürr enorm. Seine Mutter verdiente als Weberin nur wenig. Nach dem Tod seines Vaters musste sie dessen Aufgaben als Bahnwärter auch noch übernehmen. Agnes Schürr hingegen entstammte einer angesehenen Familie, war Tochter des Lehrers Hans Schürr. „Man muss im Auge haben, dass es andere Zeiten waren.“

Intime Begegnung zwischen Mann und Frau: Die Bronzeskulptur

Intime Begegnung zwischen Mann und Frau: Die Bronzeskulptur "Nocturno". © Udo Güldner, NN

Zeit ihres Lebens war Agnes Schürr eine starke Frau, die ihre Freiheit behalten wollte. Eine Heirat mit dem freischaffenden Künstler kam deshalb gar nicht in Frage. Schon alleine, um ihre Pensionsansprüche nicht zu gefährden.

Beim

Beim "Sonnenuntergang" verwendete Felix Müller kräftige Farben. © Udo Güldner, NN

Agnes Schürr war nach der Ausbildung zur Lehrerin in Bamberg nämlich in den öffentlichen Dienst gewechselt. In Nürnberg arbeitete sie im Fernmeldeamt und war Bayerns erste Postinspektorin. Auch zog das Paar nie zusammen. Er arbeitete erst in seiner Werkstatt in Laubendorf im Landkreis Fürth, dann in Neunkirchen am Brand. Sie lebte erst in Nürnberg, später in ihrem Elternhaus in Herzogenaurach, wo sie auch verstarb.

Auch die

Auch die "Sommerblumen" gerieten Felix Müller zu einem intensiven Stillleben. © Udo Güldner, NN

Es gibt in einem kurz vor Mitternacht gezeichneten Porträt der jungen Frau und einer Bronzeskulptur „Nocturno“ Hinweise auf intime, nächtliche Begegnungen. „Sie ist wohl nach einer wundervollen Liebesnacht entstanden.“ So sind die beiden Gesichter ineinander gefügt, ja miteinander verschmolzen, bilden bei genauerer Betrachtung gar ein Herz. „Er hatte da eine Szene aus der 700 Jahre alten Manessischen Liederhandschrift als Vorbild.“

Auch mit dem Werkstoff Holz konnte Felix Müller gut umgehen. Hier eine

Auch mit dem Werkstoff Holz konnte Felix Müller gut umgehen. Hier eine "Pieta". © Udo Güldner, NN

Während die mittelalterliche Buchmalerei gesittet daherkommt, zeigen die expressiven Linien Felix Müllers seine emotionale Erschütterung. Felix Müller und Agnes Schürr lagen auch musikalisch auf einer Wellenlänge. Er spielte Geige, sie Klavier. „Außerdem hatte sie eine wunderbare Sopranstimme, die er in der Nürnberger Frauenkirche bewundert hat.“ Im Felix Müller-Museum findet sich gar ein Aquarell einer „Beweinung Christi“ (Pietá), die Agnes Schürr selbst gemalt hat. „Auch sie war künstlerisch tätig.“ Allerdings sind nur wenige Werke überliefert.

Der Künstler im Selbstporträt.

Der Künstler im Selbstporträt. © Udo Güldner, NN

Das Ende der innigen Beziehung kam überraschend. Als Felix Müller 1948 nach fünf langen Jahren aus der französischen Kriegsgefangenschaft nach Neunkirchen am Brand heimkehrte, war er ein anderer Mensch geworden. Das kann man auch an den schmerzvollen Skizzen des Heiligen Sebastian sehen. „So als leidender Märtyrer hat er sich im Krieg wohl auch gefühlt.“ Freilich blieb man auch nach der Trennung weiter verbunden. „Sie sammelte seine Kunst.“ Nur seine zahlreichen Briefe verbrannte sie.

So sah sie aus: Agnes Schürr auf einer frühen Aufnahme.

So sah sie aus: Agnes Schürr auf einer frühen Aufnahme. © Udo Güldner, NN

Eine große Anzahl an Bildern und Skulpturen hat nun Dank der Marktgemeinde, des örtlichen Freundeskreises für Kunst und Kultur und einiger privater Förderer den Weg ins Felix Müller-Museum gefunden. Darunter auch einige Blumen-Stillleben aus den 1970er Jahren. „Mir kommt es so vor, als habe er mit der Wachskreide seine depressive Phase überwunden.“ So farbig, so voller Leben sind diese Bilder, als habe er endlich den furchtbaren Krieg hinter sich gelassen.

Felix Müller und Agnes Schürr: Beide Gesichter sind hier ineinandergefügt.

Felix Müller und Agnes Schürr: Beide Gesichter sind hier ineinandergefügt. © Udo Güldner, NN

Als er vom Tode Agnes Schürrs erfährt, schreibt er: „Es war eine so glückliche Zeit mit ihr. Des Schaffens, des Lebens, der Liebe.“

Die Sonderausstellung „Agnes Schürr, Gefährtin Felix Müllers und Sammlerin seiner Werke“ ist noch bis 24. Oktober im Felix Müller-Museum, Anton von Rotenhan-Platz 2 (Zehntscheune), zu sehen (geöffnet sonntags 15 bis 17 Uhr und montags 10 bis 14 Uhr). Führungen auf Anfragen unter Telefon (09134) 908042 oder (09561) 4274359 oder per Mail: regina.urban@neunkirchen-am-brand.de

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