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Donnerstag, 23.05.2019

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Notre-Dame-Brand: Erlanger Feuerwehren sind vorbereitet

Wie schützt man historische Gebäude wie die Hugenottenkirche - 18.04.2019 06:00 Uhr

Der Glockenturm in der Hugenottenkirche Erlangen — die Holzkonstruktion in Flammen würde die Feuerwehr vor große Probleme stellen. © Mark Johnston


Der kleine Spitzturm brennt wie eine Fackel, der Dachstuhl stürzt ein. Etwa 400 Feuerwehrleute kämpfen gegen das Flammenmeer, doch weite Teile der Kathedrale Notre-Dame werden durch das Feuer zerstört. In Erlangen gibt es zwar kein Weltkulturerbe wie Notre-Dame, aber eben historische Gebäude wie das Markgrafentheater, das Stadtmuseum oder die Hugenottenkirche.

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Diese Bilder schockieren die Welt: Die Kathedrale Notre-Dame in Paris steht stundenlang in Flammen. Der Dachstuhl des Gotteshauses und ein Turm stürzen in die Tiefe. Doch am Morgen ist klar: Die rund 400 Feuerwehrleute konnten das Wahrzeichen der Stadt retten.


Die EN haben den Leiter des Sachgebiets Technik und stellvertretenden Feuerwehrchef Michael Kolmstetter gefragt, ob und wie seine Leute auf ein solches Unglück vorbereitet sind und wie sie vorgehen würden.

Zunächst einmal, so Michael Kolmstetter, gehöre zur Ausbildung eines Feuerwehrmannes oder einer Feuerwehrfrau auch Baukunde. "Wir haben auf jeden Fall eine gewisse Sachkunde, auch was die Dachstühle und die Bauweise historischer Erlanger Gebäude angeht". Allerdings sei Spezialwissen für jedes einzelne Gebäude normalerweise nicht vorhanden.

Ein Feuerwehrmann versucht, das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame zu löschen. © Michael Euler/AP (dpa)


Sollte der Dachstuhl der Hugenottenkirche brennen, was niemand hofft, werde man sowohl von innen als auch von außen über Drehleitern löschen. Beim Glockenturm sei das aber problematisch. Die Drehleiter reicht bis auf eine Höhe von 30 Metern, die Wurfweite von einem Strahlrohr beträgt bestenfalls 20 Meter. Der Turm ist aber etwa 52 Meter hoch. "Wir können zwar einen Innenangriff versuchen, doch wenn es in der Spitze brennt, ist das gefährlich. Wenn die Holzkonstruktion lichterloh brennt, ist der Turm verloren".

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Nach Feuersbrunst in Paris: Notre-Dame am Tag danach

Ein stundenlang wütendes Feuer verwüstet die Kathedrale Notre-Dame in Paris. Die Feuerwehr konnte die Flammen eindämmen, die Kirche wurde bis Dienstag komplett gelöscht. Die Bilder vom Tag danach.


Wasserabwurf vom Hubschrauber sei zwar grundsätzlich möglich, aber bei einem Feuer im Glockenturm könne er sich das nicht vorstellen, weil die Vorlaufzeit für die Gerätschaften viel zu groß sei, und ein Hubschrauber sei auch nicht so schnell verfügbar. In Paris habe man das wohl auch nicht gemacht, weil die Struktur des Gebäudes den Wassermassen nicht standgehalten hätte.

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Ein Exemplar des Buches "Die Hugenottenkirche in Erlangen – Das eindringlichste Bauwerk reformierter Tradition in Bayern" haben Stadtarchivar Andreas Jakob als Herausgeber, Pfarrer Johannes Mann und weitere Projektbeteiligte am Donnerstag Oberbürgermeister Siegfried Balleis übergeben. Das Buch beschäftigt sich auf fast 280 Seiten mit der Geschichte der Hugenottenstadt Erlangen und deren beeindruckender Kirche, die gleichsam symbolisch für die Wirkungsgeschichte der Hugenotten steht. Es ist ab Samstag zum Preis von 29,80 Euro im Handel erhältlich.


Weil es im Markgrafentheater eine moderne Brandmeldeanlage gibt, und weil bei Veranstaltungen immer drei Feuerwehrleute in Bereitschaft hinter der Bühne stehen, wäre ein Brand dort keine allzu große Herausforderung. "Wir sind so schnell zur Stelle, dass wir ein Ausbreiten bestimmt verhindern können", meint Kolmstetter.

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Jubiläum! Erlangen feiert 300. Geburtstag des Barocktheaters

Im Januar 1719 wurde das Markgrafentheater eröffnete. 300 Jahre und viele, viele Theateraufführungen später, wird das Jubiläum des ältesten bespielte Barocktheater Süddeutschlands gefeiert.


Außerdem gebe es einen "Eisernen Vorhang" zwischen Bühnenhaus und Zuschauerraum, so dass man separate Brandabschnitte hätte. 90 Minuten lang kann der Vorhang ein Feuer abhalten, eine Evakuierung kann so geordnet stattfinden. Und eine effektive Sprinkleranlage gibt es auch noch.

Zudem kennt die Feuerwehr jeden Winkel in dem Theater und weiß darum genau, wie sie im Falle eines Brandes vorgehen muss.

Und das weiß sie auch, wenn es im Stadtmuseum einmal brennen sollte. Zwar steht Menschenrettung an erster Stelle, parallel zu den Löscharbeiten werden aber auch die Kulturgüter in Sicherheit gebracht. Dafür gibt es detaillierte, vordefinierte Pläne. Die Feuerwehrleute kennen sich im Stadtmuseum ohnehin bestens aus, weil ihnen bei Begehungen immer wieder die sensiblen Bereiche erläutert werden. Zwar müsse man bei solchen Bränden viel Wasser einsetzen, Ziel bei den Löscharbeiten sei es aber auch Wasserschaden möglichst zu vermeiden oder zumindest gering zu halten, sagt Michael Kolmstetter.

 

Klaus-Dieter Schreiter

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