OP-Roboter im Erlanger Waldkrankenhaus soll Eingriff präziser und schonender machen

15.3.2021, 11:00 Uhr
Modernste Technik im Erlanger Waldkrankenhaus: Chefarzt Klaus Schnake präsentiert den OP-Roboter, der in der Wirbelsäulenchirurgie zum Einsatz kommt.

Modernste Technik im Erlanger Waldkrankenhaus: Chefarzt Klaus Schnake präsentiert den OP-Roboter, der in der Wirbelsäulenchirurgie zum Einsatz kommt. © Klaus-Dieter Schreiter

Die Begeisterung ist Chefarzt Klaus Schnake am Abend vor der Präsentation deutlich anzuhören. Am nächsten Tag ist Kick-off, also Startschuss, dann wird Mazor XTM, ein Roboter, offiziell begrüßt und in die Klinik eingeführt.

Auch der in Erlangen lebende bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der zugleich Kuratoriumsvorsitzender des Malteser Waldkrankenhauses St. Marien ist, schaut sich dazu in der Rathsberger Straße um.

Schon einige Stunden vorher kommt Schnake ins Schwärmen. "Der Roboter wird unsere tägliche chirurgische Arbeit qualitativ verbessern", sagtder Chefarzt des Interdisziplinären Zentrums für Wirbelsäulen- und Skoliosetherapie am Malteser Waldkrankenhaus am Telefon, "uns aber nicht ersetzen".

Wie beim selbstfahrenden Auto

Der Experte vergleicht das neue integrierte Assistenzsystem gerne mit einem selbstfahrenden Auto, "bei unserem Roboter ist es ähnlich, nur dass wir die Hände immer am Steuer lassen", sagt er.

Rund 1,5 Millionen Euro hat der nach Klinikangaben neueste und in Süddeutschland erste OP-Roboter mit dem Namen Mazor X TM gekostet. Eine Investition, die sich laut Schnake lohnt.

Die Vorzüge seien vielfältig, berichtet er. So biete er eine ungewohnte Präzision und Hilfe beim Einbringen von Implantaten, etwa bei Schrauben, um die Wirbelsäule zu stabilisieren oder auch zu begradigen. Meistens handelt es sich somit um größere Eingriffe, beispielsweise wenn gleich mehrere Schrauben oder Implantate eingefügt werden.

Der Eingriff lasse sich schon im Vorfeld mit einer digitalen 3D-Therapieplanung genau durchgehen und die Implantate dann auch extrem genau platzieren: "Das exakte Planen und Einsetzen ist ein tolles Gesamtkonstrukt", so Schnake.

Wie das funktioniert, erläutert der unter anderem als "Top Mediziner" von Focus und Focus Online mehrfach ausgezeichnete promovierte Wirbelsäulenchirurg verständlich und anschaulich. Die umfassende Behandlungsplanung werde über das integrierte Bild- und Navigationssystem im OP-Saal nahtlos und damit hochpräzise auf die tatsächlichen Verhältnisse am Patienten übertragen.

Der Assistenzroboter unterstützt den Chirurgen intraoperativ dabei, die Planungen eins zu eins umzusetzen und den Bereich darzustellen, an dem der Eingriff am Patienten gerade vorgenommen wird.

Werden er und seine Kolleginnen und Kollegen dann irgendwann überflüssig? "Nein", antwortet Schnake und lacht. Trotz der extrem hohen Präzision und Sicherheit des OP-Roboters führten Ärzte weiterhin die eigentliche chirurgische Arbeit durch, nämlich das Schneiden, Bohren und Schrauben.

Wenn der OP-Roboter eingesetzt wird, braucht es auch entsprechendes Equipment, wie unser Bild zeigt.

Wenn der OP-Roboter eingesetzt wird, braucht es auch entsprechendes Equipment, wie unser Bild zeigt. © Klaus-Dieter Schreiter

Grundsätzlich seien Wirbelsäulen-Eingriffe heute sehr sicher und schwere Komplikationen mit Nervenschäden oder Lähmungen die Ausnahme. Doch ein Restrisiko bleibe. "Hier spielt der Roboter eine gewisse Rolle, denn wenn wir eine Schraube einbringen, wo sie nicht hin soll, kann der Roboter das korrigieren."

So ließe sich das Restrisiko mit dem Roboter zusätzlich weiter minimieren. Der OP-Roboter sei also nicht nur eine "Spinnerei" für die Chirurgen, sondern biete auch dem Patienten viele Vorteile, betont Schnake.

Geringere Infektionsgefahr

So verringere sich mit dem Einsatz des Roboters auch die Gefahr späterer Infektionen oder Wundheilungsstörungen, denn die Schnitte sind meist kleiner. "Der Roboter hilft nicht nur dabei, dass unsere Hand still wird, sondern schärft auch noch unser Auge und unterstützt uns dabei, unseren Plan umzusetzen".

Dadurch könne man mit kleineren Schnitten die Implantate einführen – und das wiederum führe dazu, dass sich Blutungen und Blutverlust minimierten und es weniger Infektionen gebe. Doch wollen die Patienten überhaupt Roboter bei ihrer OP? Der ein oder andere auf jeden Fall, sagt Schnake, manche fragen sogar selbst, ob bei ihrem Eingriff nicht die Maschine mit assistieren kann.

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