Wilde Abfall-Ablagerungen nehmen zu

Parks und Grünanlagen in Erlangen: Der Müll bleibt ein Problem

5.8.2021, 15:08 Uhr
Wie hier am Bohlenplatz sollen künftig Aufkleber auf den Abfallbehältern und Hinweisschilder dafür werben, Müll ordentlich zu entsorgen oder wieder mit nach Hause zu nehmen.

© Katja Kiesel Wie hier am Bohlenplatz sollen künftig Aufkleber auf den Abfallbehältern und Hinweisschilder dafür werben, Müll ordentlich zu entsorgen oder wieder mit nach Hause zu nehmen.

Schlossgarten, Bohlenplatz, die Schwabachanlage oder der Grünzug im Röthelheimpark gehören zu Erlangens grünen Oasen und ziehen entsprechend viele Menschen an, die dort ihre Mittagspause, einen Abend mit Freunden oder einen Coffee to go genießen. Und: Müll hinterlassen. Regelmäßig sind die Abfallbehälter entlang der Spazierwege und in der Nähe der Bänke überfüllt. Pizzakartons, Bierflaschen und Papiertüten liegen oftmals rund um den Mülleimer verstreut, weil darin kein Platz mehr ist. Das Problem ist kein Neues, aber ein Beständiges.

Zu viel Verpackungsmüll

Und eines, das sich seit Beginn der Pandemie verstärkt hat: Zwar habe die Gesamtmenge in den Papierkörben abgenommen - weil kaum jemand in der Stadt unterwegs war - in den Grünanlagen aber sei es deutlich mehr geworden, wie Heike Atzenbeck vom Betrieb für Stadtgrün, Abfallwirtschaft und Straßenreinigung weiß. Besonders problematisch ist der Verkaufs- und Verpackungsmüll: "Dieser macht zwar gewichtstechnisch nicht so viel aus, aber vor allem im Volumen - die optische Müllmenge hat definitiv zugenommen. Ich rechne auch 2021 noch einmal mit einer Steigerung, wenn sich nicht eklatant etwas ändert – zum Beispiel das Plastikverbot." Die Abteilung Stadtgrün, die unter anderem für die Leerung der Abfalleimer zuständig ist, hat daher den "Sommermodus" in diesem Jahr sogar vorgezogen und leert statt ab Mai schon seit Mitte April auch samstags und sonntags die Mülleimer im Stadtgebiet.

Mehr Müll durch „To go“-Angebote: Bilder wie dieses boten sich den Besuchern des Schlossgartens während der letzten Wochenenden immer wieder.

Mehr Müll durch „To go“-Angebote: Bilder wie dieses boten sich den Besuchern des Schlossgartens während der letzten Wochenenden immer wieder. © Klaus-Dieter Schreiter

Angepasster Leerungs-Rhythmus

Trotzdem lassen sich in Erlangen und besonders um die hoch frequentierten Grünflächen und Freizeitanlagen regelmäßig überquellende Müllbehälter beobachten. Auch unsere Redaktion erreichen immer wieder Mails und Anrufe von Lesern, die sich an den Müllbergen stören. Christoph Kintopp, Leiter der Abteilung Stadtgrün kennt das Problem natürlich und erklärt, dass die Leerung an die Frequentierung der jeweiligen Fläche angepasst wird: "Wir leeren nicht jeden Mülleimer täglich, sondern haben das abgestuft: Im Innenstadtgebiet wird nahezu täglich geleert, da fährt ein Mitarbeiter die Runde, um ausschließlich die Mülleimer zu leeren und die Grünflächen abzusammeln. Und alle weiteren Grünflächen, die nicht im unmittelbaren Kontext zur Innenstadt stehen, werden alle zwei Tage gereinigt. Speziell im Schlossgarten leert eine Person von früh ab bis spätestens Mittags und dann noch einmal die dortigen Mülleimer." Es sei nur eine der vielen Aufgaben, die bei dem Team der Abteilung Stadtgrün liegt und eine mehrfache Leerung pro Tag hier nicht möglich.

Appell an die Vernunft

"In der Schnittmenge sieht man schon, dass die Intervalle so weit funktionieren, dass man vormittags noch eine geräumte Grünfläche hat", sagt Kintopp. "Aber so ab 15 Uhr, wenn der erste Schwung an Freizeitsuchenden da war, kann es sein, dass um 17 Uhr schon die ersten Mülleimer voll oder mit einem Pizzakarton verlegt sind und der Müll deswegen neben dran gestellt wird." Es geht nicht ohne einen Appell an diejenigen, die die Abfallbehälter befüllen: "Wir können es alle schön haben, wenn ein bisschen vernünftiger mit seinen mitgebrachten Dingen umgegangen wird."

Infokampagne soll helfen

Darauf soll in Kürze auch eine Info-Kampagne hinweisen: DINA3-Hinweisschilder aus Aluminium-Dibond und Kleinere für die Mülleimer werben dafür, seinen Müll wieder mit nach Hause zu nehmen oder adäquat zu entsorgen. "Das soll dann weniger mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf eine lockere Art und Weise daran appellieren, das, was man befüllt hingetragen hat, auch geleert wieder mitnimmt oder ordentlich entsorgt."

Wilde Sperrmüll-Entsorgung

Doch nicht nur der Müll in den Abfallbehältern an den Grünanlagen und Freizeiteinrichtungen ist mehr geworden. Ein weiteres Problem ist wild abgestellter Sperrmüll: "Wir sehen in den letzten Jahren eine steigende Tendenz an wilden Ablagerungen bei den öffentlichen Wertstoffcontainerstandplätzen im Stadtgebiet. 2020 haben die Ablagerungen sogar noch einmal zugenommen," sagt Heike Atzenbeck. "Besonders ärgerlich ist dies, wenn Sachen abgelagert werden, für die es eigentlich kostenfreie Ablagerungsmöglichkeiten gibt," sagt Atzenbeck.

Obwohl es solche in den allermeisten Fällen gibt, stößt die Straßenreinigung oder die Sperrmüllgruppe mindestens einmal in der Woche auf solche widerrechtlichen Ablagerungen und muss Möbel oder größeren Elektroschrott - wie zum Beispiel Waschmaschinen - entsorgen. Durchschnittlich einmal im Monat stoßen die Zuständigen auf wirklich große Entsorgungen. Auch die Wertstoffcontainerplätze, an denen 90% der wilden Ablagerungen stattfinden, werden deshalb mittlerweile schon häufiger angefahren. Rund 200 Tonnen solcher Ablagerungen kamen im Jahr 2020 zusammen, 2019 waren es noch 160 Tonnen: "2020 war bisher ein Ausnahmejahr: Wir erwarten für 2021 einen leichten Mengenrückgang", sagt Atzenbeck.

Müll-Detektive sind in Erlangen nicht geplant

In anderen Städten sind mittlerweile bereits Mülldetektive im Einsatz, in Erlangen sei das allerdings nicht der Fall und bislang auch nicht wirklich im Gespräch gewesen, sagt Atzenbeck. "Natürlich geben auch wir unser Möglichstes: Der überwiegende Teil wird durch die Straßenreinigung sauber gemacht und wenn diese zum Beispiel Anschriften finden, versuchen wir schon, Bußgeldverfahren einzuleiten, aber eine gezielte Verfolgung gibt es nicht." Video-Überwachung ist nicht erlaubt und daher auch keine Möglichkeit, um diesen Trend einzuschränken – ob sie besonders erfolgsversprechend wäre, ist auch fraglich.

"Wir können da auch nur verlieren", sagt Atzenbeck. "Wenn wir es zu lange liegen lassen, wird der Haufen nur größer, räumen wir es sofort weg, sehen die Leute – ach, das funktioniert ja." Maßnahmen, die ergriffen werden, wenn die Vermüllung einzelner Standorte überhand nimmt sind aber zum Beispiel eine Verlegung oder Verkleinerung des Müllentsorgungsplatzes, zum Beispiel durch eine Umhausung: "Ich hoffe, dadurch, dass die Leute weniger Platz haben, um Sachen abzulagern, das Ganze abnimmt", sagt Atzenbeck. "Auflösen möchte ich eigentlich keinen Standort."

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