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Perry Rhodan made in Erlangen

Ruben Wickenhäuser schreibt historische und Science-Fiction-Romane - 17.02.2019 19:00 Uhr

Unsterblicher Held: Perry Rhodan kämpft seit 50 Jahren für intergalaktische Gerechtigkeit. © dpa


Auf dem kleinen Tisch im Erlanger Café Brazil stapeln sich die Bücher. Ruben Wickenhäuser ist zu Gast und er hat eine kleine Auswahl seines Schaffens mitgebracht. Seit Mitte der 90er Jahre ist er am Schreiben und in vielen Genres zu Hause: Historische Romane, Sachbücher, Perry-Rhodan-Taschenbücher, Bildbände . . . "Die Verlage hätten es schon lieber, wenn ich mich auf eines konzentrieren würde. Am besten auf historische Romane unter weiblichem Pseudonym!", lacht er. "Aber ich ziehe diese Vielfalt vor."

Ähnlich abwechslungsreich wie sein Werk ist auch das Leben von Wickenhäuser: Geboren wurde er 1973 in Berlin, aufgewachsen ist er in Erlangen. Zum Studium zog es ihn wieder in die Welt. "Die letzte Station waren sechs Jahre in einem kleinen Dorf in Mittelschweden. Genau so wie man es sich vorstellt: Rote Häuser, viel Natur und zum Glück noch ein kleiner Laden für den täglichen Bedarf."

Andere Mentalität

Vor ein paar Monaten ist er nun nach Erlangen zurückgekehrt: "Das ist schon eine ziemliche Umstellung, wieder in der Stadt zu sein. Und auch die Mentalität ist erstaunlicherweise anders: In Schweden sind Statussymbole noch viel unwichtiger. Und ob du promoviert hast, interessiert außerhalb eines akademischen Rahmens auch keinen."

Da wir aber in Deutschland sind: Dr. Ruben Wickenhäuser ist promovierter Historiker. Das passt, denn seine historischen Romane halten sich immer möglichst genau an die Quellen-Lage: "Mittelalterliche Tolkien-Klone mit Zwergen und Elfen sind nicht so mein Ding. Selbst mein Werwolf-Roman ,Die Seele des Wolfes‘ basiert auf einem echten Kriminalfall."

Mehr Freiheiten für die Fantasie bietet ihm die Science Fiction.Seit einiger Zeit gehört er zum Autoren-Team der Reihe "Perry Rhodan NEO": "Das ist eine großartige Abwechslung zu eigenen Büchern", erzählt er. "Da man hier von den Exposé-Redakteuren die Handlung vorgegeben bekommt, muss man sich keine Gedanken über den Plot machen, sondern kann sich ganz auf die Figuren konzentrieren. Außerdem ist es ein gutes Training, in einem Monat einen handwerklich guten Roman zu schreiben." Beide – den historischen und den Zukunftsroman – versteht er als Spiegel der Gegenwart: "Sie helfen uns, das Heute zu hinterfragen. Vieles, was wir aktuell für selbstverständlich halten – wie Gleichberechtigung der Frau oder Menschenrechte –, sind sehr junge Errungenschaften, auf die wir viel stolzer sein könnten."

Grausames Phänomen

„Die Verlage hätten es schon lieber, wenn ich mich auf eines konzentrieren würde“: Ruben Wickenhäuser mit zwei seiner Werke. © Foto: Peter Romir


Ab und zu beschäftigt sich Wickenhäuser aber auch ganz direkt mit der Gegenwart: Sein Sachbuch "Der Riss in der Tafel" von 2006 etwa versucht das grausame Phänomen der Schulmassaker sachlich und doch verständlich zu erfassen. "Da gab es damals viel Fehlinformation und leider auch eine Glorifizierung der Täter. Wenn solche Menschen auf dem Spiegel-Titel erscheinen, ist das doch ein Anreiz für Nachahmer."

Gewaltprävention ist ihm auch privat ein wichtiges Thema: Deshalb trainiert er Kids in der von einem Trashfilm inspirierten Teamsportart "Jugger". "Das ist eine Mischung aus Rugby und Fechten, die nur auf den ersten Blick martialisch aussieht. Es ist ein schnelles und faires Teamspiel." In Schweden musste er den extravaganten Sport neu einführen. "Hier in Erlangen gibt es dagegen mit dem Juggerclub bereits ein starkes Team. Für mich ist dieser Sport auch ein guter Ausgleich zu der Arbeit am Schreibtisch."

Aber natürlich hat er auch zum Thema Jugger das gemacht, was er sonst auch macht – gute Bücher darüber geschrieben.

  

PETER ROMIR

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