Plädoyer für Gewerbe in Erlangen

26.10.2017, 06:00 Uhr
Gegen das Gewerbegebiet G 6 in Tennenlohe sprach sich 2011 eine Mehrheit aus. Sechs Jahre später möchte man die Gewerbeflächenentwicklung mit neuem Konzept vorantreiben. Klaus-Dieter Schreiter

Gegen das Gewerbegebiet G 6 in Tennenlohe sprach sich 2011 eine Mehrheit aus. Sechs Jahre später möchte man die Gewerbeflächenentwicklung mit neuem Konzept vorantreiben. Klaus-Dieter Schreiter © Archivfoto:

Das Thema "Gewerbeflächenentwicklung" treibt Konrad Beugel, den Wirtschaftsreferenten der Stadt Erlangen, schon seit vielen Jahren um. Und er weiß, wie heikel es ist. Denn zum einen werden von Unternehmerseite — beispielsweise der Kreishandwerkerschaft — immer wieder Forderungen an ihn herangetragen, neue Gewerbegebiete beziehungsweise Gewerbeflächen zu entwickeln. Zum anderen regt sich dann, wenn solche Flächen tatsächlich entwickelt werden sollen, in der Regel heftiger Widerstand bei den Bürgern vor Ort.

Jetzt also möchte man von Seiten der Stadt einen neuen Anlauf machen, um das Thema voran zu bringen. Als Vorarbeit haben das Referat für Planen und Bauen und das Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung "Leitlinien zur Gewerbeentwicklung" vorgelegt. Nur noch 8,1 Hektar Gewerbefläche sind demnach in Erlangen "kurzfristig verfügbar", von den "grundsätzlich verfügbaren Flächen" befinden sich 1,2 Hektar in städtischem Eigentum. Die Leitlinien sollen die Grundlage für das Konzept sein, das man nun erstellen möchte. Dabei möchte man sich auch externe Unterstützung holen.

Doch zunächst einmal müssen die Stadträte mehrheitlich beschließen, dass sie das auch wollen. "Wir bitten um einen Auftrag von Ihnen, das Konzept zu erstellen", sagte Konrad Beugel im Fachausschuss. Man wolle, so machte er deutlich, damit "einen intensiven Dialogprozess beginnen", um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass hier Handlungsbedarf bestehe. "Wir wollen einen Prozess mit Ihnen und der Bürgerschaft hin zu Gewerbeflächen in Gang setzen."

Zunehmende Anfragen

Man wolle sehr "soft, sorgsam" mit der ganzen Thematik umgehen, versicherte Beugel, und eine Balance hinkriegen zwischen konkurrierenden Zielen, wie beispielsweise Wohnen und Gewerbe. Auf die Herausforderungen für die Wirtschaftsförderung war er bereits zuvor eingegangen und hatte berichtet, dass die Anfrage zum Kauf von Gewerbegrundstücken momentan deutlich zunehme — pro Woche gebe es eine bis zwei Anfragen von Firmen —, doch das Angebot sei zu gering. Vor allem für die ortsansässigen Firmen, die sich weiterentwickeln möchten, ist es in Beugels Augen "dringend nötig, dass wir ihnen was bieten können".

Den Ball nahm CSU-Stadtrat Jörg Volleth auf, dessen Fraktion zwei Anträge zum Thema Stadtentwicklung gestellt hat. In einem Antrag wird gefordert, die Weiterentwicklung der Innenstadt neu zu überdenken, im anderen, Gewerbe- und Wohnbauflächen zu entwickeln. Seine Fraktion unterstütze das Vorhaben, ein Konzept erstellen zu lassen, mit 100 Prozent, sagte er. Es gehe darum, eine positive Grundstimmung zu schaffen.

Für die Erstellung des Konzeptes sprach sich auch Oberbürgermeister Florian Janik aus. Man habe momentan gute Arbeitsplätze, "aber wir müssen jetzt die Voraussetzungen schaffen, dass wir das auch in zehn oder 15 Jahren noch haben".

FDP-Stadtrat Jürgen Zeus zeigte sich skeptisch, dass das Vorhaben etwas bringen werde und verwies auf das durch einen Bürgerentscheid zu Fall gebrachte Gewerbegebiet G 6 in Tennenlohe.

Die Menschen dort hätten sich dagegen gewehrt mit Argumenten wie "wir wollen mit unseren Kindern Drachen steigen lassen, wir wollen mit unserem Hund Gassi gehen, wir wollen im Westen die Sonne untergehen sehen", sagte er bitter. "Die Menschen sind Egoisten bis ins letzte", folgerte er.

Die Grüne Liste, die 2011 noch — ebenso wie Vertreter der SPD in Tennenlohe — gegen das G 6 angetreten war, hat inzwischen einen Sinneswandel durchgemacht und steht jetzt einer Gewerbeentwicklung in Erlangen grundsätzlich positiv gegenüber. Mit der Einschränkung allerdings, dass die Flächen der Stadt nicht dauerhaft entzogen werden dürften. Dies wolle man durch Erbbaurechte gesichert sehen, heißt es in einem Fraktionsantrag.

Gegen nur zwei Gegenstimmen befürworteten die Stadträte im UVPA mehrheitlich das Konzept zur Gewerbeflächenentwicklung. Die Skeptiker waren Gunter Moll (Freie Wähler) und Frank Höppel (ÖDP). Letzterer gab zu bedenken, dass ein Mehr an Gewerbeflächen zwar ein Mehr an Arbeitsplätzen bringe, doch dadurch habe man in der Folge auch mehr Pendlerverkehrs- und Wohnungsprobleme.

Im Hinblick auf das G 6 in Tennenlohe stellte SPD-Stadtrat Andreas Richter klar, dass sich seine Fraktion an das "Nein" der Bürger halten werde — auch nach Ablauf der Frist, während der das Bürgervotum verbindlich sei.

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