Bundesweite Aktion

Plakate prangern Tierversuche in Erlanger Uni an

3.8.2021, 06:00 Uhr
Tierversuche werden sehr häufig mit Mäusen oder Ratten gemacht. 

Tierversuche werden sehr häufig mit Mäusen oder Ratten gemacht.  © Uwe Anspach, dpa

Frau Vollertsen-Diewerge, mit der Plakataktion "Schluss mit Tierversuchen - auch in..." machen Ärzte gegen Tierversuche auf lokaler Ebene auf Tierversuche aufmerksam, wissen denn die Menschen in den einzelnen Städten zu wenig darüber, ob und welche Tierversuche bei ihnen vor Ort stattfinden?

Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, was in ihrer Stadt geschieht. Deshalb geben wir Städteflyer mit dem Titel "Tierversuche im Brennpunkt" heraus, die sowohl die Institute als auch die Straßen und die Art der Tierversuche beschreiben unter Angabe der Quelle www.datenbank-tierversuche.de Auf dem Erlanger Flyer von 2014 ist ein Schaf abgebildet, bei dem eine Vene und eine Arterie durchgeschnitten und zu einer Art Schlaufe geformt sind, in die eine mit Fibrin gefüllte Dose gelegt wird. Der Flyer von 2018 zeigt ein Schwein, dem neun Löcher von 1 cm Durchmesser und 1 cm Tiefe in den Schädelknochen. gebohrt wurden. Auch die Institute werden genannt.

Welche Art von Tierversuchen gibt es in Erlangen?

Dieses oder ähnliche Poster sind im August 2021 als Aktion von

Dieses oder ähnliche Poster sind im August 2021 als Aktion von "Ärzte gegen Tierversuche" in Erlangen zu sehen.   © e-arc-tmp-20210802_125137-1.jpg, NN

Ich möchte dazu aus der Antwort des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst vom 9. April 2018 zitieren, unterschrieben von der damaligen Staatsministerin Prof. Marion Kiechle. "Tierversuche an der FAU werden zum Zweck der biomedizinischen Forschung sowie zur Ausbildung oder für diagnostische Maßnahmen entsprechend einem der Zwecke nach § 7a des Tierschutzgesetzes durchgeführt."

Und wie sieht es mit dem Wissen darüber in der Bevölkerung aus, wissen die Menschen überhaupt vor Ort, was das Franz-Penzoldt-Zentrum ist?

Die Erlangerin Margrit Vollertsen-Diewerge setzt sich seit vielen Jahrzehnten für Tierrechte und gegen Tierversuche ein. 

Die Erlangerin Margrit Vollertsen-Diewerge setzt sich seit vielen Jahrzehnten für Tierrechte und gegen Tierversuche ein.  © Harald Sippel, NN

Meistens wird angenommen, dass das ansehnliche Gebäude in der Palmsanlage 5 der Pflege kranker Menschen dient. Doch die 2005 für 27 Millionen Euro erbaute Tierversuchsanlage beinhaltet auf 2300 Quadratmetern Tierställe und OP-Räume mit aufwendigster Technik. Genehmigt wurden die öffentlichen Gelder, um die über ganz Erlangen verstreuten und veralteten Tierhaltungen aufzunehmen. Doch hier habe ich eine Aufstellung, nach der mehr als 20 Einrichtungen ihre eigenen Tierlabore haben mit eigenen teuren Geräten, die dezentral gewartet werden müssen, ganz abgesehen von den Tieren und den Versuchen, die an so vielen verstreuten Stellen überprüft werden müssen, wie es vorgeschrieben ist. Die beauftragte, unabhängige und nur dem Präsidenten gegenüber verantwortliche Tierschutzbeauftragte ist meiner Meinung nach damit völlig überfordert.

Manche sagen auch, wir brauchen für die Forschung gerade in der Medizin Tierversuche, was entgegnen Sie diesen?

Bei unseren monatlichen Treffen im Lesecafé und durch Vorträge und Veranstaltungen versuchen wir, über die negativen Folgen von Tierversuchen aufzuklären. Eine Substanz kann schädlich oder unschädlich sein. Je nachdem welche Tierart man nimmt, ist die gleiche Substanz mal tödlich, mal harmlos. So bekommt man das Ergebnis, das man haben möchte. Das führt dann auf einen fatalen Irrweg. Sie erinnern sich vielleicht an einen Fall von 2004. Das von dem Pharma-Unternehmen TeGenero Würzburg hergestellte Medikament TGN1412, das für die Behandlung von Multipler Sklerose, rheumatischer Arthritis und Brustkrebs entwickelt und an verschiedenen Tierarten als harmlos getestet worden war, löste bei den sechs Probanden in England schwerste allergische Reaktionen aus. Tierversuche zeigen nur, ob es für diese Tierart schädlich oder unschädlich ist. Sie zeigen nicht verlässlich, wie der Mensch reagiert und täuscht eine falsche Sicherheit vor.

Wann startet die Plakataktion in Erlangen und wo sind die Bilder zu sehen?

Das erste Großplakat hängt noch bis 12. August am Herzogenauracher Danmm/Ecke Leipziger Straße. Vom 13. bis 23. August werden die Großplakate am Altstadtmarkt, Paul-Gossen-Straße, Güterhallenstraße und Bayreuther Straße 66 zu sehen sein.

Was erhoffen Sie sich von der Aktion?

Da diese Aktion in 11 Städten stattfindet, die große Universitäten haben, erhoffen wir uns überall gesteigerte Resonanz. Wir Menschen sind sensibler für Klima, Umwelt und Krankheiten geworden. Wir müssen umdenken, bevor es zu spät ist. Der Mitgründer von Ärzte ohne Tierversuche, Herbert Stiller, sagte 1979: „Die Zeit ist dann reif, wenn die Öffentlichkeit aufgeklärt ist.“

Welchen Impuls erhoffen Sie sich mit der Plakataktion für die Bundestagswahl?

Die Bundestagswahl kann zum Umdenken führen. Wir Wähler müssen uns nicht die Versprechungen anschauen, sondern sehen: Welche Partei hat die Abschaffung von Tierversuchen in ihrer Satzung? Es sind wenige, aber die muss man unterstützen. Es gibt für falsche Methoden keine Alternative, es gibt nur humanbasierte, tierleidfreie Methoden. Deshalb fordere ich seit Jahrzehnten für die FAU den „Lehrstuhl für tierversuchsfreie Forschung“. Dieser würde großen Zulauf haben. Genau wie die NAT Database, Non Animal Technologies, die es seit einem Jahr für Wissenschaftler, Behörden und die interessierte Öffentlichkeit gibt.

Was verbirgt sich dahinter?

Diese weltweit einzigartige zweisprachige Datenbank kann aufgerufen werden unter www.nat-database.de dann sucht man nach einem Begriff (etwa „Brustkrebs“) oder nach Forschungsgebiet (z.B. „Onkologie“), Art der Methode, Jahr und Land der Veröffentlichung. Die Einträge nehmen rasant zu, die Nachfrage in der Medizin und den Biowissenschaften steigt täglich. Die Zeit ist reif für den Paradigmenwechsel, wir fragen nicht mehr die Maus, wenn wir etwas über unsere Niere wissen wollen.

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