Platz in Erlangen fürs Abenteuer Kindheit

12.4.2017, 09:25 Uhr
Hütten, Palmen und ein „großer See“, der sich mit dem Ruderboot erkunden lässt: Auf dem Abenteuerspielplatz Taubenschlag in Büchenbach geben Kinder den Takt an. Nur manchmal greifen die Sozialpädagogen des Freizeitamtes, die den Platz betreuen, ein. Aber das sieht dann auch jedes Kind ein.

© Harald Sippel Hütten, Palmen und ein „großer See“, der sich mit dem Ruderboot erkunden lässt: Auf dem Abenteuerspielplatz Taubenschlag in Büchenbach geben Kinder den Takt an. Nur manchmal greifen die Sozialpädagogen des Freizeitamtes, die den Platz betreuen, ein. Aber das sieht dann auch jedes Kind ein.

Geburtstagsfeiern sind die Gelegenheit für alte Freunde, sich wieder einmal zu sehen. Dennis Martin, 38, hat als Kind neben dem Abenteuerspielplatz Taubenschlag gewohnt. Er ist in Windeln hier herumgerannt, hat sich später mit seinen Kumpels auf dem Platz getroffen, hat Hütten gebaut und sich – ach ja, auch das – schon mal mit dem Hammer auf den Finger geschlagen. "Wir waren immer da", sagt er heute. "Es waren tolle Erfahrungen." Genauso leuchtende Augen hat wenig später auch Sven Reisberger, 42, als er erzählt, dass er als Kind regelmäßig auf dem Platz war.

Geburtstagsfeiern sind eine gute Gelegenheit, Erinnerungen hervorzuholen. Hannes Hacker kramt in alten Zeitungsartikeln. Der Sozialpädagoge, der ganz von Anfang an beim Abenteuerspielplatz gearbeitet hat, wird fündig.

Er hält einen Artikel der Erlanger Nachrichten vom 4. Juni 1982 in der Hand. "Ein weißer Fleck verschwindet jetzt", ist er betitelt.

Um genau zu sein: Der "weiße Fleck" auf der Karte war damals eine grüne Wiese. Kein Baum, kein Strauch, einfach nur Wiese. Im Herbst 1981 fand hier eine Spielaktion statt, im nächsten Sommerhalbjahr ging der Spielplatz an den Start — als städtischer Freizeit-Treffpunkt "im kinderreichsten Viertel der Stadt", wie es hieß. Auf alten Fotos sieht man, dass nebenan gerade Mehrfamilienhäuser gebaut wurden. Ob es mit dem Spielplatz weitergehen würde, war noch unsicher. Erst ein Jahr später entschied der Stadtrat, dass ab 1. April 1984 dafür eine feste Stelle beim Freizeitamt geschaffen wird. Und damit dauerhaft der zweite städtische Abenteuerspielplatz — nach dem Platz in Bruck.

Der "weiße Fleck" war längst schon zu einem bunten Fleck geworden. Und das ist der "Abi", wie er kurz und bündig von den Kindern genannt wird, auch heute noch. Denn die städtischen Mitarbeiter — neben Hannes Hacker seit fast genauso vielen Jahren auch Anselm Bröse und neuerdings auch Sylvia Plötz — lassen den jungen Besucherinnen und Besuchern so viel Freiheit und Gestaltungsautonomie wie möglich.

Das Flair des Unfertigen, des Provisorischen umgibt den Platz also weiterhin — und das ist rundum positiv: Denn wer ihn betritt, bekommt sofort die wundervolle Gewissheit, dass sich hier tatsächlich Abenteuer erleben lassen. In einer Zeit, in der es kaum noch Freiräume — geschweige denn unerschlossenen städtischen Raum — gibt, ist ein derartiges Angebot wertvoller denn je.

Um den blauen und den roten Bauwagen aus der Anfangszeit herum haben Generationen von Kindern eine rege Bautätigkeit entfaltet. Sie haben zahlreiche Holzhütten gebaut — und wieder abgerissen. So wie Kinder dem "Abi" entwachsen sind, sind neue Kinder nachgekommen. Einzeln oder in kleinen Gruppen bauten und bauen sie ihre Rückzugsorte.

Doch wie lassen sich "35 Jahre Abenteuerspielplatz" in Zahlen ausdrücken? Die Mitarbeiter haben es versucht. "370 000 Besucherinnen und Besucher — natürlich nicht lauter verschiedene", "mindestens 72 Lkw-Ladungen verarbeitete Bretter und Balken sowie 4,5 Tonnen Nägel und Schrauben".

Oder auch: "670 Kubikmeter Erde mit Schaufel und Spaten bewegt". Und: In diesem Zeitraum "wurden in der Küche wahrscheinlich 36 Doppelzentner Mehl verarbeitet — vor allem für Steckerlbrot, Waffeln und Pizza".

 

 

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