Teuerster "Berg" aller Zeiten

Preisschock: Deshalb ist 2022 das Bier auf der Bergkirchweih Erlangen so teuer

Eva Kettler

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12.5.2022, 15:00 Uhr
Der Berg beginnt stets am Donnerstag vor Pfingsten. Dann wird das erste Fass Bier abgestochen und die ersten Krüge an die wartende Menge verteilt.

© Harald Sippel Der Berg beginnt stets am Donnerstag vor Pfingsten. Dann wird das erste Fass Bier abgestochen und die ersten Krüge an die wartende Menge verteilt.

Fast drei Jahre ist sie her, die letzte Bergkirchweih in Erlangen. 9,50 Euro kostete damals die Maß Bier. Jetzt müssen die Besucher deutlich tiefer in die Tasche greifen. Am Erich-Keller zahlen sie 11,50 Euro - hier gibt es das Bergbier von Tucher Bräu -, ebenso am Steinbach-Keller (mit eigenem Bergbier der Steinbach Bräu).

Einer der Auslöser für die Preiserhöhung sind die Teilnehmerverträge. Wie die aussehen, wurde den Kellerbetreibern allerdings bereits mündlich mitgeteilt. Und das hat nicht die reine Freude ausgelöst. Denn die Stadt erhöht die Gebühren um 25 Prozent.

"Teuerster Berg, den wir je hatten"

Begründet wird das damit, dass auch die Stadt selbst einen Preisanstieg in vielen mit der Kirchweih zusammenhängenden Bereichen stemmen muss. "Das wird für die Stadt der teuerste Berg, den wir je hatten", sagt gar Konrad Beugel, städtischer Referent für Wirtschaft und Finanzen, der gern mal als "Bergreferent" tituliert wird.

Doch kam die Erhöhung für die Festwirte trotzdem aus dem Nichts? "Wir hatten eher gedacht, dass die Gebühr zumindest gleich bleibt", sagt Steinbach Bräu-Chef Christoph Gewalt. "Zumal nach der zweijährigen Pause 80 bis 100 Prozent der Holz-Bestuhlung ausgetauscht werden musste. Dabei war nicht ganz klar, wer dafür zuständig ist. Da es aber gemacht werden musste und dringend Holz bestellt werden musste, haben das im November die Festwirte zusammen übernommen - und natürlich auch bereits bezahlt.“

Die Herstellungskosten seien bereits seit längerer Zeit am Ansteigen, berichtet Gewalt. "2020 wären wir bereits bei 10,50 Euro gewesen. Aber jetzt hat sich noch mal alles brutal verschärft. Rohstoffe, Energie, Personal."

Alles teurer geworden

Von der Stadt ist zu dem Thema zu vernehmen, dass die Teilnahmeentgelte sich aus Kosten der jeweils vorherigen Kirchweihen errechnen. Und 2019, bei der letzten Kirchweih, hätten sich die Preise bereits verteuert. Von Strom über Wasser bis hin zu Leistungen, die zugekauft werden müssen - Absperrgitter, Abfallentsorgung, WC-Anlagen, aber auch Security-Personal - sei alles teurer geworden, auch Werbungskosten bzw. Öffentlichkeitsarbeit.

"Bei den Teilnahmeentgelten geht es nicht um eine Miete", stellt Referent Beugel klar. "Da ist eine knallharte Kostenposition dahinter." Man sei in engem, kooperativem Austausch mit den Wirten, heißt es zudem aus der Verwaltung. Und man sei sich darüber bewusst, dass die Coronakrise in der Gastronomie zu Verwerfungen beim Personal geführt habe und es sich, kurz gesagt, um "ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld" handele.

Die Stadt kommt den Wirten anderweitig entgegen. Denn sie könnten die um 25 Prozent erhöhte Teilnahmegebühr in zwei Raten zahlen. Im Übrigen: Berechnet wird die Teilnahmegebühr nach der Quadratmeterzahl der Keller. Für Vincenz Schiller, den Betreiber des Entlas-Kellers, steht fest: "Die 25 Prozent können wir nicht annähernd umschlagen". Und er glaubt: "Andere Kommunen kommen den Festwirten entgegen." Da widerspricht allerdings Konrad Beugel. Der Fürther Kollege gehe davon aus, dass bei der Michaelis-Kirchweih alles normal abgerechnet wird.

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