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Profis aus aller Welt: So international ist das ATP-Challenger

Südafrika, Australien oder Israel: Das vermissen die Spieler an ihrer Heimat - 02.11.2019 14:00 Uhr

In seiner Heimat ist der Strand nie weit weg: Lloyd Harris lebt in Kapstadt. Mit dem Auto fährt er von zu Hause nur fünf Minuten zum Meer.


Lloyd Harris seufzt, wenn er an seine Heimatstadt denkt. Kapstadt, sagt er, ist wunderschön. "Ich verbringe dort viel Zeit mit Freunden und Familie. Bei uns ist immer viel los am Strand, und es ist unglaublich, wie gut das Essen in Südafrika ist." Gemeinsam treffen sie sich auch zu einem "Braai", einer landestypischen Grillparty. Manchmal, wenn er wieder lange unterwegs ist, wünscht er sich einfach einen Braai. Für die Seele.


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Natürlich könnte man überall grillen, auch am Parkplatz des House of Sports im Eckentaler Ortsteil Brand. Dort findet gerade das 23. ATP-Challengerturnier statt. Lloyd Harris, Nummer 103 der Weltrangliste, ist dabei. "Hier wäre es nicht das Gleiche", meint der 22-Jährige zur BBQ-Idee. "Daheim grillen wir nicht mit Gas oder Kohle, sondern mit speziellem Holz. Auch das Fleisch in Südafrika ist anders." Grillen in Deutschland "schmeckt anders, doch es erinnert mich an daheim".

Lloyd Harris


Auch das Meer seiner Heimatstadt vermisst er. "Es ist spektakulär. Auf der einen Seite haben wir eiskaltes Wasser, auf der anderen Seite ist der warme Indische Ozean. Wir haben den Strand und die Berge direkt in der Nähe." Wenn Harris in seinem Tennis-Club trainiert, hat er eine perfekte Aussicht aufs Meer, in der Mittagspause geht er zu Fuß zum Strand. Viel Zeit kann der Südafrikaner allerdings nicht in Kapstadt verbringen, während der Saison verreist er oft mehrere Wochen am Stück. Das gehört auf der ATP-Tour zum Profi-Geschäft für alle dazu.

Am weitesten weg von Zuhause ist John-Patrick Smith. Die Anfahrt nach Eckental aber war vergleichsweise kurz. Für den Australier, in der Weltrangliste auf Rang 304, stehen gerade die Deutschland-Wochen an. "Zuvor war ich in Hamburg", sagt der 30-Jährige, der fast das ganze Jahr über um die Welt reist. Mit dem Jetleg hatte er jetzt also kein Problem. Nur wenn er mit seiner Familie telefonieren möchte, wird es angesichts des Zeitunterschieds von neun Stunden kompliziert.

John-Patrick Smith


"Ich versuche, sie jeden zweiten Tag anzurufen. Es klappt schon." Auch für den Körper sei die Zeitumstellung schwierig. "Manchmal bin ich jede Woche in einer anderen Zeitzone", sagt Smith. Einen Tipp gegen den Jetlag hat er nicht. "Ich gehe das so entspannt wie möglich an." Doch er sagt auch: "Immer von zu Hause weg zu sein, ist sehr hart. Aber es ist Teil des Berufs."

In Australien wohnt er in Townsville im Bundesstaat Queensland. Auch er lebt an der Küste. "Ich vermisse die Familie, Freunde, das Essen, das Wetter und den Lebensstil." Australier sind bekannt für ihre entspannte Art. In Eckental allerdings geht es Smith ein wenig zu entspannt zu. "Es ist eine neue Erfahrung für mich, es ist gut." Turniere aber mag Smith lieber in großen Städten wie New York, Paris oder London.

Cem Ilkel


Für Cem Ilkel ist es ebenfalls das erste Mal im House of Sports. Die Nummer 274 der Welt ist auch auf Deutschland-Tour. "Vorher war ich in Hamburg und Ismaning." Seine Heimat ist dabei gar nicht so weit weg, Ilkel wohnt in Istanbul. "Es ist eine verrückte Stadt, voller Leute, für manche ist es vielleicht zu verrückt. Doch ich bin dort geboren, ich bin daran gewöhnt."

Alles dort vermisst er. "Meine Familie, mein Haus, meine Hunde." Der 24-Jährige lebt in einer typisch türkischen Großfamilie. "Alle wohnen in der Nachbarschaft", sagt Ilkel. Bruder, Schwester, Mama und Papa unter einem Dach, direkt daneben die Tante, daneben ein Cousin. "Es macht Spaß. Türkische Familien halten immer zusammen." Der Tennis-Profi ist rund 25 Wochen im Jahr nicht daheim. "Wenn man unterwegs ist, dann ist man hingegen immer alleine."

Emil Ruusuvuori


Emil Ruusuvuori mag Sonne und Sommer. Das gibt es natürlich auch bei ihm daheim in Helsinki. Jetzt aber erst einmal nicht mehr. "Der Winter in Finnland ist hart. Vor zwei Tagen hat es schon geschneit", sagt der 20-Jährige. Das vermisst er nicht unbedingt . "Es ist schöner im Sommer." Vielmehr denkt auch er an Familie und Freunde aus der Heimat. Und an salzige Lakritze. "Die meisten hassen das. Eigentlich alle, die nicht aus Finnland kommen. Ich mag es."

Finnen sind zudem bekannt für ihre Liebe zum Saunieren. Regelmäßige Saunabesuche sind für sie eigentlich ein Muss - für den Tennisspieler allerdings nicht. Auch im House of Sports hat er die Sauna nicht gleich ausprobiert. Fast das halbe Jahr ist Ruusuvuori unterwegs. In der Weltrangliste belegt er Position 148. Die Saison ist fast vorbei. Für den Finnen geht es nach dem Turnier Eckental daher erst einmal in den Urlaub. Irgendwohin, wo es warm ist.

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Die Sonne vermisst Jonathan Erlich aktuell am meisten. Und seine Kinder, acht und elf Jahre alt. "Nicht mit ihnen in Tel Aviv am Strand zu sein, ist hart", sagt der 42-Jährige. "Jetzt ist die beste Jahreszeit dafür." Erlich ist gebürtiger Argentinier und spricht auch Spanisch. "Meine Eltern sind nach Israel gezogen, als ich sehr klein war." Seine Frau kommt aus Jerusalem, nun lebt die Familie gemeinsam in Tel Aviv.

Jonathan Erlich


"Das ist eine tolle Stadt, wir wohnen direkt am Strand. Das Nachtleben ist laut, verrückt und hektisch." Erlich selbst geht nicht mehr oft in Clubs, "ich bin alt und habe Familie", sagt er und lacht. In Eckental ist der Israeli im Doppel angetreten, als 91. der Weltrangliste. "Nichts Wildes" will er machen, wenn er auf der ATP-Tour ist. "Doch früher war es noch anders."

Seit zwei Wochen hat Erlich seine Familie nicht mehr gesehen. "Im Sommer kommen sie oft mit, wenn ich reise." Sind sie nicht dabei, ruft er sie regelmäßig an, "manchmal siebenmal am Tag, 25-mal rufen sie mich zurück. Die Welt ist durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten kleiner geworden. Manchmal fühle ich mich dadurch fast wie daheim." Nur die Sonne fehlt.

Ergebnisse und Spielpläne finden Sie online.

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