10°

Freitag, 26.04.2019

|

Psycho-Steinbruch mit viel Stress

Premiere des Jugendtheaterstücks „Titus“ in der „Garage“ - 11.10.2011

Gestisches, mimisches und szenisches Durchforsten einer Jugend: Robert Naumann in „Titus“. © Jochen Quast


„Titten im Schwimmbad“ zu betrachten, ist für einen pubertierenden Jungen kein ungewöhnlicher Zeitvertreib. Auch dass die Gefühl- und Wahrnehmungswelten Achterbahn fahren, ist für einen 14-Jährigen nichts wirklich Überraschendes. Der Umstand, dass einen der eigene Metzgers-Vater nach einem Schwein benannt hat und der regelmäßige Gang zum Psychologen Realität ist, haut doch schon eher ins Kontor. Aber keine Bange, die suizidale Anwandlung des Knaben Titus, der ob seiner persönlichen Tragik auf dem Dach seiner Schule steht und vielleicht springen will, ist – um im Bild zu bleiben – bloß das Sprungbrett für eine monologische Rekapitulierung seiner noch überschaubaren Vita.

„Titus“ Robert Naumann muss über ordentlich Gleichgewichtssinn verfügen, denn Regisseur Jérôme Junod lässt ihn permanent auf einer Schräge balancieren, in die als Haltepunkte lediglich Bett, Stühle und eine Kachelwand eingearbeitet sind. Die räumliche Welt des Jungen Titus ist eng, die gedanklich-emotionale dagegen eine immense Spielwiese, ein Psycho-Steinbruch voller schroffer Ecken und abgebrochener Kanten. Der überforderte Vater lässt seinen Sohn ziemlich im Regen stehen, Stress gibt es zusätzlich in der Schule, mit Mitschülern, mit der Mutter der Freundin – in die Ecke gedrängt, kann ein verunsicherter junger Mensch da schon mal die verzweifelte Melancholie kriegen.

Und genau dies führt Robert Naumann so bewundernswert, auf seiner Schräge herumturnend, vor: Situationen szenisch heraufbeschwörend, schreit und flüstert er sich durch Highlights und Niederlagen, als gäb’s kein Morgen. Gerade in stimmungsvollen Details erweist sich die Qualität des Textes und der Inszenierung: Wenn das Berichten in Körperlichkeit übersetzt wird, entstehen ansehnlich-sinnliche Momente. Extrovertiertheit trifft auf Subtilität, der Suizid findet nicht statt.

Weitere Vorstellungen (empfohlen ab 12): Heute und am Donnerstag, jeweils ab 10 Uhr (Karten unter Tel. 09131/862511).

  

mko

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Erlangen