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Schlag für Erlanger Altstadt: Greiner Haushaltswaren schließt

Der Geschäftsführer nennt gesundheitliche Probleme - 30.05.2020 13:15 Uhr

Macht im Spätsommer dicht: Haushaltswaren Greiner in der Erlanger Altstadt. © Ilona Hörath


Geschäftsführer Kurt Greiner nennt in einer Pressemitteilung unter anderem gesundheitliche Probleme als Grund. Er schreibt darin weiter: „Ich habe nicht mehr die nötige Energie, um das Unternehmen in dieser anspruchsvollen Zeit an die vielen wichtigen Veränderungen anzupassen.“

Das Ladengeschäft mitten in der Altstadt wurde 1794 gegründet, übernommen hat es die Familie Greiner 1909. Auf rund 2000 Quadratmetern stehen rund 40.000 Artikel aus den Bereichen Haushaltswaren und Heim- und Handwerkerbedarf zur Auswahl.

Auf den sich wandelnden Einzelhandel hat das Unternehmen frühzeitig reagiert: Zum Fachgeschäft kam 2007 ein Online-Shop mit eigenem Versandlager dazu. Beliefert werden von dort aus Kunden in ganz Deutschland. Doch auch wenn es noch Kunden am Standort gibt, "die uns als gesamte Firma schätzen", so seien diese immer weniger geworden. Die Online-Aktivitäten hätten diesen Rückgang nicht ausgleichen können, so Greiner weiter.

Zusätzlich hätten sich, so Greiner, die Probleme des Standortes Altstadt im Laufe der Jahre verschärft. Die Kunden wenden sich von der nördlichen Innenstadt ab und orientieren sich stärker in Richtung Erlanger Süden. Außerdem leiden die Geschäftsleute und damit auch die Firma Kurt Greiner GmbH unter der Verkehrssituation. Greiner nennt in diesem Zusammenhang unter anderen die Bahn-Bauarbeiten, die sich jahrelang hinzogen oder die Teilsperrung der Neuen Straße, "mit der man zurecht kommen musste und muss".

Corona-Beschränkungen waren das i-Tüpfelchen

"Es ist halt so, dass eine nicht mindere Zahl unserer Kunden - allen voran auch unsere Großhandelskunden - mit dem Auto und nicht mit dem ÖPNV kommen. Der Kunde aber fährt nachvollziehbarer Weise dorthin, wo er sein Ziel möglichst schnell und bequem erreichen kann und das war/ist einfach nicht mehr zu uns." Die coronabedingten Einschränkungen der Behörden seien "einfach nur noch das Tüpfelchen auf dem I für meine Entscheidung".

Voraussichtlich im Spätsommer diesen Jahres werde die Firma ihre Türen schließen. Wieviele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, ist derzeit noch nicht bekannt.

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Kritische Worte richtet Kurt Greiner auch an die Kommunalpolitik. Wörtlich heißt es in der Pressemitteilung: "Der Tenor im Stadtrat ist ja auch immer ,Wir müssen was für unsere Altstadt tun!‘, aber in der Endkonsequenz wurde leider oftmals nur halbherzig etwas getan oder es blieb beim ehrenvollen Vorsatz."

Schon seit geraumer Zeit blutet die Altstadt aus. In der Vergangenheit mussten mehrere Traditionsgeschäfte wie das Wäschegeschäft Büchner oder Pfeiffer Leder & Mode dicht machen.Der Müller Markt in der Hauptstraße, ein wichtiger Kundenmagnet, kehrte der Altstadt den Rücken und eröffnete stattdessen eine Filiale in Spardorf. Mit der Schließung der Kurt Greiner GmbH verliert die nördliche Innenstadt nun den letzten großen angestammten Facheinzelhändler.

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