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Schüler zeichnen gegen das Vergessen

Realschule am Europakanal reagiert mit einer Kunstaktion auf Hakenkreuze - 30.06.2016 19:12 Uhr

Aktion gegen Rassismus: Großformatige Porträts von Kindern, die in Konzentrationslagern ermordet wurden, tragen Schüler über den Pausenhof. © Foto: Harald Sippel


Im Eingangsfoyer ist auf drei Säulen die Schulcharta – eine freiwillige Selbstverpflichtung – zu lesen. In wenigen Sätzen werden die Lehrer, Eltern und Schüler in die Pflicht genommen. „Wir Lehrer leben und fördern ein achtsames und respektvolles Miteinander“, steht da. Und: „Wir Schüler übernehmen Verantwortung für unser Handeln, sorgen für ein friedliches und freundliches Miteinander.“

Erst vor kurzem hat eine Gruppe von Schülern und Lehrern diese Säulen neu renoviert, die Farbe leuchtet noch frisch. Und dann tauchte am Sockel ein Hakenkreuz auf. Andere Hakenkreuze wurden außerhalb des Schulgeländes an einer Mauer entdeckt. Für Brigitte Funk-Rütten war sofort klar, dass darauf reagiert werden muss. Vor über zehn Jahren hatte die Deutschlehrerin sich dafür engagiert, dass die Realschule am Europakanal ein Bekenntnis gegen Rassismus ablegt, 2006 wurde die Einrichtung Erlangens erste „Schule ohne Rassismus“.

Jetzt erinnerte sich Funk-Rütten an eine Ausstellung, die sie 2013 in Wien gesehen hatte. „Zeichnen gegen das Vergessen“ hieß sie und zeigte Kohlezeichnungen von Kindern und Jugendlichen, die zu Opfern der Nationalsozialisten wurden. Um diese Portärts zu malen, sammelte der österreichische Maler und Fotograf Manfred Bockelmann „erkennungsdienstliche Fotografien“ der Gestapo und der SS, angefertigt nach der Verhaftung oder im Konzentrationslager. „Diese Kinder sollten vollständig ausgelöscht werden, auch aus der Erinnerung“, sagte er dazu. Mit seinen Bildern wolle er ihren Gesichtern Gegenwart und Dauer geben.

Nach diesen Vorlagen zeichneten die Erlanger Schüler, Lehrerin Doris Griffaton schob in den Werkunterricht einer achten Klasse kurzerhand eine Sequenz Porträtzeichnen ein. So hängen nun Porträts der im KZ ermordeten Kinder in einer Ausstellung in der Schule. Um besonders darauf aufmerksam zu machen, trugen sechs Schüler und die beiden Lehrerinnen einige der Porträts in der Pause über den Schulhof.

Die Schüler hatten sich dafür freiwillig gemeldet. Die Aktion durchzuführen, kostete sie auch Mut. Sein Uropa sei wegen seiner politischen Überzeugung im KZ Auschwitz gewesen, erzählt nebenbei einer der Jugendlichen. Ist die Vergangenheit also doch nicht so weit weg? Es sei wichtig zu vermitteln, „dass wir als Deutsche eine besondere Verantwortung haben und einen Rechtsruck nicht zulassen dürfen“, sagt Schulleiter Markus Bölling. „Deshalb werden wir weiterhin gegen das Vergessen ankämpfen.“  

ek

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