Freitag, 28.02.2020

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Skeleton-Talent holt Bronze bei Olympischen Jugend-Spielen

Elisabeth Schrödl ist in Bubenreuth geboren, jetzt ist sie eine erfolgreiche Wintersportlerin - 30.01.2020 11:00 Uhr

Mutig auf der Eisbahn: Elisabeth Schrödl, die alle nur "Sissi" rufen, zeigte bei den Olympischen Jugend-Spielen in St. Moritz starke Leistungen.


Schon daheim auf dem Sofa bekomme ich Angst. Die Sportler stürzen sich auf ihren schmalen Schlitten und nur mit einem Helm geschützt eine Eisbahn hinunter. Kopf voraus. Selbst im überladenen Fernsehprogramm stumpfe ich bei Skeleton nicht ab. Stattdessen frage ich mich immer wieder, wie mutig oder verrückt man sein muss, um das zu machen.

"Das ist das Geile an diesem Sport"

Ich stelle es mir vor wie eine Sucht, ein Adrenalin-Junkie kann vielleicht die Angst ausblenden. Elisabeth Schrödl kann das auch. Und das mit 18 Jahren. Bis zu 134,5 Kilometer pro Stunde ist die Skeleton-Fahrerin diesmal schnell. Eine Minute lang saust sie durch die Eisbahn. In St. Moritz dauert das besonders lange, die Kurven sind sehr anspruchsvoll. "Man gewöhnt sich daran", sagt Schrödl. "Wir brauchen die hohen Geschwindigkeiten auch, um die Kurven richtig fahren zu können." Das Tempo mache Skeleton aus. "Das ist gerade das Geile an diesem Sport: viel Speed und viel Druck." Irgendwann liebt man den Kick.

Die Olympischen Jugend-Spiele waren bislang das Größte in ihrem Sportler-Leben. "Wir waren davor in München und sind extra eingekleidet worden. Es war viel mehr Trubel als bei anderen Wettbewerben." Dass Schrödl in St. Moritz auch noch Bronze holte, übertraf alle vorherigen Erfolge.

"Wir haben im Februar schon einmal auf der Bahn trainiert", sagt die Skeleton-Fahrerin. "In der Schweiz ist es anders, dort gibt es eine Natureisbahn. In Deutschland sind es Kunstbahnen." Für die Sportler ist das eine Umstellung, obwohl sie sich genau ansehen, wie sie die Kurven fahren müssen. "Allgemein ist es aber viel angenehmer als Kunsteis."

Im Proberennen hatte Schrödl gewonnen. "Die Erwartungen waren entsprechend hoch. In der Woche vor den olympischen Rennen ist die Erwartung aber gesunken, weil die Trainingsläufe chaotisch waren." Die Bahn war wieder ganz anders als im Vorjahr. "Man versucht trotzdem, nicht negativ zu denken. Am Ende hat es auch geklappt." Schrödl holte Bronze, 0,45 Sekunden Rückstand hatte sie auf die Siegerin Anastasiia Tsyganova aus Russland.

Bei der Siegerehrung: Elisabeth Schrödl holte Bronze. © Foto: Sandro Halank


"Mein erster Lauf war gut", sagt Schrödl, im zweiten Durchgang musste sie Platz drei nur noch halten. "Ich war mir zuerst unsicher. Auf der Anzeigetafel habe ich gesehen, dass es gereicht hat. Ich war voller Adrenalin." Überall jubelten Menschen, viel mehr Zuschauer als bei normalen Rennen. Die Medaillen gab es bei der Siegerehrung am nächsten Tag.

Elisabeth Schrödl ist in Bubenreuth aufgewachsen und später nach Baiersdorf gezogen. Die erste Klasse besuchte sie noch im Landkreis, dann zog die Familie nach Berchtesgaden. Ihre Großeltern und andere Verwandte wohnen noch in Bubenreuth. "Viele Freunde sind in Erlangen. Deshalb sind wir oft dort." Wegen des Sports aber verließ ihre Familie die Heimat nicht. Elisabeth Schrödl kannte Skeleton noch gar nicht, ehe sie in die Alpen zog.

Nach ihrer ersten Fahrt hat Schrödl viel geweint

"Hier gibt es viele Skifahrer. Den Sport habe ich mal im Fernsehen entdeckt. Ich fand Skeleton richtig cool", sagt Schrödl. Als Zehnjährige ging sie erstmals zu einem Probetraining. Allerdings im Sommer, weshalb es nur Athletik in der Halle war. Dann kam der erste Winter. "Die erste Fahrt war schrecklich", erinnert sich Schrödl. "Ich hatte Angst. Bei uns an der Bahn in Königssee fängt man normal bei der niedrigsten Stufe an. Ich bin eine höher gestartet."

Die Position auf dem Schlitten stimmte nicht. "Meine Arme waren zu weit draußen, ich hatte danach geschwollene und geprellte Ellbogen." Nach ihrer ersten Fahrt hat Schrödl viel geweint. "Ich wollte nicht mehr." Irgendwann traute sie sich von der tieferen Starthöhe, zudem trug sie Armschoner. "Die anderen hatten das zwar nicht, doch ich war mir dadurch sicherer."

Leistungssport und Abitur

Die Belohnung: die Bronzemedaille von den Olympischen Jugend-Winterspielen. © Elisabeth Schrödl


Zuerst war es nur Freizeit, "dann hat es sich zu Leistungssport entwickelt". Auf nationalen Lehrgängen lernte Schrödl andere Bahnen kennen, zum Beispiel in Winterberg. "Das hat mir gut gefallen. Es hat Spaß gemacht, meine Leistungen wurden besser." Selbst das Athletiktraining mag die gebürtige Bubenreutherin: "Es ist gut, um fit zu bleiben."

Die Deutschen Junioren-Meisterschaften waren bislang die Höhepunkte der Saison. Dazu kommen Lehrgänge, bei denen sich die Sportler für den Nationalkader empfehlen. Schrödl fuhr in dieser Saison auch Europacup-Rennen mit den Erwachsenen. Das ist zwei Klassen unter dem Weltcup. Als Mitglied des deutschen Nachwuchs-Kaders hat sich Schrödl zudem für die Olympischen Jugend-Spiele qualifiziert.

Für die Rennen ist sie viel unterwegs. Hinzu kommt das Training. Neben der Schule, Schrödl macht in diesem Jahr ihr Abitur, ist das nicht einfach. "Bei uns gibt es aber viel Förderungen, mein Gymnasium ist eine Sportschule." Manche wohnen im Internat, Schrödl lebt zu Hause bei ihren Eltern, etwa eine Viertelstunde mit dem Auto entfernt. "Wir schauen bei uns von Jahr zu Jahr, es gibt viele gute Fahrer." Am Wochenende stehen die Deutschen Junioren-Meisterschaften an. Da wird es wieder richtig schnell.

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