So intensiv wie technisch perfekt

5.3.2020, 19:03 Uhr

Heinrich Heines berühmter Vers "Auf den Flügeln des Gesanges" ließe sich auch als verschlüsseltes, poetisches Motto auf das Klavierspiel der berühmten japanischen Pianistin Mitsuko Uchida anwenden, wenn man die Musikalität dieser Künstlerin auf ihrem Steinway-Flügel, der sie auf allen Tourneen begleitet, bewundert.

Ihre intensiven Beziehungen zum Instrument sind ein Indiz dafür, dass technische Perfektion auch zum Bestandteil ihrer künstlerischen Existenz gehört. Die Ausnahme-Pianistin Uchida weihte im GVE-Konzert in der Heinrich-Lades-Halle zudem einen neuen Steinway-Flügel mit zwei Werken der Musikgiganten Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven ein, die sie in unnachahmlicher Weise zelebrierte.

Bekannte Sonate

Zu Beginn Mozarts bekannte Sonate Nr. 15 in F-Dur aus seiner Wiener Zeit und danach ein Höhepunkt der Klavierliteratur überhaupt: Beethovens "Diabelli-Variationen". Die atypisch mit zwei Köchel-Verzeichnis- Nummern ausgestattete Sonate erklärt, warum der finanziell klamme Mozart 1788 einen Vorschuss seines Verlegers Hoffmeister mit einer Komposition abarbeiten konnte. Er lieferte sie, indem er ein bereits existierendes Rondo mit zwei zusätzlichen Sätzen zu einer Sonate erweiterte.

Die höchst unterschiedliche Struktur dieses Werkes, in dem sich Anklänge an Bachs Präludien im ersten Allegro-Satz finden, gestaltete Mitsuko Uchida mit profunder Musikalität und technischer Brillanz. Den feierlichen Charakter des B-Dur Andante und das folgende schwerelose Rondo spielte diese Virtuosin voller Eleganz, zumal sie auch die unterschiedlichen Gefühlslagen in diesem Werk sehr subtil gestaltete.

Von den rund 25 Variationszyklen Beethovens zählen seine 33 Variationen, die sich mit einem Walzer des Komponisten und Verlegers Anton Diabelli auseinandersetzen, zu den bedeutendsten Werken dieser Gattung. Uchida, die sich seit vielen Jahren gerade mit diesem Zyklus beschäftigt, präsentierte eine sehr engagierte, kraftvolle, zuweilen ungestüme, aber auch gefühlvolle Auseinandersetzung mit den höchst unterschiedlich strukturierten Einzelsätzen, wie z.B. im wunderschönen "Grave" und in den ekstatischen Allegro-Vivace-Passagen. Durch ihre Interpretation bekam dieser Variationen-Kosmos eine neue Dimension, der sich von vielen anderen in ihrer Intention unterscheidet.

Sehr temperamentvoll

Der hervorragend disponierten Künstlerin mit ihren technisch-musikalischen Fähigkeiten gelang es, das höchst artifizielle kompositorische Spektrum dieser variantenreichen Sätze engagiert, präzise und sehr temperamentvoll zu vermitteln. Das begeisterte Publikum bejubelte diese schlüssige Interpretation der beiden Klassiker Mozart und Beethoven.