Soldatenvereine gegen Umbennung des Erlanger Langemarckplatzes

11.5.2021, 12:30 Uhr
Insgesamt zwei Gedenksteine erinnern auf dem Langemarckplatz an die blutige Schlacht im Ersten Weltkrieg.

Insgesamt zwei Gedenksteine erinnern auf dem Langemarckplatz an die blutige Schlacht im Ersten Weltkrieg. © Stefan Mößler-Rademacher

In einem Schreiben an unsere Zeitung heißt es: "Nach mehr als 100 Jahren ist die Erinnerung in der Bevölkerung über diese tragischen Geschehnisse verblasst. Wir sollten daher nicht zeitgeistgetriebenen Bilderstürmern und ,Vergangenheitsleugnern‘ Beihilfe zum Vergessen leisten."

Benannt ist der Langemarckplatz nach einer der blutigsten Schlachten im Ersten Weltkrieg. Im November 1914 – also gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs – tobte in der Nähe der belgischen Stadt Langemarck eine fürchterliche Schlacht. Dabei starben allein auf deutscher Seite zirka 2000 Soldaten; mehr als 10 000 wurden verwundet.

"Heroische Tat" verklärt

Um die Fehler der deutschen Generalität zu vertuschen, wurde der sinnlose Tod vieler deutscher Soldaten zum Mythos und im Nationalsozialismus sogar zur heroischen Tat verklärt. Die Nazis waren es auch, die 1937 den Puchtaplatz – benannt nach dem Juristen Georg Friedrich Puchta – in Langemarckplatz umbenannten.

Wie jüngst berichtet, hatte die Klimaliste Erlangen vorgeschlagen, den Langemarckplatz in "Platz der Klimagerechtigkeit" zu benennen. Über die problematischen Geschichtsereignisse sollten Infotafeln aufklären, aber sie nicht mit einem Straßennamen ehren, hieß es weiter.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Bestrebungen gegeben, den geschichtsbelasteten Platz vor der Universitätsmensa einen anderen Namen zu geben. Neben "Platz der Weißen Rose" (nach der Widerstandsbewegung die Weiße Rose), gab es zuletzt die Überlegung, ihn nach Kurt Eisner, Anführer der Novemberrevolution von 1918 in München und bis zu seiner Ermordung im November 1918 erster Ministerpräsident des Freistaats Bayern zu benennen. Bekanntlich erhielt schließlich der Platz hinter dem Rathaus den Namen des USPD-Politikers.

Zum Erinnerungsort aufwerten

Die Soldatenverbände schlagen vor, "die Bezeichnung Langemarckplatz zu belassen, aber eine Hinweistafel anzubringen, um die höchst schwierigen Zusammenhänge aufzuzeigen. Dieser Platz kann damit zu einem Erinnerungsort unserer schwierigen Vergangenheit aufgewertet werden. Mit einer Umbenennung bestünde die reale Gefahr, diese Tragödie aus unserem Gedächtnis zu verlieren".

Gedenk- und Mahnmale

Unterzeichnet ist das Schreiben vom Bayerischer Soldatenbund Kreisverband Erlangen Höchstadt mit den angeschlossenen Ortsvereinen, dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr Kameradschaft Eltersdorf, der Soldatenkameradschaft Eltersdorf sowie der Veteranen- und Soldatenkameradschaft Frauenaurach.

Auf dem Langemarckplatz befinden sich bereits ein Gedenkstein der Stadt Erlangen sowie ein entsprechendes Mahnmal des DGB.

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