Sozialarbeit in Erlangen: Hoffnung im "Raum der Tränen"

19.11.2014, 06:24 Uhr
Mit gemeinsamen Projekten rückt die Jugendsozialarbeit auch mal Spaß und Lebensfreude in den Vordergrund.

Mit gemeinsamen Projekten rückt die Jugendsozialarbeit auch mal Spaß und Lebensfreude in den Vordergrund. © Privat

Mit einem Modellprojekt der Jugendhilfe an der Hermann-Hedenus-Schule und einer Vollzeitstelle begann es 1999, inzwischen arbeiten 15 Sozialpädagogen an vier Mittelschulstandorten, an der Berufsschule, am Sonderpädagogischen Förderzentrum und an sechs Grundschulen. Die gesetzlich verordnete und vom bayerischen Sozialministerium geförderte sozialpädagogische Hilfe an Schulen hat sich etabliert. Die Stellen sind beim Jugendamt angesiedelt, die Jugendsozialarbeit ist gewissermaßen eine Außenberatungsstelle.

Die Sozialpädagogen kooperieren und kommunizieren mit der Schule – und den Lehrern – auf direktem Weg. Auch wenn es oft unterschiedliche Meinungen gibt und die Arbeitsweise ganz verschieden ist: „Es ist ein Dialog und eine gegenseitige Wertschätzung entstanden“, sagt Jugendamts-Sachgebietsleiter Michael Strößenreuther. Der Leiter des Sonderpädagogischen Förderzentrums Stintzingstraße, Erich Heinlein, stimmt zu. Die Lehrer hätten oft wenige Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt ihrer Schüler, die Sozialpädagogen würden einen anderen Blickwinkel von außen in die Schule hineintragen.

Jede Schulart hat ihre eigene Herausforderung – auch für die Sozialpädagogen. Am Förderzentrum sind die Klassen kleiner, die Zusammenarbeit mit den Lehrern ist sehr eng. JaS-Mitarbeiterin Uschi Hartmann kann deshalb besonders gut auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingehen – und auch größere Projekte wie eine zweiwöchige Radtour verwirklichen.

Regina Mehl muss an der Berufsschule mit ihren 3000 Schülern – aus Erlangen, aber auch aus anderen Landkreisen – ganz andere Herausforderungen bewältigen. Hier geht es fast nur um Einzelberatung. Die Themen: „Alles, was das Leben birgt“, sagt sie. Vom kleinen Streit mit Freunden über Prüfungsangst, Depression, Drogen, Suizidanfälligkeit bis hin zu Ausbildungsproblemen.

Am anderen Ende der Altersskala sind die Schüler, um die sich Herbert Sauer kümmert. Seit knapp drei Jahren ist er für die Kinder der Hedenus-Grundschule Streitschlichter und Kummerkasten. Er hat ein Ohr für sie, wenn sie von dem erzählen, was sie beschäftigt – wenn die Eltern beruflich überlastet sind, in Scheidung leben oder eine Sucht haben. Der extremste Fall: sexueller Missbrauch.

Der Sozialpädagoge begleitet die Erstklässler und versucht, dem Übergang vom Kindergarten zur Schule „die Wucht zu nehmen“, wie er sagt. Ab der dritten Klasse geht es dann darum, den Druck des Übertritts zu mildern. Zum Glück sei es eine Ausnahme, wenn „ein Vater sein Kind prügelt, damit es lernt“, so Sauer. Doch Leistungszwang äußert sich auch weniger massiv – und ist oft ein Problem für die Kinder.

Katharina Rösch ist an der Eichendorff-Mittelschule mit Themen wie Liebeskummer, Sexualität und Zickenkrieg konfrontiert – und immer wieder mit den sozialen Netzwerken, über die Jugendliche zunehmend ihre Streitigkeiten austragen.

An Problemen mangelt es nicht. Im Gegenteil. „Die Probleme fallen mir an der Schule, zum Beispiel im Pausenhof, regelrecht vor die Füße“, sagt Herbert Sauer. Wenn erst mal Vertrauen da ist, wenden sich die Schüler direkt an die Sozialpädagogen. Dann gibt es Gespräche. „Raum der Tränen“ heißt das JaS-Zimmer an der Berufsschule.

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