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Samstag, 24.08.2019

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Spardorfer saßen in Hongkong fest

Die 18-jährige Pia aus Spardorf wartete mit ihrer Familie zwei Tage lang am Flughafen. - 15.08.2019 16:00 Uhr

Proteste im Hongkonger Flughafen gegen die Regierung und die Gewaltanwendung der Polizei gegen Demonstranten führten dazu, dass viele Fluggäste im Aitrport festsaßen, weil alle Flüge am Dienstag gestrichen wurden. © Kin Cheung/AP/dpa


Ursache dafür: Tausende von Demonstranten hatten sich in der Eingangshalle des Flughafens gegen die Regierung und gegen die Gewalt der Polizei an Demonstrationsteilnehmern bei vorhergehenden Demonstrationen protestiert. Das hat zur zeitweisen Schließung des Flughafens und zur Stornierung sämtlicher Flüge geführt.

Planmäßig hätte der Flug für Vater Uwe Seeling (60), seine Frau Ellen (52), Tochter Pia und Sohn Jan (16) am Dienstag, 13. August, um 1.20 Uhr starten sollen (Ortszeit Hongkong). Wegen Demonstrationen wurde der Flughafen jedoch geschlossen. "Alle Läden wurden fluchtartig verlassen und nicht einmal das Customer Service Center des Airports war am Abend besetzt. Für Reisende gab es absolut keine Informationen! Nur eine Hotline der Airline" schreibt Pia Seeling.

Ihre Familie hatte bei Qatar Airways gebucht. Auch am Dienstag sei keine einzige Person von Qatar Airways oder ein anderer Mitarbeiter, der für Qatar zuständig ist, am Airport gewesen. Auch hätten sie von Flughafen-Mitarbeitern nur zu hören bekommen "Flughafen ist Flughafen und Airline ist Airline!" Wirklich niemand fühle sich für Touristen zuständig. "Wir bekamen dann mit viel Glück ein Hotel in der Stadt auf unsere Kosten".

Im Stich gelassen

"Den kompletten Dienstag habe ich damit verbracht, bei Qatar Airways jemanden zu erreichen: Sowohl hier in Hongkong, als auch in Katar und in Deutschland." Auch am Zielflughafen in Deutschland sei niemand erreichbar gewesen. Auch habe sie dramatischerweise niemanden telefonisch bei der deutschen Botschaft in Hongkong und dem Auswärtigen Amt erreichen können.

Da nicht zu hundert Prozent sicher sei, wer die Anweisungen gibt, die Flüge zu annullieren, würden die Airlines, die Regierung von Hongkong, der Flughafen Hongkong und die Demonstranten die Verantwortung jeweils auf den anderen schieben. Offizielle Papiere gebe es nicht. "Niemand fühlt sich für irgendetwas verantwortlich", klagt Pia.

Per E-Mail habe ihr das Auswärtige Amt mitgeteilt, die Airline sei verpflichtet, "uns zurück nach Deutschland zu bringen und dies hätte noch am Dienstag Ortszeit Hongkong passieren müssen. Passiert ist nichts."

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch habe die Polizei dann den Flughafen gestürmt. Das besonders habe zu einer Panikattacke bei ihr geführt. "Mein Bruder ist völlig besorgt und genervt." Wie sicher es noch ist, wisse wohl niemand so genau. Wie dramatisch sie diese Nacht erlebt hat, zeigen nicht zuletzt die zahlreichen Ausrufezeichen, in ihrem Brief an die EN. Natürlich hätten sich auch ihre Eltern extreme Sorgen gemacht, "wie wir hier möglichst schnell und sicher wegkommen, bevor die Lage völlig eskaliert".

Auf Nachfrage der EN schreibt die junge Frau in einer zweiten Mail, dass, sofern man davon sprechen könne, die Lage für zirka zwei Stunden entspannt gewesen sei. Inzwischen — das war am Mittwoch früh — habe die Familie einen Anruf bekommen, dass sie am Mittwoch um zirka 13 Uhr einen Ersatzflug über Doha (Katar) nach Frankfurt bekommen werde. Weil immer noch niemand von Qatar Airways greifbar war, folgten weitere bange Stunden des Wartens bis zum Check-in. Endlich folgte die Erlösung. In der Mail von 12.17 Uhr heißt es: "Im Moment sieht es so aus, als ob wir gleich in den Flieger steigen . . ." 

en/dik

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