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Stadt Erlangen kämpft gegen Autos auf dem Gelände der Bergkirchweih

Die Bestimmungen für das Parken am Burgberg werden nun geändert - 05.12.2020 18:30 Uhr

Wer rund um das Bergkirchweihgelände nach einem Parkplatz sucht, braucht oft Geduld.

22.05.2020 © Stefan Mößler-Rademacher


"Der Berg ruft" - und zwar nicht nur zu Bierausschenke, Fahrgeschäft, Schokoladenfrüchten und den heimlichen Wetteinsätzen, ob Florian Janik das erste Fass mit zwei Schlägen öffnet oder die erste Reihe wieder duschen gehen muss. Auch außerhalb der fünften Jahreszeit nehmen Erlanger den Weg zum Berg auf sich, nicht um zu feiern, sondern aus rein praktischen Gründen: Sie nutzen den gegebenen Platz zum Parken.

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Nicht allen gefällt es, dass Parkplätze von Fremden genutzt werden - vor allem einigen Anwohnern wird das zu einem Ärgernis. Die Menge an Fahrzeugen, die auf dem Berggelände abgestellt werden, ist hoch - und sorgt dafür, dass das Parken nicht nur ungeordnet stattfindet, sondern auch für eine Verdrängung von den Fahrzeugen von Anwohnern, die im Zweifelsfall keinen Abstellplatz für ihren eigenen PKW mehr finden.

Stadtverwaltung wird aktiv

Darüber wurden Beschwerden laut und sind schlussendlich bei der Stadtverwaltung angekommen: Nach Ortsbegehungen und Informationsterminen, bei denen sich die Bürger einbringen konnten, wurde im Mai die Einführung von Bewohnerparken im Wohngebiet, das von der Spardorfer Straße, Bayreuther Straße, Rathsberger Straße und An den Kellern eingegrenzt ist, beschlossen.

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Die Umsetzung davon beginnt nun: Im geplanten Bewohnerparkgebiet "An den Kellern" werden zukünftig Anwohner bervorzugt behandelt: 50 Prozent der Parkbereiche sind tagsüber für sie reserviert, zwischen 18 und 9 Uhr sogar drei Viertel der Gesamtparkfläche. Die übrigen Parkplätze werden daraufhin zu gebührenpflichtige Parkplätze umgewandelt. Drei neue Parkautomaten wurde für diesen Zweck aufgestellt.

Notwendig wurde dieser Schritt aus einer Vielzahl von Gründen. Planungs- und Baureferent Josef Weber brachte vor allem den Sicherheitsaspekt ins Gespräch. Durch die Vielzahl ungeordnet parkender Autos sei es kaum möglich gewesen, potentielle Wege für Krankenwagen oder Löschfahrzeuge frei zu halten. Die neue Ordnung mit festgeschriebenen Parkbereichen soll dem entgegenwirken.

Mobilitätswandel

Ziel aller Maßnahmen, so Josef Weber, soll es aber auch sein, einen grundsätzlichen Strukturwandel im Bereich Mobilität einzuleiten. Mit der Anpassung von Parkticketpreisen soll ein Anreiz geschafft werden, auf öffentliche Infrastruktur umzusteigen. Für jede angefangene 25 Minuten müssen hier 25 Cent gezahlt werden. Das langfristige Abstellen von PKW soll vermieden und auf den Großparkplatz verlagert werden. Die maximale Parkdauer wird auf einen Tag festgelegt.

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Für Angestellten, die am Berg geparkt haben, um zum Arbeitsplatz zu kommen, sei der Busverkehr eine gute Ausweichmöglichkeit. Gerade für Angestellte der Kliniken schafft die am 13. Dezember neu eingeführte "KlinikLinie", die im 10-Minuten-Takt zwischen nördlicher Innenstadt, Kliniken und Haupt- und Busbahnhof fährt Abhilfe.

Die ersten Schilder, die auf die neuen Regelungen hinweisen, stehen schon, zugehörige Markierungen auf der Straße werden in naher Zukunft angebracht. Ab Januar soll kontrolliert werden. Damit sollen die zuvor üblichen großen Zahlen an Fremd- und Dauerparker reduziert werden.

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Einzelne Anwohner zeigen sich der Umstellung gegenüber aber auch kritisch: Axel Foß etwa beklagt sogar eine deutliche Verschlechterung seiner persönlichen Situation: "Im Endeffekt darf ich mit Anwohnerausweis parken, aber nicht mehr vor meiner Haustür."

Im Plan der Stadt wird vorgesehen, gebührenpflichtiges Parken an höher frequentierten Stellen, bei denen der Besucherverkehr höher ist, einzuführen, während verkehrsberuhigte Bereiche den Anwohner*innen zugesprochen werden.

Skepsis über Wirksamkeit

Des Weiteren herrscht Skepsis über die Effektivität der neuen Zuweisungen: "Wenn ich tagsüber mit meinem Auto hinausfahre, ist es im Endeffekt egal, ob jemand Fremdes oder ein anderer Anwohner reinfährt." Klarheit darüber kann wahrscheinlich erst gegeben werden, nachdem die neuen Maßnahmen in Kraft getreten sind.

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Die Bewohnerparkausweise, mit denen Anwohner auf die eigens zugewiesenen Parkplätze zugreifen dürfen, können bereits erworben werden: Seit dem 1. Dezember sind sie im Internet unter www.erlangen.de/bewohnerparken oder im Bürgeramt im Rathaus unter Vorlage eines Ausweises verfügbar. Im Gültigkeitszeitraum kann dabei zwischen einem halben, einem oder zwei Jahren variiert werden.

Auch in Zukunft wird die Verkehrsplanung in Erlangen ein kontroverses und vieldiskutiertes Thema sein. Anfang kommenden Jahres wird dazu im Stadtrat der Verkehrsentwicklungsplan diskutiert. Erst darin wird ersichtlich, in welcher Komplexität dieser Bereich austariert werden muss.

CHRISTIAN LANGE

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