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Dienstag, 17.09.2019

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Städte-Partnerschaft als Garant für Aussöhnung

Deutsch-polnisches Podiumsgespräch zum Antikriegstag im Landratsamt in Erlangen - 02.09.2019 06:30 Uhr

Podium zum Antikriegstag , links der Vizelandrat von Tarnowskie Gory mit Übersetzerin. © Foto: Dieter Köchel


Nicht von ungefähr fand dieses Gespräch im Landratsamt des Landkreises Erlangen-Höchstadt in Erlangen statt. Denn die Partnerschaft zwischen ERH und dem polnischen Landkreis Tarnowskie Gory war eines der Kernthemen der Diskussion, die von NN-Chefredakteur Alexander Jungkunz souverän moderiert wurde.

Allein in Polen gab es zwischen 1939 und 1945 sechs Millionen Tote, hatte DGB-Vertreter Frank Riegler eingangs referiert. Soldaten aus der Garnison in Erlangen seien im August 1939 an die Grenze nach Polen verlegt worden. Man müsse davon ausgehen, dass sie mit am Überfall auf Polen beteiligt gewesen seien, bei dem überwiegend Zivilbevölkerung hingemordet wurde. All das müsse man wissen, wenn man heute über Erinnern. Mahnen und Versöhnen spreche, so Riegler. "Die Menschenrechte", forderte Riegler, "müssen zur Handlungsanleitung in der ganzen Welt werden." Davon seien wir noch weit entfernt.

Aber, ergänzte Landrat Alexander Tritthart in seiner Begrüßung, die 2005 begründete Partnerschaft zwischen Tarnowskie Gory und Erlangen-Höchstadt habe wertvolle Beiträge zur Verständigung geleistet".

Zur Stimmung in Polen — auch mit der neu aufgeworfenen Frage nach Reparationszahlungen — fragte Jungkunz zunächst Stanislaw Torbus, stellvertretender Landrat von Tarnowskie Gory. Im Hintergrund stünden immer noch der Überfall, der Krieg, das Leiden, sagte Torbus, aber heute eben auch die Versöhnung und die gemeinsame Zukunft in Europa.

Zu den Reparationszahlungen meinte Torbus "ganz persönlich: In zwei Monaten haben wir Parlamentswahlen in Polen". Da könne es für manche Politiker dienlich sein, solche Forderungen aufzustellen. Seines Erachtens aber wäre es wichtiger eine gemeinsame Haltung in Europa zu kritischen Fragen herbeizuführen wie etwa zur Migration. Da stimmten ihm die übrigen Podiumsteilnehmer, Landrat Alexander Tritthart, OB Florian Janik, DGB-Vertreter Frank Riegler und Freundeskreis-Vorsitzender Manfred Bachmayer vorbehaltlos zu.

Das "eigentliche Wunder" des langen Friedens führte zur Frage der Partnerschaft. Die Beziehungen zu Tarnowskie Gory stünden auf einer breiten Basis: Schüleraustausch des Gymnasiums Eckental mit den polnischen Freunden aber auch Begegnungsreisen mit Gesprächen mit den Menschen vor Ort, auch mit der deutschen Minderheit, Kulturaustausch und Sportbegegnungen prägten das Miteinander neben offiziellen Begegnungen.

Zur Partnerschaft Erlangens mit Wladimir sagte OB Janik, da sei es anfangs darum gegangen, die Aussöhnung voranzutreiben. Mit der Perestroika habe es sehr viel Hilfe und Know-how-Transfer nach Wladimir gegeben. Daraus habe sich die heute "aktivste Bürgerpartnerschaft" entwickelt.

Das Reden miteinander auf der unteren Ebene sei der Beitrag den man leisten könne, um nationalistischen Tendenzen und politischen Querschützen entgegenzuarbeiten, war man sich am Podium einig.

Ein Lehrer aus Tarnowskie Gory betonte, die polnische Jugend wolle die Demokratie. Europa müsse Demokratie in Polen fordern und fördern.

Ein Zeitzeuge, der Krieg und Vertreibung aus Ostpreußen — "übrigens auch der Polen" — erlebt hat, der auf dem Zug nach Westen als Kind viele Leichen von Soldaten und Zivilisten gesehen hat, rief den rund 80 Zuhörern die Zusammenfassung der Debatte zu: "Der Frieden in der Welt ist das Wichtigste!" Dazu seien Partnerschaften der beste Weg schloss

Jungkunz die Debatte. 

dik

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