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Steinewerfer-Prozess beginnt: Männern droht harte Strafe

Anklage lautet unter anderem auf versuchten Mord in sechs Fällen - 04.02.2019 06:25 Uhr

Zwei junge Männer warfen Steine und Paletten von einer Autobahnbrücke. Nun steht ihnen eine harte Straße aufgrund von versuchten Mordes in sechs Fällen bevor (Symbolbild). © Julian Stratenschulte/ DPA


Die Angeklagten, heute 20 und 17 Jahre alt, warfen laut Anklage in der Nacht auf den 8. Mai 2018 zunächst in Erlangen-Eltersdorf Steine auf einen Regionalzug, wodurch drei Scheiben zu Bruch gingen. Später warfen sie nach Erkenntnissen der Ermittler dort von verschiedenen Autobahnbrücken aus Pflastersteine und Euro-Paletten auf Fahrzeuge. Sechs vorbeifahrende Autos und Laster wurden getroffen, zweimal überfuhren Autos diese Gegenstände.

Der Beifahrer eines Lkw wurde durch Glassplitter verletzt. Den Sachschaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf rund 20.000 Euro. Dass nichts Schlimmeres passierte, sei, so die Anklagebehörde, nur Zufall gewesen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die beiden jungen Männer wussten, dass sie die Insassen der vorbeifahrenden Fahrzeuge in Lebensgefahr bringen und dass sie deren Tod billigend in Kauf nahmen. Bereits vor den gefährlichen Stein- und Palettenwürfen sollen die Angeklagten mit Brandbeschleunigern ein leerstehendes Fabrikgebäude abgefackelt haben.

Verdächtige in U-Haft

Deshalb lautet die Anklage auf versuchten Mord in sechs Fällen. Weitere Tatvorwürfe lauten auf gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Werden beide Angeklagten nach Jugendstrafrecht verurteilt, so reicht das Strafmaß bis zu zehn Jahren Jugendhaft. Sollte der volljährige Beschuldigte nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, droht ihm theoretisch sogar eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Die zuständige Ermittlungskommission "Stein" nahm die beiden Verdächtigen im Juli 2018 fest. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft haben sie die Vorwürfe bereits eingeräumt.

Am Montag eröffnet die Jugendkammer I des Landgerichts Nürnberg-Fürth die Hauptverhandlung in dem Verfahren. Es sind vier Verhandlungstage angesetzt, voraussichtlich werden rund 20 Zeugen vernommen.

Philipp Demling

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