Streng gegliedertes Spiel mit Form und Farbe

5.11.2011, 00:00 Uhr
Eine fast minimalistische Sparsamkeit: Franz Kochseder in seiner Ausstellung, deren Motto „Nicht wissen wie es anfängt, nicht wissen wie es aufhört“ den experimentellen Charakter des Werks formuliert.

Eine fast minimalistische Sparsamkeit: Franz Kochseder in seiner Ausstellung, deren Motto „Nicht wissen wie es anfängt, nicht wissen wie es aufhört“ den experimentellen Charakter des Werks formuliert. © Harald Hofmann

Franz Kochseder malt ungegenständlich auf nahezu klassische Weise und mit deutlicher Distanz gegenüber der gegenwärtig überwiegend realistischen Malerei. Seine Bilder erzählen keine Geschichten, sondern entwickeln in Form und Farbe streng gegliederte Bildordnungen.

Im Gegensatz zur Farbfeldmalerei und zur konkreten Kunst, die nur entfernt verwandt sind, ist Kochseder an deren abstrakt-rationalistischen Prinzipien nicht interessiert. Er will keine systematische Ordnung in die Farbenwelt bringen. In seinen Bildern setzt er Form und Farbe mit fast minimalistischer Sparsamkeit ein. Auf rechteckigen oder quadratischen Bildflächen beschränkt er sich auf jeweils eine Farbe, die häufig durch Muster oder Abtönungen rhythmisiert und durch sparsame grafische Elemente strukturiert ist.

Wechselnde Reihenfolge

Das formale Prinzip aber ist die Bildreihung. Sie begründet den Zusammenhang der Einzelbilder, die experimentell in wechselnder Reihenfolge zu waagrechten oder senkrechten Poliptychen oder vierfach geteilten Quadraten angeordnet sind. Das Motto der Ausstellung „Nicht wissen wie es anfängt, nicht wissen wie es aufhört“ ist zugleich der Titel der verschiedenen Bildfolgen. Es formuliert den experimentellen Charakter des Werks.

Eigener Rhythmus

Kochseders Experimentieren mit der Farbe zielt aber nicht auf eine Farbenlehre ab. Anders als Josef Albers, der auf seinen quadratischen Bildordnungen die Farbwerte systematisch erforschte, verzichtet er auf die Grundfarben und beschränkt sich auf wenige gebrochene Farben, die von grauen und rötlichen Tönen bis zum leuchtenden Orange changieren.

Jede Bildreihe entwickelt ihren eigenen Rhythmus durch den Wechsel zwischen durchscheinenden und pastos verdunkelten Farbflächen, ein stilles Spiel mit Farbwerten, das in einem leuchtenden Feld kulminiert: eine Farbordnung, die nicht konstruktiv, sondern emotional begründet ist. Dieser spielerische Umgang mit Farbflächen, der auf geradezu musikalische Weise zwischen piano und forte wechselt, bestimmt auch Kochseders Plastiken, die sich nach allen Richtungen in den Raum öffnen.

Franz Kochseder: „Nicht wissen wie es anfängt, nicht wissen wie es aufhört“. Neue Galerie des Kunstvereins, Hauptstraße 72. Bis 26. November, geöffnet Di., Mi,, Fr. 15 bis 18 Uhr, Do. 15 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 14 Uhr.

 

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