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Studierenden-Vertreter beklagen Vermittlungsprobleme

Im Interview mit den Erlanger Nachrichten fordern sie Verbesserungen an der Uni - 15.02.2012 15:00 Uhr

Johanna Griebel und Wolfram Barfuß mahnen eine bessere Kommunikation zwischen Studierenden-Vertretung und Hochschulleitung an. © Bernd Böhner


In den vergangenen Wochen hing der Haussegen zwischen einem Teil der Studierenden und der Hochschulleitung schief. Warum?

Wolfram Barfuß: In Vollversammlungen ist es möglich, dass aus dem Kreis der Teilnehmer Anträge zur Abstimmung gestellt werden. So war es auch im Dezember, als ein Student die Absetzung von Uni-Präsident Grüske forderte. Eine deutliche Mehrheit der Anwesenden – zugegebenermaßen eine ziemlich überschaubare Zahl – sprach sich dafür aus.

Im Gespräch mit den EN zeigte sich Prof. Grüske überrascht von der Rücktrittsforderung, weil er dafür keine Gründe zu erkennen vermochte.

Johanna Griebel: Es ist unsere Aufgabe, alle Studierenden zu vertreten. Selbst wenn eine Forderung nur von Einzelnen erhoben wird, müssen wir sie ernst nehmen. Aber: Der studentische Konvent, der durchaus Mängel an der Hochschule sieht, hat die Forderung nach einem Rücktritt von Prof. Grüske nicht aufrechterhalten.

Barfuß: Wir haben die Rücktrittsforderung ohnehin eher als symbolischen Akt empfunden, als Ausdruck einer in manchen Fällen berechtigten Unzufriedenheit. Wir dürfen nicht vergessen: Ein Studium ist kein Lotterleben, sondern bringt alltägliche Herausforderungen mit sich, etwa finanzieller Art. Habe ich ein bezahlbares WG-Zimmer? Weshalb gibt es kein Semesterticket? Im Gegensatz zu anderen in jüngerer Vergangenheit geforderten Rücktritten von Mandatsträgern wie Guttenberg oder Wulff hat sich Prof. Grüske persönlich nichts zu Schulden kommen lassen.

Weshalb ist ein Teil der Studierenden unzufrieden?

Barfuß: Vielen Studierenden fehlt die Möglichkeit, scheinbare Widersprüche aufzulösen. Auf der einen Seite gibt es bauliche Mängel in und an Uni-Gebäuden, zum Beispiel kaputte Stühle oder undichte Dächer, die — weil angeblich kein Geld vorhanden ist — nicht behoben werden. Dabei — so die Denkweise mancher Studenten — bezahlen wir doch Studiengebühren und die Exzellenzinitiative bringt auch Mittel ein. Auf der anderen Seite wird Geld ausgegeben, etwa für ein neues Uni-Logo, das auf neues Briefpapier gedruckt wird. Oder: Manche Studierende haben den Eindruck, dass an der Technischen Fakultät viele ähnliche Studienangebote geschaffen wurden zu Lasten der Philosophischen Fakultät. Ich glaube, dass wir es in erster Linie mit Vermittlungsproblemen zu tun haben. Denn tatsächlich sind gewisse Geldtöpfe für gewisse Aufgaben reserviert. Und an der TechFak werden mehr Drittmittel eingeworben als an der PhilFak.

Griebel: Dieser Konflikt hat vor allem eines gezeigt: Die Kommunikation läuft nicht perfekt — weder zwischen der Hochschulleitung und der Studierenden-Vertretung und umgekehrt noch zwischen den Studenten und uns.

Im EN-Gespräch zitierte Prof. Grüske aus einem klärenden Gespräch mit Studierenden-Vertretern: „Wir wollen nicht mehr übereinander, sondern miteinander reden.“

Barfuß: So ist es.

Sie waren als Studierenden-Vertreter eingeladen, dem Universitätsrat ein Konzept für eine andere Hochschulpolitik vorzustellen...

Barfuß: Uns ging es weniger darum, ein Konzept vorzulegen. Wir wollten die jüngsten Vorfälle analysieren und Denkanstöße für Verbesserungen geben.

Zum Beispiel?

Barfuß: Wir denken, dass es besser wäre, wenn die Studierenden-Vertreter nicht so häufig komplett ausgetauscht würden. Die nötige Kontinuität und Erfahrung fehlt momentan oft, weil die kurzen Bachelor-Studiengänge ein längeres Engagement kaum ermöglichen. Zudem wünschen wir uns, dass die Neuen künftig eine bessere Einführung von der Hochschulleitung erhalten. 

KIRSTEN WALTERT

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